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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 12:31 Uhr

landgericht : Prozess nach 24 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rumäne vor Landgericht Itzehoe wegen Vergewaltigung aus dem Jahr 1989 angeklagt: Er stellt sich freiwillig dem Verfahren.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 16:30 Uhr

Es war der letzte Sommer vor dem Fall der Mauer. Viele zieht es aus den Satellitenstaaten des ehemaligen Warschauer Paktes nach Westen. So auch mehrere Rumänen, die in der damaligen Asylantenunterkunft in Oelixdorf landeten. Einer von ihnen muss sich nun nach 24 Jahren vor dem Landgericht verantworten. Der Vorwurf: Vergewaltigung.

Angeklagt ist ein heute 54-jähriger Rumäne, der nahe Göteborg in Schweden lebt, verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Am Abend des 29. Juli 1989 soll er mit einem Landsmann einer Polin, die mit fast drei Promille schwer betrunken war, zur Unterkunft gefolgt sein und sie überfallen haben. Mit Schlägen machten die Männer laut Anklage die Frau gefügig und vergewaltigten sie nacheinander. Damals waren alle um die 30 Jahre alt, sind heute also Mitte 50.

Mehrere ältere Anwohner wurden Zeugen der Tat, ihre Aussagen finden sich in den Akten. Doch diese weisen erhebliche Lücken auf, Seiten sind nicht lesbar oder fehlen. Etliche der einstigen Zeugen sind verstorben. So forderte Verteidigerin Gabriele Heinecke aus Hamburg die sofortige Einstellung des Verfahrens: ,,Es ist ein massiver Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs. Wie soll man verteidigen, wenn man nur einen Teil der Akten hat?“ Heinecke wies zudem darauf hin, dass beim Opfer keine Spuren des Angeklagten gefunden worden seien, auch ein bei ihr gefundenes Haar stamme nicht von ihm. ,,Wir haben nur Müll“, schimpfte Heinecke. Wie Staatsanwältin Stephanie Poensgen beantragte sie die Einstellung des Verfahrens. Doch die Strafkammer unter Vorsitz von Eberhard Hülsing war anderer Meinung: ,,Ein unüberwindliches Verfahrenshindernis liegt nicht vor.“ Zudem stehe das Opfer als Zeugin zur Verfügung.

Mehrfach war die Verjährung unterbrochen worden, deshalb findet das Verfahren überhaupt nur statt. Ein weiterer Grund: Der Angeklagte war bereit zu erscheinen. Mit Hilfe einer Dolmetscherin berichtete er, wie er zwei Tage vor der Tat in Oelixdorf eintraf. Am Tatabend lernte er in einer Kneipe drei Landsmänner und zwei Polinnen kennen. Eine der betrunkenen Frauen habe ihn aufgefordert, sie mit nach Schweden zu nehmen, sein eigentliches Reiseziel. Er habe abgelehnt und sich später allein auf den Heimweg gemacht. Dort hätten ihn Landsleute gewarnt, die Polizei sei da, man suche ihn. Er sei mit der Bahn nach Hamburg gefahren und nach einer Nacht im Freien weiter nach Schweden gereist.

1991 sei er in Berlin auf dem Weg nach Rumänien festgenommen worden, schilderte der 54-Jährige. Der Versuch, ihm den Prozess zu machen, scheiterte, weil das Opfer nicht verfügbar war. Er kehrte zurück nach Schweden, die Akte wanderte in den Keller. Doch 2011 nahm Staatsanwältin Monika Krause sie in die Hand und lud den 54-Jährigen kurzerhand. Der erklärt seine Bereitschaft zu kommen – so kam es nach 24 Jahren zum Prozess. Auch die Polin war erschienen. Sie wird beim Fortsetzungstermin 6. Januar gehört.

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