zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 02:09 Uhr

Kirchenkreis : Propst Bergemann tritt wieder an

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

53-Jähriger aus Itzehoe ist einziger Kandidat bei der Synode im März. In seiner zweiten Amtsperiode will er der Kirche mehr Gehör verschaffen.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 15:28 Uhr

Thomas Bergemann ist leicht verschnupft. Das allerdings hat ausschließlich mit der Jahreszeit zu tun und nichts mit seinem Amt als Chef des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf. Im Gegenteil: Als Propst fühlt sich der 53-Jährige so wohl, dass er jetzt noch zehn Jahre dran hängen will. Am 24. März soll die Kirchenkreis-Synode in Brande-Hörnerkirchen über die Top-Personalie entscheiden. Dr. Thomas Bergemann wird dort nach einem Vorab-Votum des Kirchenkreisrates einziger Kandidat sein.

Vor zehn Jahren war der Hamburger erst im dritten Wahlgang und mit einem denkbar knappen Ergebnis zum Nachfolger von Berend Siemens gewählt worden. Seine Ansage damals auch angesichts der bevorstehenden Fusion zweier Kirchenkreise: „Ich will als neuer Kapitän das Schiff durch schwierige Zeiten führen.“ Und seine Bilanz heute? „Die Fusion ist richtig gut gelungen. Das passt so alles zusammen.“ Bergemann genießt dabei auch die vergleichsweise kurzen Wege. Vom Propstenhaus neben der Itzehoer Laurentii-Kirche zur Kirchenkreisverwaltung sind es ohnehin nur wenige Schritte. Aber auch der Kirchenkreis insgesamt hat für ihn eine sehr angenehme Größenordnung. „Die anfangs befürchtete Anonymität ist nicht eingetreten. Wir sind sehr nah dran an den Menschen.“

In den vergangenen zehn Jahren waren bei der Ausgestaltung des Amtes vor allem auch seine Manager-Qualitäten gefragt. „Und jetzt geht es darum, Kirche und Kirchenkreis zukunftsfähig zu machen.“ Mit einem Blick auf sprudelnde Kirchensteuern stellt Bergemann fest: „Wir leben finanziell jetzt in guten Zeiten. Da müssen wir vorsorgen.“ Das gelte insbesondere auch für die weitgehend autark agierenden Gemeinden. „Es muss bestimmte Mindestgrößen geben, damit diese auch arbeitsfähig sind.“ In seiner unnachahmlichen Manier hebt Bergemann dann auch gleich den verbalen Finger: „Wer nur den eigenen Kirchturm anschaut, geht den Bach runter.“

Nach zehn Jahren im Amt sieht der Propst sich und seinen Kirchenkreis gut aufgestellt. In einer neuen Amtsperiode will er vor allem die pröpstliche Präsenz stärken, denkt an ein regelmäßig besetztes Propstenbüro in Elmshorn. „Jetzt ist es an der Zeit, beruflich einen zweiten Schwerpunkt zusetzen“, kündigt der 53-Jährige an, dass er sich vom „bürokratischen Alltagsgeschäft“ gerne etwas zurückziehen würde. Bergemann spricht von einer eher geistlichen Leitung und von einer „theologischen Zeitansage“ – und von einem mehr „prophetischen Amt“. Dabei will er sich als Kirchenmann auch sehr viel stärker in gesellschaftliche Diskussionen einmischen. „Kirche muss die Stimme erheben und sagen: Dafür stehen wir!“ Schnellschüsse aus der Hüfte will Bergemann dabei allerdings vermeiden. „Und die Vorbereitung, um auf Themen, die die Menschen bewegen, etwas Vernünftiges sagen zu können, kostet eben auch Zeit.“ Und die will er sich künftig auch nehmen. Verstärkt müsse sich die Kirche auch inhaltlich damit auseinander setzen, wie man mit dem Islam umgehen solle. „Und dabei darf man das Thema eben nicht auf Islamismus und Terror reduzieren.“ Auch die ganz aktuelle Diskussion, ob Satire wirklich alles darf, müsse ein Thema für die Kanzel sein. „Dazu muss die Kirche doch etwas sagen.“

Bergemann sieht es als neuen Aufgabenschwerpunkt an, mehr Profil zu zeigen. Was er damit meint, macht er an einem Beispiel deutlich: „Es ist derzeit ja das Phänomen bei den politischen Parteien, dass sie zu wenig erkennbar sind.“ Genau das soll ihm in kirchlichen Fragen nicht passieren. „Gerade jetzt, wo es nicht ums Überleben geht, muss Relevanz erkennbar sein“, sagt er und fügt hinzu: „Die Kirche muss mehr kämpfen.“ Schließlich handele es sich ja auch nicht um irgendeinen religiösen Verein.

Entsprechend kämpferisch – im besten theologischen Sinne – will Thomas Bergemann seine neue Amtszeit auch angehen. „Genau das macht Lust. Und wenn ich diesen Lustfaktor nicht hätte, würde ich nicht noch einmal antreten.“ Lust hat Bergemann auch auf Gottesdienste. „Die mache ich total gerne.“ Auch hier will er mehr denn je seine Schäfchen mitreißen. „Ich möchte Gottesdienste, wo nachher nicht alle nur nicken und dann nach Hause gehen.“ Sein ganz persönliches Engagement will er als Propst möglichst auch noch in viele Kirchengemeinden hineintragen.

Ganz wichtig ist ihm dabei auch der pastorale Nachwuchs. Nicht ohne Stolz verweist Bergemann darauf, dass es ihm gelungen sei, sechs von insgesamt elf in der Landeskirche angesiedelten Vikaren bei sich im Kirchenkreis unterzubringen. Auch den angehenden Pastoren will er als Propst ein robustes Selbstbewusstsein vermitteln. „Ich versuche, den Pastoren Mut zu machen, auch einmal gegen den Strich zu bürsten.“

Über allem seht sein Grundverständnis von einer Welt, die man als Schöpfung und nicht nur als Ressource sehen müsse. „Und gerade auf lokaler Ebene gibt es doch überall Möglichkeiten, klar Position zu beziehen“, ist es für Bergemann genau das, was ihn am Propstenamt so reizt. Ausschlaggebend für eine neuerliche Kandidatur ist natürlich auch, wie er klar bekennt, ein ganz persönliches Wohlbefinden. Bergemann fühlt sich mit seiner Familie in Itzehoe nicht nur beruflich, sondern auch privat zu Hause.

Daran dürfte sich auch in den kommenden zehn Jahren nicht viel ändern. Weil der Kirchenkreisrat nach seiner Wiederwahl-Erklärung auf eine Ausschreibung der Stelle verzichtet hat, dürfte die Bestätigung im Amt fast ein Selbstläufer ein.

Dafür braucht er in der Synode eine Zwei-Drittel-Mehrheit oder – je nach Anwesenheit der Mitglieder – mindestens 45 Ja-Stimmen. Dann bleibt Dr. Bergemann in einem Amt, in dem man „richtig viel gestalten kann“. Eine seiner ersten Amtshandlungen wird dann allerdings die Suche nach einer neuen Stellvertretung sein. Stellvertretende Pröpstin Christiane Melchior wechselt im Sommer in eine Kirchengemeinde nach Hamburg.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen