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Verkehrsproblem : Radfahrer von Gehwegen verbannt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wut in Kremperheide: Auf Bürgersteigen in Richtung Itzehoe sind auf Anordnung des Kreises nur noch Fußgänger erlaubt. Jetzt will die Gemeinde klagen.

„Wir werden Rechtsmittel einlegen und gegebenenfalls auch klagen!“ Sven Baumann, Bürgermeister der Gemeinde Kremperheide, hat in einer öffentlichen Sitzung seines Bauausschusses im Feuerwehrhaus angekündigt, dass er eine Anordnung des Kreises Steinburg hinsichtlich der beidseitigen Radwege durch Kremperheide nicht umsetzen wolle. „Das läuft jeder Verkehrssicherung entgegen“, versteht Baumann die Welt nicht mehr.

Weil ein Radfahrer einen Prozess gegen den Kreis Steinburg vor dem Verwaltungsgericht Schleswig gewonnen hat, sieht sich der Kreis gezwungen, die Benutzungspflicht der Radwege aufzuheben. Gegen diese war der Kläger erfolgreich vor Gericht gezogen, weil er nicht gezwungen werden wollte, mit einem Liegefahrrad bzw. mit einem Rennrad den Geh- und Radweg zu benutzen. Als Folge will nun der Kreis den Radweg in Kremperheide in Richtung Krempe nur noch als Fußweg ausschildern mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“. Dann könnten Radfahrer hier frei zwischen Gehweg und Fahrbahn wählen.

Diese Regelung will die Verkehrsaufsicht des Kreises allerdings nicht für die Gegenrichtung in Richtung Itzehoe gelten lassen. Hier soll der Gehweg deshalb ausschließlich Gehweg bleiben. Am rechten Fahrbahnrand soll für Radfahrer ein eineinhalb Meter breiter Streifen durch eine Trennlinie markiert werden. Dagegen wehren sich nun der Bürgermeister, der Bauausschuss und viele erboste Einwohner, die als Zuhörer an der Sitzung teilnahmen. Allerdings sprach sich als einziges Ausschussmitglied Uwe Mischke als Radfahrer gegen Rechtsmittel und Klage aus. Er schloss sich der Auffassung des siegreichen Klägers an.

Bürgermeister Baumann sieht durch das hohe Verkehrsaufkommen auf der Landesstraße 120 mit über 7000 Fahrzeugen am Tag bei zunehmendem Lkw-Verkehr die Sicherheit der Radfahrer vom Schüler bis zum Rentner in Gefahr. Während Kinder bis zu acht Jahren den Gehweg befahren müssen und bis zu zehn Jahren diesen befahren dürfen, müssen sie begleitende Eltern auf dem Weg beispielsweise zum Kindergarten auf die Straße ausweichen.

Warum hier die Trennung von Gehweg und Fahrradstreifen angeordnet wurde, kann Baumann nicht verstehen. Er fordert deshalb, dass auch in Richtung Itzehoe zumindest die Gehwegenutzung durch Radfahrer erlaubt sein sollte. Die Entscheidung der Verkehrsaufsicht bezeichnete er als „sowas von unausgegoren“, dass er diese nicht umsetzen wolle.

Als der Bürgermeister erst dieser Tage von der Anordnung des Kreises erfuhr, glaubte er noch an einen Scherz. „Kinder und wackelige Senioren zur Straßennutzung zu verpflichten, wird zu einem Aufstand der Bürger gegenüber dem Kreis führen“, warnte Sven Baumann.

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