Raffinerie braucht den Elbehafen

Zwei neue Öl-Löscharme ragen hinter (v. li.) Frank Schnabel, Jürgen Wollschläger und Hans Helmut Schramm in den Himmel.
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Zwei neue Öl-Löscharme ragen hinter (v. li.) Frank Schnabel, Jürgen Wollschläger und Hans Helmut Schramm in den Himmel.

Brunsbüttel Ports hat 1,2 Millionen Euro in neue Öl–Löscharme investiert / Jährlich werden rund 3 Millionen Tonnen Rohöl angeliefert

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18. Juli 2015, 10:20 Uhr

Wer vom Hamburger Flughafen aus in die Welt startet, fliegt in der Regel mit einer Maschine, die Flugbenzin aus der Raffinerie in Hemmingstedt gebunkert hat – denn 95 Prozent des Treibstoffs, der auf dem Airport der Hansestadt getankt wird, stammt aus Dithmarschen. Die zur Klesch-Gruppe gehörende Raffinerie wiederum bezieht 80 Prozent ihres Rohöls, das auch Grundlage für die Kerosinproduktion ist, über den Brunsbütteler Elbehafen. 3,4 Millionen Tonnen waren es im vorigen Jahr. Zwischen 60  000 und 80  000 Tonnen löschen die Tankschiffe, die vornehmlich Nordsee-Öl liefern, jeweils im Elbehafen. Damit das Abpumpen des Rohöls gefahrlos für die Umwelt verläuft, hat Hafenbetreiber Brunsbüttel Ports 1,2 Millionen Euro in zwei moderne Öl-Löscharme investiert. Die können den Fluss des Öls im Bedarfsfall so präzise unterbrechen wie die Wasserstopp-Einrichtung einer Waschmaschine.

„Die neue Anlage bedeutet in jederlei Hinsicht einen Schritt Richtung Zukunft. Technisch entspricht sie den jüngsten Anforderungen für einen schnellen, sicheren und nachhaltigen Rohölumschlag. Wirtschaftlich ist diese Investition ein wichtiges Symbol für die weitere gemeinsame Zukunft des Elbehafens und der Raffinerie Heide“, erklärt Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH.

Die Kooperation haben beide Unternehmen erst kürzlich um weitere 20 Jahre verlängert. Dies auch aus Sicht der Raffinerie aus gutem Grund, wie deren Geschäftsführer Jürgen Wollschläger betont: „Eine gesicherte und zuverlässige Rohölversorgung durch den Elbehafen ist Grundlage unserer Arbeit in Hemmingstedt.“ Dass in zwei Jahrzehnten mit der Zusammenarbeit nicht Schluss sein dürfte, zeigt die lange Verbindung der Raffinerie zum Elbehafen.

Von dort wird das Öl per Pipeline zum Ölhafen am Kanal geleitet. Dort unterhält die Raffinerie Lagertanks. Ebenfalls per Pipeline wird das schwarze Gold über 45 Kilometer weiter zur Verarbeitung in Hemmingstedt gepumpt – und zum Teil auch wieder zurück. Neben der Industrie im ChemCoast Park, die Ölspezialitäten bezieht, werden 50 Prozent der Endprodukte auch wieder aufs Schiff zum Weitertransport gebracht – im Ölhafen. Den betreibt Brunsbüttel Ports ebenfalls. Seit Betriebsbeginn des Elbehafens 1967 sind dort insgesamt 144 Millionen Tonnen Rohöl gelöscht worden. Eine Menge, so Jürgen Wollschläger, die fast dem Jahresverbrauch an Rohöl in der Bundesrepublik entspreche. Hans Helmut Schramm, Geschäftsführer der Schrammgroup, zu der Brunsbüttel Ports gehört, umreißt die Bedeutung des Ölumschlags so: „Es gibt eine Konstante im Elbehafen – die Beziehung zur Raffinerie in Hemmingstedt.“ Unter anderem für deren Versorgung hatte das Land den Hafen gebaut. Mit der Privatisierung 1999 übernahm die Schrammgroup den Betrieb.

Die Investition in die Löscharme sind daher für Brunsbüttel Ports eine wichtige Ausgabe gewesen, daneben wurde in jüngster Zeit das lange Jahre brach liegende Hafengleis ertüchtigt und zuletzt eine neue Lagerfläche angelegt. Zunächst, so Schnabel, sei der Reigen der Investitionen abgeschlossen. Mit Blick auch auf den Ölumschlag setzt er darauf, dass die Elbvertiefung umgesetzt wird. Dann hätten auch größere Tanker die Möglichkeit, den Elbehafen anzulaufen. Noch gibt es außerhalb des Hafenbereichs eine Hürde unter Wasser, die dem Tiefgang der Schiffe eine Grenze setzt. Der Elbehafen sei aber grundsätzlich in der Lage, noch größere Tankschiffe anlegen zu lassen.

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