Tierisch : Rasselbande auf 24 Pfoten

Thiel
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Hochträchtige Hündin im Itzehoer Tierheim abgegeben. Sechs Welpen wohlauf. Neue Besitzer ab Januar gesucht.

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27. Dezember 2017, 05:29 Uhr

Alltagstrott? Davon ist Heike Thiel derzeit weit entfernt. Das liegt an Benita, Emilia, Nelli, Matti, Oscar und Felix. Seit dem 13. Oktober stellen die sechs Welpen samt Mama Tini das Leben auf Thiels Sonnenhof Blomesche Wildnis gehörig auf den Kopf.

Als Notfall kam Tini auf den Sonnenhof, wo eigentlich Hunde des Omihunde-Netzwerks ihren Lebensabend verbringen. Tinis Halterin war mit der Beagle-Hündin bei einer Itzehoer Tierärztin vorstellig geworden. „Als sie erfuhr, dass Tini hochtragend ist, war sie völlig überrascht“, erzählt Heike Thiel. Direkt aus der Praxis machte sich die Itzehoerin auf den Weg ins Tierheim und gab Tini ab.

Dem Team dort war schnell klar, dass eine optimale Versorgung der Hündin und ihrer Welpen nicht möglich sein würde. „Es stand das lange Wochenende vom 3. Oktober bevor, außerdem sollten die Welpen familiär aufwachsen und gut sozialisiert werden“, sagt Heike Thiel. Also wurde Tini auf den Sonnenhof gebracht.

In Windeseile organisierte Heike Thiel alles für die Geburt, holte sich Tipps bei Züchtern – und musste am Ende nur die Handtücher wechseln. „Die Hündin hat das ganz toll alleine gemeistert. Es war faszinierend, wie souverän und entspannt sie das gemacht hat“, schwärmt die Tierschützerin.

Das hätte auch anders kommen können. Der Vater der Welpen ist unbekannt. Vermutet wird, dass es ein Mischlingsrüde war, der etwas größer ist als die Beagle-Hündin. „Wenn der Rüde deutlich größer ist, besteht das Risiko eines Kaiserschnitts“, erklärt Heike Thiel. Sie appelliert an alle Halter, ungeplante Würfe zu vermeiden. „Wenn man nicht möchte, dass die Hündin gedeckt wird, muss man entsprechend aufpassen. Und wer sich mit dem Aufpassen überfordert fühlt, hat die Möglichkeit, das Tier kastrieren zu lassen.“

Mit der Geburt fängt die Arbeit dann erst richtig an: „Die Aufzucht ist sehr aufwendig.“ Hygiene ist das A und O, also läuft die Waschmaschine fast ununterbrochen, der Feudel ist im Dauer-Einsatz. „Die Welpen brauchen Platz und Ruhe“, betont Heike Thiel. Sie müssen verschiedene Situationen kennenlernen, brauchen Spielsachen. „Sie nagen alles an, man muss alles sichern.“ Und natürlich müssen sie geimpft, entwurmt, gechipt, registriert und tierärztlich untersucht werden. Bei Tinis Welpen ist das besonders wichtig, denn in ihrer Familie gibt es Herzprobleme. Erste Untersuchungen geben Grund zur Freude: keine Auffälligkeiten.

Vier Welpen suchen noch ihr Zuhause fürs Leben. Ausziehen dürfen sie aber erst im neuen Jahr. Denn Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk. Und sie sollen die stressige Zeit des Jahreswechsels in der gewohnten Umgebung verbringen. Für ihre Schützlinge sucht Heike Thiel „die weltbesten Familien“, in denen die Vierbeiner ein vollwertiges Mitglied sein dürfen. Sehr genau wird ausgewählt, welcher von seinem Charakter her zu welchen Menschen passt. Wer einen Welpen adoptieren möchte, muss sich im Klaren darüber sein, dass dieser viel Zeit braucht – und dass man eine Verpflichtung für die nächsten rund 15 Jahre eingeht. „Die Hunde werden etwas größer als ein Beagle und sportlich, keine Couch-Potatoes“, sagt Heike Thiel. „Sie sind nichts für Leute, die mit ihnen nur zehn Minuten um den Block laufen wollen.“

Auf dem Sonnenhof bekommen die Welpen die besten Voraussetzungen mit, lernen bereits verschiedene Hunde und Menschen kennen und können sich von ihrer Mutter vieles abschauen. Heike Thiel hat beim Gedanken an den Abschied schon jetzt einen dicken Kloß im Hals. Vergessen wird sie die Rasselbande niemals: „Es ist ein Wahnsinns-Erlebnis, dass ich bei den vielen Hunden, die ich am Ende ihres Lebens begleite, auch mal beim Start ins Leben dabei sein konnte.“

>Interessenten können die Hunde nach Absprache kennenlernen. Spontane Besuche sind aus Rücksicht auf die Senioren auf dem Gnadenhof nicht möglich. Kontakt: 0174/3886217.

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