Atomkraftwerk in Brokdorf : Protest im Zeichen der Revision

Rufen zum sechsten Male zur Protest- und Kulturmeile am Kernkraftwerk Brokdorf auf: Die Atomkraftgegner um (v.l.) Rainer Guschel, Karsten Hinrichsen, Eilhard Stelzner, Norbert Pralow und Gisela Wieneke am Tschernobyl-Gedenkstein.
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Rufen zum sechsten Male zur Protest- und Kulturmeile am Kernkraftwerk Brokdorf auf: Die Atomkraftgegner um (v.l.) Rainer Guschel, Karsten Hinrichsen, Eilhard Stelzner, Norbert Pralow und Gisela Wieneke am Tschernobyl-Gedenkstein.

Atomkraftgegner rufen am 22. April zum Tschernobyltag vor dem Kernkraftwerk in Brokdorf auf.

shz.de von
11. April 2018, 05:00 Uhr

In den vergangenen Jahren war es für die Atomkraftgegner noch immer fünf vor zwölf. In diesem Jahr ist es für sie „High Noon“. Pünktlich um 12 Uhr starten sie am Sonntag, 22. April, ihre inzwischen 6. Protest- und Kulturmeile rund um den Atommeiler an der Elbe. Klare Botschaft auch diesmal: sofort stilllegen!

„Sowohl die Atomaufsicht, als auch der Betreiber geben zu: Niemand kennt genau die Ursachen für die vor rund einem Jahr bekannt gewordenen Oxidationen an Brennstäben.“ Für Karsten Hinrichsen von Brokdorf akut und seine Mitstreiter ist allein das schon Anlass genug, das Kraftwerk nach der derzeit laufenden Revision gar nicht mehr als ans Netz gehen zu lassen. „Unsere Befürchtung ist: Die lassen die Anlage dann sogar wieder volle Pulle laufen.“

Mit der Protestaktion soll in erster Linie an den 32. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl erinnert werden. Ein Gedenkstein an der Ecke Osterende/Hollerwettern erinnert daran. Für die Atomkraftgegner ist Brokdorf spätestens seit dem Entdecken korrodierter Brennstäbe „ein AKW im Blindflug“. „Vielleicht haben wir ja 30 Jahre lang an den falschen Stellen gemessen“, mahnt Karsten Hinrichsen. Eilhard Stelzner kann da nur beipflichten und wirft die Frage auf: „Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn hier etwas passiert.“ In Anspielung auf den von der neuen großen Koalition in Berlin herausgestellten Heimatgedanken, sieht er nun auch Innenminister Horst Seehofer in der Pflicht, sich um Brokdorf zu kümmern: „Wenn man Heimat schützen will, muss man hier anfangen.“ Ergänzend wirft er ein: „Die Menschen in Tschernobyl haben ihre Heimat verloren.“

„Für uns Atomkraftgegner kommt es jetzt entscheidend darauf an, wie nach dem Ende der Revision argumentiert wird“, so Karsten Hinrichsen weiter. Die Organisatoren der Protestaktion kritisieren dabei heftig die Informationspolitik von Betreiber und Atomaufsicht. Angeforderte Unterlagen würden zum Teil zwar zur Verfügung gestellt. Sie seien in weiten Teilen aber mit Hinweis auf Betriebsgeheimnisse geschwärzt. Dabei, so stellen sie fest, könne und dürfe es doch gar keine Betriebsgeheimnisse mehr geben, weil Anlagen wie Brokdorf seit langer Zeit gar nicht mehr gebaut würden.

Fazit der Veranstalter: „Keiner weiß, was der Reaktor ausbrütet.“ Mit einer Vielzahl von Organisationen und Verbänden rufen sie zur Teilnahme an der Protest- und Kulturmeile auf, die in den vergangenen Jahren ein buntes und friedliches Miteinander der AKW-Gegner vor den Toren des Kraftwerks war. Mehrere Redner wollen auf die Gefahren der Kernenergie hinweisen. Erwartet werden auch wieder Protestsänger Gerd Schinkel sowie unter der Regie der Heinrich-Böll-Stiftung Liquidatoren der Tschernobyl-Ruine.

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