Zukunftspläne : Prokon: Neustart als Genossenschaft

Beeindruckt: Mitglieder der Itzehoer Gesellschaft Union in der Produktionshalle von Prokon.
1 von 2
Beeindruckt: Mitglieder der Itzehoer Gesellschaft Union in der Produktionshalle von Prokon.

Sechs Beteiligte um Carsten Rodbertus wollen mit frischem Geld Projekte übernehmen. Insolvenzverfahren rückt näher.

23-2176987_23-54793897_1377768381.JPG von
28. März 2014, 05:00 Uhr

Das Unternehmen Prokon wollten sie kennen lernen, 30 Mitglieder der Gesellschaft Union. Sie erlebten viel mehr: Einen Firmengründer, der um sein Lebenswerk ringt. Carsten Rodbertus erläuterte, wie er sich die Zukunft vorstellt: Die neu gegründete Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft eG soll die Firmenziele weiter verfolgen.

Im Januar hatte die Prokon Regenerative Energien GmbH Insolvenz angemeldet. Anfang Mai entscheidet das Amtsgericht, ob ein Insolvenzverfahren startet. „Es spricht derzeit mehr für als gegen eine Verfahrenseröffnung“, sagte gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin. Der Umfang der gekündigten Genussrechte belaufe sich nach derzeitigem Stand auf rund 400 Millionen Euro. Insgesamt hatten 75 000 Anleger rund 1,4 Milliarden Euro bei Prokon investiert. Verluste werden sie laut Penzlin hinnehmen müssen, aber keinen Totalausfall. Einige Geschäftsbereiche würden noch geprüft – für den Fall der Verfahrensöffnung seien aber die Betriebsführung sowie die Projektierung von Windparks gesichert.

Rodbertus sieht es so: Der Wert des Unternehmens werde heruntergerechnet – und damit das Kapital der Anleger: „Statt Chancen zu nutzen, werden Risiken überbewertet und Vermögen vernichtet.“ Gerade sei angedeutet worden, dass der Vertrieb zum 1. Mai mit der Kündigung zu rechnen habe: 140 Angestellte, „immerhin ein Drittel der Belegschaft“.

„Ich werde nicht kampflos zusehen, wie das hier alles verramscht wird“, sagte Rodbertus. Seine Antwort ist die Genossenschaft, die mit sechs Beteiligten in Gründung ist. Dazu gehört als Aufsichtsratsvorsitzender Alfons Sattler vom Verein Freunde von Prokon. Der 6500 starke Verein selbst verfolgt die Pläne für eine Genossenschaft allerdings mit großer Skepsis. Und Penzlin unterstrich, dass die Genossenschaft nicht mit Prokon verbunden sei, es vor allem keine Umwandlung gegeben habe.

Noch nimmt die Genossenschaft keine Mitglieder auf. Entwürfe auf der Website zeigen das Modell: Die Inhaber von Genussrechten sollen diese mit einem Abschlag von 30 Prozent als „Zukunftsanteil“ übertragen. Der größte Teil davon ist nachrangiges Darlehen mit der Gefahr des Totalverlustes. Verzinsung: drei Prozent. Bei Prokon waren es bis zu acht Prozent. Jedes Mitglied hat eine Stimme, auch bei der Wahl der Chefetage. Rodbertus: „Die Genossenschaft ist die basisdemokratischste Gesellschaftsform, die es gibt.“

Auf der Website heißt es: „Im ersten Schritt gehen wir davon aus, ganz von vorn anzufangen.“ Neues Geld solle eingeworben werden für neue Projekte, darunter bei Prokon geplante, so Rodbertus. Die Stromsparte mit 45 000 Kunden solle übernommen werden. Möglichst solle die Genossenschaft so stark werden, dass sie das „Verramschen“ der Prokon-Werte verhindern könne. Als Ziel nannte Rodbertus, einer der größten Bürgerwindparks oder Energiegenossenschaften Deutschlands zu werden. Das treiben die Gründer derzeit privat voran, denn Prokon-Räume und -Ressourcen dürfen sie nicht nutzen. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Rodbertus Haus’ in Hohenaspe.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen