Filialschliessungen : Protestaktion mit 750 Unterschriften

Bürgerprotest gegen die Sparkassenschließung (v. l.): Gemeindevertreterin Dörte Ringleben, Ehrenbürgermeister Ingo Karstens, Bürgermeister Delf Bolten, Pastor Jens Siebmann, Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey, UWG-Fraktionschef Bernhard Sachse, Seniorenbeauftragter Henning Sötje und Helmut Carstens, der den Großteil der Unterschriften gesammelt hat und die Forderung hochhält: „Die Sparkasse muss bleiben!“
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Bürgerprotest gegen die Sparkassenschließung (v. l.): Gemeindevertreterin Dörte Ringleben, Ehrenbürgermeister Ingo Karstens, Bürgermeister Delf Bolten, Pastor Jens Siebmann, Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey, UWG-Fraktionschef Bernhard Sachse, Seniorenbeauftragter Henning Sötje und Helmut Carstens, der den Großteil der Unterschriften gesammelt hat und die Forderung hochhält: „Die Sparkasse muss bleiben!“

Kampflos wollen die Wewelsflether das beabsichtigter Aus „ihrer“ Sparkassenfiliale nicht hinnehmen. Unterstützung erhalten sie aus Beidenfleth.

shz.de von
27. März 2017, 11:41 Uhr

Mehr als jeder zweite Wewelsflether hat sich mit einer Unterschriftenaktion gegen die zum Jahresende angekündigte Schließung der Sparkassen-Filiale in Wewelsfleth zur Wehr gesetzt. Nun wollen sich die Bürger der Nachbargemeinde Beidenfleth an der Aktion beteiligen. Das sagte deren Bürgermeister Peter Krey am Sonnabendmittag bei einer Protestveranstaltung vor der Filiale in der Wewelsflether Deichreihe.

„Wir haben schon 750 Unterschriften gesammelt und werden sie auf den Weg zum Vorstand der Sparkasse Westholstein nach Itzehoe bringen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der UWG im Gemeinderat, Bernhard Sachse. Er hatte gemeinsam mit seiner Fraktionskollegin Dörte Ringleben den Protest angekurbelt, der auch von Bürgermeister Delf Bolten und sämtlichen Fraktionen des Ortsparlaments unterstützt wird.

Ob Gemeindevertreter, Pastor, Seniorenbeauftragter oder Ehrenbürgermeister – sie alle können die Entscheidung der Sparkasse Westholstein nicht verstehen, ihr Filialnetz aus der Fläche zurückzuziehen und damit die Kunden außerhalb der Städte im Stich zu lassen. Wenn auch die Filialschließung realistisch betrachtet befürchtet worden war, so wollen die Bürger die Schließung des SB-Bereichs mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker nicht hinnehmen.

Die Kunden, so schreibt die UWG in einer Presseerklärung, hätten in der Vergangenheit viele Maßnahmen unterstützt, mit denen der Standort der Sparkasse gesichert werden sollte. „Nun fühlen wir uns im Stich gelassen!“ Die Schließung der Filiale gefährde den Dorfkern, die Geschäfte und die Gastronomie. „Alle Wewelsflether wollen ihre Sparkasse behalten!“ Das bekunden sie auch auf zwei Transparenten, die weniger einen Protest als eine Liebeserklärung darstellen, Zwischen zwei Herzen heißt es „Wir lieben unsere Sparkasse Westholstein!“ oder das Versprechen „Wir wollen treu bleiben!“ Darunter der eindringliche Appell an den Vorstand: „Bitte lasst uns den SB-Automaten!“

In den Protest hat sich inzwischen auch die Peterswerft eingeschaltet. Werftchef Mark Dethlefs schrieb: „Die Werftleitung ist enttäuscht, dass es zukünftig in Wewelsfleth nicht einmal mehr möglich ist, überhaupt noch Bargeld abzuheben.“ Er sieht in der Maßnahme der Sparkassenführung ein vermindertes Dienstleistungsangebot. So wies auch Gemeindevertreter Gerd Burkhardt darauf hin, dass es auf der Werft viele ortsfremde Leiharbeiter gäbe, die auf einen Geldautomaten angewiesen seien, um in Wewelsfleth zu Bargeld zu kommen. Wenn sie Überweisungen an ihre Familien tätigen wollen, sie das für sie in auswärtigen Filialen schwer möglich, da sie zum einen wenig mobil seien und zum anderen sie diese Filialen erst nach Feierabend aufsuchen könnten, wenn diese längst geschlossen seien.

In Wewelsfleth waren Unterschriftenlisten beim Kaufmann, beim Zahnarzt und beim Bäcker ausgelegt worden. Außerdem wurden die Einwohner vor allem von dem 71-jährigen Rentner Helmut Carstens und weiteren Unterstützern von Haus zu Haus aufgesucht worden. Dabei hatte er mehrere hundert Unterschriften erhalten.
Bürgermeister Delf Bolten freut sich über den Schulterschluss der kreisweit betroffenen Gemeinden, um noch ein Umdenken bei der Sparkasse zu erreichen. In Wewelsfleth soll nicht nur die bisher personell besetzte Filiale geschlossen, sondern es sollen auch die SB-Automaten abgezogen werden. In Beidenfleth hatte die Sparkasse bisher nur noch die beiden Automaten angeboten. „Die wollen wir für unsere Bürger behalten“, bekräftigte Bürgermeister Peter Krey. Die Gemeinde sei sogar bereit, auf die monatliche Miete von 100 Euro für den SB-Raum der Sparkasse zu verzichten.

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