Rapper Dominik K. - Hip-Hop als Ventil

Ein Lied für seine Freundin bei Youtube eingestellt: Dominik K. .  Foto: erb
Ein Lied für seine Freundin bei Youtube eingestellt: Dominik K. . Foto: erb

Nachwuchsmusiker hat durch eigene Lieder einen Weg zur Alltagsbewältigung gefunden

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24. November 2012, 06:56 Uhr

Averlak | In den 60er Jahren waren es die legendären Pilzköpfe (Beatles), die Eltern dazu brachten, sorgenvoll die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Heute sind es Rapper wie 50Cent, Eminem, Bushido, Sido oder 187 Straßenbande. Wenn man an Hip-Hop denkt, dann geschieht dies nur in den seltensten Fällen, ohne das einem bestimmte Bilder vor dem geistigen Auge erscheinen. Halb nackte Schönheiten, die sich lasziv im Takt der Musik bewegen, während auf hart machende Kerle auf den Motorhauben teurer Nobelkarossen sitzen und mit Geld und Edelmetallen protzen. Ein weiteres Bild: rüpelhafte, Tattoo tragende Männer, die mit Messern und Pistolen vor der Kamera posieren und mit ihren diskreditierenden Worten andere Menschen nur allzu gern verletzten und öffentlich zur Gewalt auffordern. Doch dies ist nur eine Sicht der Dinge. Denn hinter Hip-Hop kann auch weit aus mehr stecken.

Etwa junge Wortakrobaten, die diese Form der Musik nutzen, um auf ihre Art und Weise Kritik an der bestehenden Gesellschaftsform zu üben. Mit intelligenten Texten wollen sie zum Nachdenken anregen und andere auffordern, sich zu engagieren, statt in der Regungslosigkeit zu verharren. Rapper, die in dieser Stilrichtung für sich eine Möglichkeit gefunden haben, ihre Sicht auf unterschiedliche Dinge, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Zu dieser Art von Musikern zählt sich Dominik Kühl aus Averlak.

Inspiriert von Samy Deluxe rappt der 19-Jährige seit sechs Jahren. "Die Musik ist extrem wichtig für mich. In meinen Liedern verpacke ich unter anderem das, was mich ankotzt. Das ist doch besser als irgendwelche Leute auf der Straße zu verprügeln oder zu beleidigen", so der Nachwuchsmusiker.

Eine Erkenntnis, die erst reifen musste. Denn nicht immer hatte die Musik diesen Stellenwert, ging er friedvoll mit seinen Mitmenschen um. Für sein recht junges Alter hat Dominik Kühl schon einiges erlebt, sagt er. Nicht alle Erfahrungen ließen sich ohne Weiteres verarbeiten und haben sein Verhalten in eine Richtung beeinflusst, die ihm nicht immer gut getan hat. Die Musik hat ihm aber letztlich geholfen und eine Möglichkeit geboten, sowohl mit der Vergangenheit als auch Gegenwart umzugehen. Nun finden zunehmend auch die schönen Dinge Platz in seinem Leben. So wie die Beziehung zu Lea Sulkiewicz aus Buchholz.

Für seine Freundin hat Dominik Kühl extra ein Lied geschrieben, das er auf der Internetplattform YouTube veröffentlicht hat und das bereits 2617 Mal angeklickt wurde.

Einen Großteil seiner Lieder, die im heimischen Zimmer komponiert und über den PC aufgenommen werden, präsentierte der angehende Fotografen-Azubi bereits bei zahlreichen Auftritten. Erst gestern lud Dominik zu einem von ihm organisierten, eintrittsfreien Konzert im Itzehoer Jugendtreff am Holzkamp. Gemeinsam mit Jannik Stöter aus Itzehoe und Rapper-Kollegen Venom aus Hamburg unterhielt der Dithmarscher Rapper das Steinburger-Publikum.

"Leider ist die Hip-Hop-Szene in Dithmarschen nicht ganz so groß", bedauert Dominik. Da es wenige Veranstaltungen für Nachwuchsrapper gibt, organisiert Dominik häufiger selber Auftrittsmöglichkeiten. Auch wenn er in erster Linie für sich selbst Musik macht, so ist schon der Wunsch vorhanden, von einem Musiklabel entdeckt zu werden.

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