Itzehoe : Prokon: Neustart als Genossenschaft

Beeindruckt: Mitglieder der Itzehoer Gesellschaft Union in der Produktionshalle von Prokon.
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Beeindruckt: Mitglieder der Itzehoer Gesellschaft Union in der Produktionshalle von Prokon.

Sechs Beteiligte um Carsten Rodbertus wollen mit frischem Geld Projekte übernehmen. Das Insolvenzverfahren rückt unterdessen immer näher.

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28. März 2014, 05:00 Uhr

Itzehoe | Das Unternehmen Prokon wollten sie kennen lernen, 30 Mitglieder der Gesellschaft Union. Sie erlebten viel mehr: Einen Firmengründer, der um sein Lebenswerk ringt. Carsten Rodbertus erläuterte, wie er sich die Zukunft vorstellt: Die neu gegründete Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft eG soll die Firmenziele weiter verfolgen.

Im Januar hatte die Prokon Regenerative Energien GmbH Insolvenz angemeldet. Anfang Mai entscheidet das Amtsgericht, ob ein Insolvenzverfahren startet. „Es spricht derzeit mehr für als gegen eine Verfahrenseröffnung“, sagte gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin. Der Umfang der gekündigten Genussrechte belaufe sich nach derzeitigem Stand auf rund 400 Millionen Euro. Insgesamt hatten 75.000 Anleger rund 1,4 Milliarden Euro bei Prokon investiert. Verluste werden sie laut Penzlin hinnehmen müssen, aber keinen Totalausfall. Einige Geschäftsbereiche würden noch geprüft – für den Fall der Verfahrensöffnung seien aber die Betriebsführung sowie die Projektierung von Windparks gesichert.

Rodbertus sieht es so: Der Wert des Unternehmens werde heruntergerechnet – und damit das Kapital der Anleger: „Statt Chancen zu nutzen, werden Risiken überbewertet und Vermögen vernichtet.“ Gerade sei angedeutet worden, dass der Vertrieb zum 1. Mai mit der Kündigung zu rechnen habe: 140 Angestellte, „immerhin ein Drittel der Belegschaft“.

„Ich werde nicht kampflos zusehen, wie das hier alles verramscht wird“, sagte Rodbertus. Seine Antwort ist die Genossenschaft, die mit sechs Beteiligten in Gründung ist. Dazu gehört als Aufsichtsratsvorsitzender Alfons Sattler vom Verein Freunde von Prokon. Der 6500 starke Verein selbst verfolgt die Pläne für eine Genossenschaft allerdings mit großer Skepsis. Und Penzlin unterstrich, dass die Genossenschaft nicht mit Prokon verbunden sei, es vor allem keine Umwandlung gegeben habe.

Noch nimmt die Genossenschaft keine Mitglieder auf. Entwürfe auf der Website zeigen das Modell: Die Inhaber von Genussrechten sollen diese mit einem Abschlag von 30 Prozent als „Zukunftsanteil“ übertragen. Der größte Teil davon ist nachrangiges Darlehen mit der Gefahr des Totalverlustes. Verzinsung: drei Prozent. Bei Prokon waren es bis zu acht Prozent. Jedes Mitglied hat eine Stimme, auch bei der Wahl der Chefetage. Rodbertus: „Die Genossenschaft ist die basisdemokratischste Gesellschaftsform, die es gibt.“

Auf der Website heißt es: „Im ersten Schritt gehen wir davon aus, ganz von vorn anzufangen.“ Neues Geld solle eingeworben werden für neue Projekte, darunter bei Prokon geplante, so Rodbertus. Die Stromsparte mit 45 000 Kunden solle übernommen werden. Möglichst solle die Genossenschaft so stark werden, dass sie das „Verramschen“ der Prokon-Werte verhindern könne. Als Ziel nannte Rodbertus, einer der größten Bürgerwindparks oder Energiegenossenschaften Deutschlands zu werden. Das treiben die Gründer derzeit privat voran, denn Prokon-Räume und -Ressourcen dürfen sie nicht nutzen. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Rodbertus Haus’ in Hohenaspe.

Was ist eine Insolvenz?

Unter Insolvenz wird im Wesentlichen die Zahlungsunfähigkeit einer natürlichen oder juristischen Person verstanden. Der Umgang mit Insolvenzen ist in der Insolvenzordnung (InsO) geregelt und hat das Ziel, alle Gläubiger des insolventen Schuldners gemeinschaftlich und gleichmäßig zu befriedigen. Durch das geordnete Verfahren soll verhindert werden, dass einzelne Gläubiger voll und andere Gläubiger gar nicht befriedigt werden. Daneben will die Insolvenzordnung jedem, der trotz redlichen Bemühens wirtschaftlich gescheitert ist, durch eine Befreiung von seinen restlichen Verbindlichkeiten einen wirtschaftlichen Neuanfang ermöglichen.

Wer kann einen Insolvenzantrag stellen?

- Der Schuldner

- Vorstände bzw. Geschäftsführer (bei Kapitalgesellschaften)

- Gläubiger unter Glaubhaftmachung einer bestehenden, uneinbringlichen Forderung gegen den Schuldner

- Arbeitnehmer unter Beifügung einer eidesstattlichen Versicherung, dass kein Lohn/Gehalt gezahlt worden ist

Was ist eine Planinsolvenz?

Die Planinsolvenz ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Abweichend vom „normalen“ Insolvenzverfahren bleibt die alte Geschäftsführung im Amt, der Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet. Über den beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden die Gläubiger. Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren auch von der Insolvenzordnung abzuweichen.

Was ist eine Insolvenzverschleppung?

Insolvenzverschleppung bedeutet, dass die Eröffnung ein Insolvenzverfahrens nicht beantragt wird, obwohl die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bekannt ist.

Was für Insolvenzgründe gibt es?

- Zahlungsunfähigkeit

- Drohende Zahlungsunfähigkeit

- Überschuldung

Was bedeutet Zahlungsunfähigkeit?

Der Schuldner ist zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat.

Was ist drohende Zahlungsunfähigkeit?

Ein Schuldner droht zahlungsunfähig zu werden, wenn er voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Zahlungspflichten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen.

Was ist eine Überschuldung?

Eine Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Bei der Bewertung des Vermögens des Schuldners ist jedoch die Fortführung des Unternehmens zugrunde zu legen, wenn diese nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist.

 
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