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Gutachten liegen vor : Prokon: Sanierung in der Insolvenz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vorläufiger Insolvenzverwalter erwartet Eröffnung des Verfahrens für Windkraft-Finanzierer Prokon. Mehrzahl der Arbeitsplätze soll erhalten werden. Land will Standort Itzehoe als Technologiezentrum ausbauen.

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erstellt am 17.Apr.2014 | 05:00 Uhr

In zwei Wochen wird das Insolvenzverfahren für das angeschlagene Windkraft-Unternehmen Prokon eröffnet. Alles andere wäre zumindest eine Überraschung für den vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin. „Ich gehe davon aus, dass das Verfahren Anfang Mai vom Amtsgericht Itzehoe eröffnet wird“, sagte er gestern im Kreishaus. Es lägen drei unabhängige Rechtsgutachten vor, die mit unterschiedlichen Begründungen zum gleichen Ergebnis kommen: Prokon ist zahlungsunfähig.

„Das wird uns aber nicht vom Weg der Sanierung abbringen“, betonte Penzlin. „Im Gegenteil, diese wird durch das Insolvenzverfahren sogar besser und leichter möglich sein.“ Dabei gehe er davon aus, dass es möglich sein wird, den Kernbereich – das Windgeschäft – zu erhalten. „Der Bereich ist stabilisiert und wird voll umfänglich weitergeführt.“

Ohne Stellenabbau gehe es allerdings nicht. Dieser treffe besonders den Vertrieb von Genussscheinen sowie den Herstellerbereich, der nur noch eingeschränkt laufe. Man sei gerade dabei, eine Transfergesellschaft zu beantragen, erklärte Penzlin. Voraussichtlich werde 80 Mitarbeitern angeboten, in diese zu wechseln. Für acht Monate liege eine Mittelzusage vor. „Die überwiegende Zahl der Arbeitsplätze bleibt erhalten“, betonte Penzlin. Am Standort in Itzehoe seien das mehr als 200 Stellen.

Im Juli könne es wohl zu einer ersten Gläubigerversammlung kommen, die über den weiteren Fortgang entscheide. Er arbeite bereits daran, einen Insolvenzplan auszuarbeiten. Dieser diene dazu, das Unternehmen zu erhalten, teilweise zu entschulden und den Gläubigern Angebote zu unterbreiten. „Die heutige Zielsetzung ist, dass wir Prokon Anfang 2015 in einer restrukturierten Form aus dem Insolvenzverfahren entlassen, damit im Kernbereich weiter in Itzehoe gearbeitet werden kann.“

Diesen Bereich gelte es unbedingt zu erhalten, betonte auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Erneuerbare Energien sind nach wie vor ein Zukunftsthema.“ Itzehoe sei mit dem Innovationszentrum IZET und dem Fraunhofer-Institut ISIT schon heute „der Technologiestandort der Westküste“. Dazu gehörten auch viele Dienstleistungen, „die entsprechende Arbeitsplätze schaffen“. Zudem müsse Bestandspflege betrieben werden, um die guten Unternehmen, die es bereits gibt, zu halten. Meyer schwebt ein „Westgate“ vor, das den Bereich vom Hamburger Rand bis Brunsbüttel umfasst.

Um den Standort Itzehoe zu stärken, überbrachte Meyer einen Förderbescheid: Das Land unterstützt den Bau der Südspange mit 645 000 Euro. Diese werden in das erste Teilstück, den Ausbau der Potthofstraße auf einer Länge von 415 Metern, investiert. Mit dem Bau soll im Sommer begonnen werden, die Fertigstellung ist 2016 geplant. „Damit ist es möglich, den Straßenausbau zeitiger in Angriff zu nehmen, um das Gewerbegebiet anzubinden“, freute sich Bürgervorsteher Heinz Köhnke.

Landrat Torsten Wendt rückte die Region in den Mittelpunkt: „Wir begreifen uns als Wirtschaftsraum, nicht so sehr als Kreis.“ Nach „einer Reihe von Schicksalsschlägen“ und dem Verlust vieler Arbeitsplätze müsse man schauen, wie der Standort weiterentwickelt werden kann. „Dafür brauchen wir die Infrastruktur. Wir fordern die A20, den Ausbau des Schienenverkehrs und der B5.“ Auch im Bereich der Metropolregion Hamburg müsse man sich noch besser präsentieren, so Wendt. Er versprach sich „einiges davon, im Bereich erneuerbare Energien besser aufgestellt zu sein“. Die Voraussetzungen für die Region seien „gar nicht so schlecht“ – nicht nur Hamburg liege vor der Tür, sondern die Lage an der Unterelbe ermögliche auch eine enge Zusammenarbeit mit Niedersachsen.


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