Insolvente Firma aus Itzehoe : Prokon soll Genossenschaft werden

34.000 Genussscheininhaber sind für die Umwandlung. Dafür müssen sie auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten.

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17. Dezember 2014, 12:37 Uhr

Itzehoe | Die Prokon Regenerative Energien GmbH soll in eine Genossenschaft umgewandelt werden. Eine große Mehrheit der Anleger will sich an einem umgewandelten Unternehmen beteiligen, ergab  eine unverbindliche Umfrage. 51.000 von 75.000 Inhaber von Prokon-Genussrechten hatten Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin auf seine entsprechende Anfrage geantwort. 34.000 sprachen sich für die Zukunft als Genossenschaft aus.

Prokon hatte zu Jahresbeginn Insolvenz angemeldet, rund 75.000 Genussrechtsinhaber bangen seitdem um ihr Kapital in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Penzlin favorisiert einen Insolvenzplan, der die Möglichkeit der Beteiligung am Unternehmen eröffnet. Rund ein Drittel des Kapitals sei dafür erforderlich, und diese Grenze wurde in der Umfrage deutlich übertroffen: Die 51.000 Anleger, die ihr Votum abgaben, stehen für 1,1 Milliarden Euro. 34.000 von ihnen wollen zu Prokon-Teilhabern werden, sie halten zusammen ein Genussrechtskapital in Höhe von 780 Millionen Euro, wie der Insolvenzverwalter jetzt nach der Auswertung mitteilte. Zwischen Ende Januar und Mitte Februar will er in einem Rundschreiben detailliert über das Modell informieren. Dann sollen die Genussrechtsinhaber rechtlich verbindliche Erklärungen abgeben.

Bekam den Auftrag, seinen Kurs fortzusetzen: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin.
dpa
Bekam den Auftrag, seinen Kurs fortzusetzen: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin.

„Sensationell“ nennt der Verein der Freunde von Prokon das Resultat der Umfrage. Nach diesem „sehr großen Erfolg“ wird auf ein positives Votum des Genossenschaftsverbands gehofft. Dieser prüft auf Anfrage Penzlins die geplante Umwandlung der insolventen Firma in eine Genossenschaft. Die Freunde von Prokon jedenfalls sehen sich in ihrer Aufbruchstimmung bestärkt: „Der Verein mit seinen 10.000 Mitgliedern hat einen entscheidenden Anteil daran, die breite Sympathie der Genussrechtsinhaber für das Unternehmen trotz des Insolvenzverfahrens zu erhalten und wieder herzustellen“, sagte Vorsitzender Wolfgang Siegel.

Die Genossenschaft soll das Kerngeschäft mit Windparks und Stromhandel weiterführen. Weitere Teile wie das Pflanzenöl-Werk in Magdeburg, die Produktion der eigenen Windkraftanlage oder das Holzpaletten-Werk in Torgau sollen verkauft werden. Alle Genussrechtsinhaber müssten aber einen „erheblichen Teilverzicht“ auf ihre Forderungen in Kauf nehmen, vorläufig geht der Insolvenzverwalter von 50 Prozent aus.  Voraussichtlich mehr als 30 Prozent des jeweiligen Kapitals würden in eine Anleihe umgewandelt, die an der Börse verkauft werden könnte. Für die restlichen rund 20 Prozent müssen die Anleger entscheiden: Wollen sie sich am Unternehmen beteiligen oder wollen sie die Auszahlung?

Das Geld dafür käme aus dem Verkauf der Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Wer die Barzahlung anstrebe, könne sich nicht unternehmerisch an Prokon beteiligen, unterstrich Penzlin. Und wenn dies, entgegen dem Umfrage-Ergebnis, zu viele wollen, greift Plan B: Ein Investor müsste Prokon übernehmen. Deshalb läuft die Suche nach einem Geldgeber weiter. Welcher Weg letztlich eingeschlagen wird, entscheidet die zweite Gläubigerversammlung – laut Penzlin voraussichtlich Ende April.

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