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Finanzwirtschaft : Protest der Gemeinden abgeschmettert

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Filialschließungen bei der Sparkasse Westholstein sorgen für mehrstündige Debatte in Verbandsversammlung in Neuendorf-Sachsenbande. Entscheidung fällt im Verwaltungsrat.

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erstellt am 18.Mai.2017 | 05:03 Uhr

Ihr Protest gegen die Schließung von Sparkassen-Zweigstellen war nicht von Erfolg gekrönt. In der Verbandsversammlung des Sparkassen-Zweckverbandes am Dienstagabend im Landgasthaus Zum Dückerstieg konnten sich die Bürgermeister aus Beidenfleth, Blomesche Wildnis, Engelbrechtsche Wildnis, Herzhorn, Kollmar, Lägerdorf, Wewelsfleth, Sommerland und Neuendorf bei Elmshorn nicht durchsetzen. Die Gemeinden hatten sich mit Wilhelm Mecklenburg einen Rechtsbeistand genommen und sieben Anträge an die Versammlung gerichtet. Damit wollte die Zehnergruppe die Einflussnahme der Verbandsversammlung auf Entscheidungen von Verwaltungsrat und Sparkassenvorstand stärken und die Schließungen abwenden. Doch dafür fanden sie bei der Abstimmung keine Mehrheit. Alle Anträge wurden von der Versammlung abgeschmettert.

Zuvor hatten Karl-August Geest, Vorsitzender der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Sparkasse Westholstein, und Vorstandschef Achim Thöle noch einmal die Situation des Geldinstituts und die Gründe für das Schließungskonzept deutlich gemacht. Sechs Zweigstellen sollen geschlossen, zehn in SB-Standorte (Geldautomaten) umgewandelt und acht SB-Standorte aufgegeben werden. „Von 52 Standorten werden konkret 14 geschlossen“, betonte Karl-August Geest, Vorsitzender der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Sparkasse Westholstein. Und später wies auch noch einmal Sparkassenvorstand Achim Thöle darauf hin, dass nicht wie Anträge der Schließungsgegner aussagten etwa die Hälfte, sondern zirka 27 Prozent der Standorte betroffen seien. Quintessenz der Ausführungen: Die Schließungen seien unumgänglich, wolle man die Eigenständigkeit der Sparkasse in der Fläche wahren und die Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Er erwartet in den nächsten fünf Jahren drastische Gewinneinbrüche angesichts der von der Europäischen Zentralbank niedrig gehaltenen Leitzinsen. In Versammlungen im September und Februar sei übrigens darauf hingewiesen worden, dass es zu schmerzvollen Maßnahmen in allen Bereichen kommen und der Vorstand zur Gegensteuerung ein entsprechendes Konzept in den Verwaltungsrat geben werde. Gleichwohl räumte er im Verlauf der über dreistündigen Debatte auch Fehler in der Informationspolitik der Sparkasse ein.

Einige der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden machten ihre Standpunkte nochmals deutlich, es gab Grundsatzdiskussionen zwischen den Rechtsvertretern Wilhelm Mecklenburg und Bernd Kummert (Sparkassen- und Giroverband). Während Kummert ausführte, dass die Verbandsversammlung laut geltenden Rechts zu Schließungen gar keine Entscheidungen fällen darf – das obliege einzig dem Verwaltungsrat – und nur Stellungnahmen abgeben dürfe, zog Mecklenburg dies in Zweifel.

Doch mit überwältigender Mehrheit von 214 Ja- zu 30 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen brachte die Versammlung die Stellungnahme auf den Weg, die inklusive aller schriftlichen Standpunkte und Resolutionen dem Verwaltungsrat der Sparkasse vorgelegt wird. Mit der Bitte diese bei der Entscheidung über die Schließung von Zweigstellen zu berücksichtigen. Der Verwaltungsrat tagt einmal monatlich – wann ein Ergebnis vorliegt, bleibt abzuwarten. Die Erkenntnisse von Dienstagabend werden die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden erstmal sacken lassen müssen, wie Wewelsfleths Bürgermeister Delf Bolten im Anschluss sagte. „Wir werden uns mit unserem Anwalt beraten.“

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