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Schulstandort : Qual der Wahl für Kremper Schüler

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Amtsvorsteher Harm Früchtenicht befürchtet „Zwangs-Zuweisung“ für Krempermarsch-Kinder. Schulrat nennt freie Schulwahl als oberstes Gebot.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 12:09 Uhr

Jedes Jahr ein Jahrgang weniger: Nach dem verlorenen Kampf um die Gemeinschaftsschule Krempe gibt es jetzt ein neues Problem. Wohin mit den Schülern ? Die Eltern können nach dem Schulgesetz frei wählen, und der langjährige Schulstandort Krempe liegt im Einzugsgebiet von gleich drei vergleichbaren Schulen. Die Eltern haben die Qual der Wahl zwischen Horst und Itzehoe und demnächst auch Glückstadt.

„Wie man hört, soll die Schule Lübscher Kamp zur zuständigen Schule für Krempe erklärt werden“, sagt Krempermarsch-Amtsvorsteher Harm Früchtenicht. Nur: „Viele Eltern wollen da nicht hin.“ Klare Forderung aus Krempe: Die Kinder müssten auch in Itzehoe selbst freie Schulwahl haben. Letztlich könne es nicht angehen, dass eine bestimmte Schule gezielt aufgefüllt werden soll.

Insbesondere die Kremper selbst ziehe es aber ohnehin eher in Richtung Horst. Gleiches gelte für Schüler aus Süderau und Grevenkop. Die Krempdorfer wiederum seien mehr in Richtung Glückstadt orientiert. Und dann gibt es ja noch weitere Gemeinden aus dem angestammten Kremper Einzugsgebiet. Früchtenicht: „Rethwisch soll nach Itzehoe, Neuenbrook kann oder soll nach Itzehoe.“ An der Heimatgemeinde des Amtsvorstehers wird zudem das ganze Dilemma mit der künftigen Schülerbeförderung deutlich. Der Bahrenflether Ortsteil Neuenkirchen wird nur sporadisch von 9 Linie angesteuert. Andere Ortsteile der Gemeinde liegen gar nicht an der Strecke. „Sollen die Schüler dann immer erst bis zum Denkmal am Ortseingang von Neuenkirchen laufen ?“ Überhaupt müsse der Schülerverkehr völlig neu organisiert werden. Keine leichte Aufgabe: „Wir fahren die Kinder hin und her wie bei den Bauern die Milch.“

Früchtenicht befürchtet, dass zu allem Überfluss die Kremper Gemeinschaftsschule noch deutlich schneller ausbluten könnte, als bisher gedacht. So würden sich zunehmend schon Geschwisterkinder in Richtung andere Schulen orientieren. Nimmt der Trend an Dynamik zu, könnte eines Tages sogar die Grundschule in Gefahr sein. „Die haben uns hoch und heilig versprochen, dass alle jetzigen Kremper Gemeinschaftsschüler hier auch noch ihren Abschluss machen können“, hofft der Amtsvorsteher auf keinen allzu großen Aderlass.

Geradezu als schulpolitischen Treppenwitz würde Harm Früchtenicht den Umstand empfinden, dass anderenorts in Schulen auch noch viel Geld investiert werden müsse, um Schüler aus dem Kremper Raum aufnehmen zu können. Gleichzeitig lägen in Krempe selbst aber bald 1,5 Millionen Euro an frischen Investitionen in der Gemeinschaftsschule brach. Da kann es bei dem Amtsvorsteher auch nur Kopfschütteln auslösen, wenn jetzt wegen Brandschutzvorschriften noch einmal 40 000 Euro in eine eigentlich sterbende Schule investiert werden müssen. Laut Früchtenicht muss eine Rauchmeldeanlage mit direktem Anschluss an die Einsatzleitstelle in Elmshorn eingebaut werden.

Welche Schule letztlich für welche Krempermarsch-Kinder zuständig sein wird, entscheidet am Ende der Schulrat. „Krempe ist da ein schwieriges Pflaster“, räumt Arnold Rehder angesichts der geografischen Lage ein. Oberstes Gebot sei allerdings die freie Schulwahl für die Eltern. Problematisch werde es natürlich, wenn die Schule der Wahl – in Itzehoe zum Beispiel die Klosterhofschule – voll ist. In einem solchen Fall bestimme der Schulrat die zuständige Schule. Das aber werde dann in jedem Einzelfall entschieden.

Nicht ganz einfach wird es mit der Schülerbeförderung. Grundsätzlich müsse der Transport in die nächstgelegene Schule sichergestellt werde. Würden Eltern einen anderen Schulstandort wählen, würden die Kosten für die Beförderung anteilig übernommen. Etwaige Mehrkosten müssten die Eltern selbst tragen.

Schulrat Rehder macht deutlich, dass er für die Krempermarsch an einer einvernehmlichen Lösung für möglichst alle interessiert sei. Deshalb habe es auch schon zahlreiche Gespräche gegeben. In neun von zehn betroffenen Gemeinden sei dieses Einvernehmen auch bereits hergestellt worden. In einem Fall, so Rehder, habe der betreffende Bürgermeister am Ende auch eingesehen, dass man nicht auf Staatskosten für einzelne Schüler ein Taxi losschicken kann.

Aktuell seien die Schulträger in Horst und in Itzehoe mit der Bitte um Stellunnahmen angeschrieben worden. Ergebnisse und Auswertung stünden noch aus. „Ein Schulstandort für die ganze Krempermarsch wäre unsinnig“, weiß Arnold Rehder. Deswegen schaue man jetzt genau: Wo kommen die Schüler her? Wer fährt wohin? Spätestens im nächsten Jahr kommt dann auch noch Glückstadt ins Spiel. Die dortige Regionalschule wird zur Gemeinschaftsschule – und damit auch für die Kremper interessant. Zwischen den beiden Städten verkehrt regelmäßig die Bahn. „Ich bin guter Hoffnung, dass es am Ende für alle eine Lösung gibt“, zeigt sich der Schulrat noch optimistisch. Zumal, so fügt er hinzu, es in neun Gemeinden schon völlig stressfrei laufe.

 

 

 

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