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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 02:09 Uhr

Ortsentwicklung : Protest gegen Straßenausbau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner des Ostlandweges in Krempe kritisieren die geplante Variante als zu teuer: Der Kostenanteil pro Grundstück liegt im Mittel bei rund 14 000 Euro.

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erstellt am 05.Dez.2016 | 11:57 Uhr

Die Empörung ist groß. Ebenso die Sorge vieler um ihre Existenz. Darum protestieren die Anwohner des Kremper Ostlandweges gegen den von der Stadt geplanten Ausbau ihrer Straße. Dabei geht es insbesondere um den hohen Kostenanteil für die Grundstückseigentümer. Von bis zu 9500 Euro pro Grundstück war jüngst in einem Bericht unserer Zeitung die Rede. Aber: „Das entspricht nicht dem, was tatsächlich gezahlt werden muss“, betont Werner Kaufmann, dessen Tochter mit Familie im Ostlandweg wohnt. Vielmehr liegen die Kostenanteile der 44 Grundstückseigentümer allein im Mittel schon bei 14  000 Euro – bis hoch auf mehr als 21  000 Euro: Je Quadratmeter Grundstücksfläche rund 18 Euro zahlt der Einzelne.

Dass Rohrleitungen instand gesetzt werden müssen, sei klar, aber wie der weitere Straßenausbau, an dessen Kosten Anlieger beteiligt werden, gestaltet werden soll, da regt sich bei den Anwohnern der Widerstand. Sie haben eine Unterschriftenaktion gegen die Ausbaupläne gestartet, zumal, so Kaufmann, im Laufe der nächsten Jahre ja auch weitere Straßen im Stadtgebiet betroffen sein werden. „Das Problem geht alle Kremper an.“ Darum hoffen die Anwohner, die sich spontan zum Pressegespräch in ihrer Straße getroffen hatten, auf Solidarität in der Bevölkerung. Und auf Verständnis in den städtischen Gremien.

Sie haben einen Brief an Bürgermeister Volker Haack verfasst, in dem sie ihn und die Bauausschuss-Mitglieder wie auch die gesamte Ratsversammlung darum bitten, sich mit Sparoptionen zu befassen. Die Maßnahme sei viel zu teuer. Viel früher hätten sie sich Informationen gewünscht, und auch Überlegungen zu kleineren Lösungen. Im April dieses Jahres hatte es die erste Infoveranstaltung für die Anlieger gegeben, im März nächsten Jahres soll der Bau starten. „Aber was es kosten würde, darüber gab es im April keine Daten“, sagt Kaufmann. Im September beschloss die Ratsversammlung das Bauprogramm Ostlandweg. „Das hat keiner der Anlieger gewusst!“ Erst am zweiten Infoabend am 12. November wurde der Preis genannt – und der Bürgermeister habe den Zeitdruck für die anstehende Ausschreibung betont. Es sei aber noch nichts beschlossen, habe er gesagt,was die Anlieger allerdings für fragwürdig hielten. Sie reagierten entsetzt, sammelten Unterschriften und überreichten sie dem Bürgermeister vor der Ratsversammlung am 23. November. Daraufhin wurde der Tagesordnungspunkt zum Beschluss vertagt.

Die Hauseigentümer wünschen sich, dass „die Ratsversammlung den Ausbau der Straße nochmals überdenken und gegebenenfalls verschieben möge“. „Wir brauchen keine fünf Meter breit ausgebaute Straße“, sagt Brigitte Schmidmeier unter dem Beifall der anderen. So wie es ist, reiche es. Allerdings sei die Stadt hier nie ihrer Instandhaltungspflicht nachgekommen, lautet ein weiterer Kritikpunkt. Hinzu komme, dass Ausbaubeiträge für Grundstückseigentümer landesweit ohnehin umstritten sind – und es vielleicht in absehbarer Zeit sogar gesetzliche Änderungen geben könnte. Und: „Es geht auch anders“, sagt Martin Haase. Er weist auf ein Solidaritätsbeispiel aus Borgstedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde hin. Dort wird eine Satzungsänderung überlegt, wonach nicht die Einmalzahlung der Straßenanlieger, sondern die wiederkehrende Beitragsbelastung aller festgelegt werden soll.

Nun haben die Anwohner des Ostlandwegs noch einmal ihren Protest schriftlich fixiert. Sie fordern mehr Zeit, um über Alternativen, Sparmöglichkeiten und andere Finanzierungsmodelle zu beraten. Das wollen sie auch in der dritten Infoveranstaltung deutlich machen. Diese findet morgen um 19 Uhr in der Mensa der Grundschule Krempe statt.

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