Psychiatrie-Budget: Itzehoer Modell ist Gesetz

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09. Juli 2012, 07:15 Uhr

itzehoe/Berlin | Seit dem Jahr 2003 gibt es im Kreis ein Regionales Psychiatrie-Budget, entwickelt und umgesetzt im Klinikum Itzehoe. Ein Modellprojekt - und nun bekommt es Gesetzeskraft. Im Sozialgesetzbuch V wird der neue Paragraf 64b eingefügt.

Er ist Teil des Entgelt gesetzes für psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Einrichtungen, mit dem Professor Dr. Arno Deister zunächst einmal nicht zufrieden ist: Denn es schreibe eine psychiatrische Versorgung fest, die stark auf stationäre Behandlung fixiert sei, erklärt der Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe. Der neue Paragraf, der die Möglichkeit regionaler Budgets eröffnet, macht ihn aber durchaus stolz: "Das ist das, was auf unserem Mist hier gewachsen ist. Das ist das, was wir seit fast zehn Jahren hier in Itzehoe leben."

Ab 2013 gilt damit ein tagesbezogenes pauschaliertes Entgeltsystem für psychiatrische Einrichtungen. Das heißt: Es gibt eine Pauschale für die Behandlung, in welcher Form auch immer sie erfolgt. "Dadurch wird die Vernetzung stationärer, tagesklinischer und klinisch-ambulanter Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ermöglicht", sagt Deister. Das trage der Notwendigkeit vernetzter psychosozialer Behandlung für psychisch kranke Menschen Rechnung.

So wird es in Itzehoe seit 2003 praktiziert. Oft hatte der Chefarzt Gästen aus der Politik von Erfolgen wie deutlich kürzeren Klinik-Aufenthalten berichtet. "Ein bisschen ist das ein Paragraf, der sich nach Itzehoe ausrichtet." Lange war der Kreis Steinburg die einzige Modellregion, aktuell gibt es bundesweit sechs, fünf in Schleswig-Holstein, eine in Thüringen. Vier weitere in Sachsen und Brandenburg stehen vor dem Start.

Nachdem die Finanzierung nun Gesetzeskraft hat, rechnet Deister mit weiteren Nachahmern: "Es ist zu erwarten, dass jetzt eine größere Zahl weiterer Kliniken in Deutschland diese Versorgungsform aus dem Kreis Steinburg übernehmen wird." Selbst in den Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen habe das Itzehoer Modell Eingang gefunden: "Das haben wir auch nicht so oft, dass die auf uns Bezug nehmen."

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