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Energiewirtschaft : Protest mit Tschernobyl-Zeitzeugen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zur Demonstration am 23. April in Brokdorf werden auch zwei Liquidatoren der Atomkatastrophe von 1986 erwartet.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 06:07 Uhr

Die Botschaft ist so routiniert wie eindeutig: Nach der Zwangspause wegen schadhafter Brennstäbe dürfe das Kernkraftwerk Brokdorf gar nicht mehr ans Netz gehen. Zum bereits 5. Male rufen Atomkraftgegner, Naturschutz- und Umweltverbände sowie politische Parteien zur Protest- und Kulturmeile am Atommeiler an der Elbe auf. Treffpunkt ist dort am Sonntag, 23. April. Los geht es wie immer zur symbolisch bedeutsamen Zeit um genau zwei Minuten vor Zwölf.

Anlass für die Veranstaltung zu der je nach Wetterlage mehrere hundert Teilnehmer erwartet werden ist der 31. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl. Kundgebungsbesucher können diesmal sogar aus erster Hand erfahren, welche gravierenden Folgen das Nuklear-Unglück vom 26. April 1986 bis heute hat. Mit Yauheniya Filomenka und Nikolaj Bondar werden zwei Zeitzeugen erwartet. Sie waren nach dem Unglück als zwei von insgesamt 600  000 Liquidatoren vor Ort eingesetzt, um die radioaktive Strahlung einzudämmen. Mit der Veranstaltung am Sonntag soll der durch die Atomkatastrophe Getöteten und Erkrankten gedacht, gleichzeitig aber auch vor den Folgen eines Unglücks in Brokdorf gewarnt werden. Hier, so die Veranstalter in einer Mitteilung, könnten bei solch einem Unglück sechs Millionen Menschen obdachlos werden.

Für Elke Leuschner von der Anti-Atomkraft-Gruppe Dithmarschen ist dieses Risiko „völlig unnötig“. Aus Sicht der Atomkraftgegner werde der Strom aus Brokdorf nämlich gar nicht mehr benötigt. Und: „Da es nie ein sicheres Lager geben wird, wird hier nur zusätzlicher Atommüll produziert.“

Wasser auf die Mühlen der Kernkraftgegner ist auch ein Zwischenfall bei einer Kraftwerksblockade am 10. März. Während Aktivisten die Tore unpassierbar gemacht hatten, gab es Alarm wegen eines Verkehrsflugzeugs, zu dem der Funkkontakt abgebrochen war. Alle Kraftwerksmitarbeiter hatten das Gelände verlassen müssen. Norbert Pralow von der BUND-Kreisgruppe Dithmarschen: „Abfangjäger steigen auf und bundesweit werden Atomkraftwerke teilevakuiert. Aber die Bevölkerung erfährt davon gar nichts.“

Für den Brokdorfer Karsten Hinrichsen ist jedenfalls eine solche „Gefährdungslage nicht akzeptabel“. Er verweist zudem auf die noch immer ungeklärte Korrosion einzelner Brennstäbe hin und wirft die Frage auf: „Welche unerkannten Fehler wohl noch im AKW Brokdorf schlummern?“ Für die Initiatoren der Demonstration stehe fest: „Nicht Gerichte oder Wahlen entscheiden über den Atomausstieg, sondern der Widerstand der Betroffenen.“ Hinrichsen fordert: „Das Ding muss weg.“

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