Zukunftskonzept : Radfahrer sollen auf die Straße

Am Fleth dürfen sich Radfahrer aussuchen, wo sie fahren wollen.
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Am Fleth dürfen sich Radfahrer aussuchen, wo sie fahren wollen.

Neues Konzept für Glückstadt in Arbeit / Erstes Ziel: Das unübersichtliche und teilweise widersprüchliche Schilder-Chaos soll beseitigt werden

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19. Juli 2014, 07:00 Uhr

Glückstadt braucht ein neues Radwegekonzept. Dieser Meinung sind viele Bürger und auch Birgit Steup. Die Grünen-Politikerin kann sich vorstellen, dass Radfahrer künftig nur noch auf der Straße fahren. „Die Autofahrer würden sich dann daran gewöhnen“, sagt die Glückstädterin. „Wir als Grüne würden dies als praktisch ansehen. Die Frage ist, ob andere dies auch so sehen.“

Birgit Steup ist Sprecherin der Arbeitsgruppe Radwegekonzept. Dieses ist Teil des städtisches Projektes „Zukunftskonzept Daseinsvorsorge“. Vor kurzem hatten Birgit Steup gemeinsam mit Bürgermeister Gerhard Blasberg Bürger eingeladen, um bei der Entwicklung des Radwegekonzeptes mitzuarbeiten.

Ein Fazit aus dem Treffen ist für die Politikerin: Eine Tempo-30-Zone in der gesamten Innenstadt wäre denkbar – falls es keine Radwege mehr geben sollte. Fakt sei: „Erwachsene dürfen schon jetzt mit dem Rad auf der Straße fahren.“ Dort wo die Verkehrszeichen Gehweg mit Zusatz Radfahrer frei stehen. Dies gilt nicht für kleine Kinder, sie dürfen auf den Gehwegen: „Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten.“ Diese müsse schon im Kindergarten beginnen.

Ein Ziel für dieses Jahr ist auf jeden Fall: „Das Schilder-Chaos muss geregelt werden.“ Deshalb sei zu dem Thema die eigene Arbeitsgruppe „Schilderwald“ gegründet worden. So wie zum Beispiel am Roten Weg, wo aus Richtung Janssenweg das Verkehrszeichen gemeinsamer Geh- und Radweg und aus Richtung Königsbergerstraße das Schild getrennter Geh- und Radweg stehen.


Bürger reden mit beim Radwegekonzept


Zu den Aktiven der Arbeitsgruppe Radwegekonzept gehört auch eine weitere Grünenpolitikerin. Christine Berg gilt in ihrer Fraktion als „Radfahr-Expertin“. Bei dem Treffen mit den Bürgern zeigte sie Beispiele aus der „Schilderwald-Situation“. Das Problem sei, dass die Schilder oft nicht eindeutig genug seien. Auch werden gesetzliche Vorschriften nicht immer eingehalten. Hier ging es zum Beispiel um die Breite von Fahrrad- oder Gehwegen.

Ein Beispiel für Irritation: Fährt ein Radler am Wasserturm vorbei in Richtung Janssenweg zum Neuendeich, um auf der anderen Seite zur Sparkasse zu kommen, dann muss er absteigen. Er muss den Zebrastreifen über den Neuendeich zu Fuß queren und das Rad schieben. So hat es die Verkehrsaufsicht entschieden – wegen der Unfallgefahr. Rein rechtlich dürfte er aber durch den Kreisel fahren. Hier entsteht ein Widerspruch zu den Verkehrszeichen.

Eine für Schüler gefährliche Stelle ist die Kreuzung Lübsches Recht – Steinburgstraße - Christian-IV.- Straße. Anke Koch, Lehrerin an der Regionalschule: „Diese mangelhafte Wegführung ist für Schulkinder, die nach Herzhorn fahren, zu gefährlich. Ich bin jedes Mal wieder froh, wenn mein Kind von der Schule gut zu Hause angekommen ist.“

Bei der Diskussion dabei war auch Jochen Engel, Stadtplaner und Mitglied sowie Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Auch er plädierte dafür, überflüssige Schilder abzubauen, um Sicherheit herzustellen und sprach sich für Tempo 30 in der Stadt aus.

Bauausschussvorsitzender Dr. Sven Wiegmann stellte „sieben Achsen“ vor, die barrierefrei sein müssen, um das Fahren beziehungsweise Gehen zu erleichtern. Er ging speziell auf diese Achsen ein vom DRK-Seniorenheim in die Stadt, um den Marktplatz, am Hafen und den Fleth. Das Thema „barrierefreies Glückstadt“, das in der Lenkungsgruppe „Zukunftskonzept Daseinsvorsorge“ diskutiert wird, könnte mit einem Radwegekonzept verbunden werden. Dies sei ein Zugewinn an Lebensqualität und Sicherheit.

Zum Thema Naherholung stellte Jochen Nölke ein „Rad-Wanderweg-Konzept“ entlang der Rhin vor. Der Weg könnte von der Jugendherberge am Glückstädter Binnenhafen bis hin zur Gaststätte „Poppenhuus“ in der Engelbrechtschen Wildnis führen - und von Herzhorn bis zum Sommerländer Ortsteil Dükermühle.

Im Rahmen des Zukunftsprojektes Daseinsvorsorge gibt es ein weiteres Treffen mit Bürgern. Dieses findet am 23. September um 19.30 Uhr bei den Glückstädter Werkstätten statt.

In der Gruppe Schilderwald arbeiten: Christine Berg (Leitung), Sebastian Kolpert, Dr. Sven Wiegemann, Heiko Patyk und Klaus Bornemann. In der Gruppe Sicherheit sind vertreten: Stephan Venner (Fachbereichsleiter im Rathaus), Bürgermeister Gerhard Blasberg, Wolfgang Engemann, Anke Koch, Susanne Kreth und Hans-Michael Sobetzko.

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