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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 14:28 Uhr

Rollstuhlsport : Rasante Runden im Renn-Rolli

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Teilnehmer aus ganz Deutschland treffen sich beim Schnupperkursus des Burger Sportvereins für Behinderte in Büsum.

Wie sehr Sport das Leben bereichern kann, konnte im Büsumer Stadion beobachtet werden. Zum elften Mal bot der Burger Sportverein für Behinderte BSC Westküste einen zweitägigen Rennrollstuhl-Schnupperkursus mit dem bekannten Trainer Heinrich Köberle an. Zehn Teilnehmer aus ganz Deutschland versammelten sich um den Rollstuhlfahrer aus Heidelberg.

Der 67-Jährige strahlte eine natürliche Autorität aus und beeindruckte allein schon durch seine Goldmedaillen bei den Paralympics in Seoul, Barcelona und Atlanta. Bis heute hält er die Weltbestzeit im Marathon. Unterstützt von seiner Frau Gudrun trainierte Heini, wie ihn alle nennen, mit viel Feingefühl und Gelassenheit seine Schützlinge von zehn bis 40 Jahren. „Am Anfang darf man sich nicht überfordern, sonst vergeht der Spaß“, lautet sein Motto.

Heini Köberle ist überzeugt von seinen Sport. „Er ist dynamisch und ästhetisch und deckt die ganze Leichtathletik ab: von 100 Metern bis zum Marathon. Der Sport ist ein friedliches Miteinander, man hat ein Ziel und peilt es konsequent an. Man wird beweglicher und belastbarer im Alltag. Rennrolli ist nicht leicht zu lernen. Es ist ein Zusammenspiel von Kraft, Konzentration, Technik und Material.“

Fröhlich und sehr motiviert machte Luisa (10) aus Hamburg mit. Das Schwerste bei dem ungewohnt schmalen Sportgerät mit drei Rädern ist das Anfahren und die Kurventechnik, da musste Luisa mit ordentlich Kraft den sogenannten „Bahnanschlag“ bewegen. Ihre Hände waren geschützt durch sehr steif wirkende Handschuhe. In perfekter Technik flitzte Timm Seestädt (19) über die Büsumer Tartanbahn. Sein Vater Peter hat vor elf Jahren den Verein BSC gegründet – bis heute der einzige Verein in Schleswig-Holstein, der Rennrolli-Kurse anbietet.

Talent und Ausdauer haben Timm weit gebracht. Schon mit elf Jahren hat er an Weltmeisterschaften teilgenommen, heute besucht er ein Sportinternat in Hannover. Gerade die jungen Teilnehmer sahen ihn als Vorbild und holten sich manchen Tipp. Was ihm an seinem Sport gefällt? Die Geschwindigkeit – bis zu 35 Stundenkilometer können die Sportler mit ihren Spezialrollis erreichen – und das Miteinander.

Erik (10) war schon zum dritten Mal dabei und kannte sich aus. „Man sitzt anders, der Oberkörper muss ruhig sein. Die Ellenbogen angewinkelt. Die Hand muss in die Radrille fassen und mit dem Daumen Schwung holen. Eine Bewegung nach hinten und gleich wieder reinschlagen. Wenn du reinschlägst muss es Baff! machen“, erklärte er.

„Rio ruft!“ stand auf Eriks T-Shirt. Er ist in einem Nachwuchs-Team für die Olympiade in Rio 2016. Er war mit seiner ganzen Familie aus Blaustein bei Ulm angereist. Während Schwester Nina (13) in ihr Buch vertieft war, drehte Erik die nächste Runde. „Höchstgeschwindigkeit 17,6“, rief er. „Nicht nur schnell, auch sauber fahren“, mahnte seine Mutter. Sie ist froh, dass Erik einen Sport gefunden hat, bei dem er sich draußen austoben kann. Ganz automatisch ist sie auch seine Trainerin. „Man fährt viel rum“, sagte sie.

Viel Einsatz zeigte auch Hajo Hartkopf. Er ist Lehrer an der Schule für Körperbehinderte in Bad Kreuznach und begleitete seinen Schüler Göktug (11). Der Lehrer erkannte schon eine Veränderung, denn Göktug machte die neue Sportart sichtlich Spaß. „Ich habe das Gefühl da könnte eine Tür aufgehen“, so der Pädagoge. „Das ist definitiv eine Sportart für mich. Der Weg nach Büsum hat sich gelohnt“, sagte Thomas Grimm (40) aus Neustadt an der Saale. Er war bisher in der Schwimm-Nationalmannschaft und peilt jetzt den Marathon an. Die Organisatoren Peter Seestädt und Heino Seyrl freuten sich über ihren gelungenen Rennrolli-Schnupperkursus bei schönstem Wetter an der Westküste.

>Kontakt: www.bsc-westkueste.de.

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