zur Navigation springen

Insolvenzantrag : Prokon: Hoffen auf den Neuanfang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Insolvenzantrag von Prokon macht vielen im Kreis Steinburg Sorgen: Wandern bald Fachkräfte ab? Itzehoes Bürgermeister Andreas Koeppen sagt: „Die Anmeldung der Insolvenz muss noch nicht das Ende des Unternehmens heißen.“

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Itzehoe | „Uns ist klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern!“ Das verkündete die Firma Prokon auf ihrer Internetseite. Der Weg dorthin führt über die Insolvenz, die gestern am Amtsgericht Itzehoe angemeldet wurde. Ob ein Verfahren eröffnet wird, steht noch nicht fest. Einstweilen bedarf jede Entscheidung der Geschäftsführung der Zustimmung von Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin.

„Die Anmeldung der Insolvenz muss noch nicht das Ende des Unternehmens heißen“, erklärte auf Anfrage Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen. Nach einer „gründlichen Analyse und Neuordnung“ könne das Unternehmen weiterbestehen – „und damit vor allem auch eine Zukunft für die Beschäftigten bieten“. Es gebe genügend Beispiele von Firmen, die nach der Insolvenz mit neuer Ausrichtung am Markt bestehen konnten. „Deshalb hoffe ich, ganz besonders mit Blick auf die Beschäftigten, dass der Schritt nicht das Ende des Unternehmens ist“, so Koeppen. Zumal das Unternehmen in einer Zukunftsbranche tätig sei: „Das, was Prokon im Kern tut, ist das, was gesellschaftlich gewollt ist: die Energiewende gestalten.“ Er stehe in engem Kontakt mit der Landesregierung, die Unterstützung zugesichert habe, damit der Innovationsraum weiterentwickelt werden kann.

Dort ist Professor Dr. Ralf Thiericke, Geschäftsführer im Innovationszentrum IZET, direkter Nachbar von Prokon: „Ein Weiterführen der Geschäfte rund um erneuerbare Energien ist für die Westküste Schleswig-Holsteins und für den Standort Itzehoe/Kreis Steinburg elementar wichtig.“ Alle müssten sehr darauf bedacht sein, die Menschen in Lohn und Brot zu halten, bei Prokon oder zumindest in der Region. Denn diese brauche die gut ausgebildeten Fachkräfte, „es wäre fatal für uns, wenn sie in andere Regionen abwandern“. Bei den erneuerbaren Energien gebe es im Kreis eine Nach-Vorne-Strategie, „Prokon ist dafür ein Baustein“.

Man müsse abwarten, ob das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet werde, sagte Lutz Bitomsky, Vorsitzender im Unternehmensverband Unterelbe-Westküste, dem Prokon nicht angehört. „Natürlich ist es für die Region nach Prinovis ein weiterer Kahlschlag.“ Das bedauere er für die Mitarbeiter – „auf der anderen Seite kann eine Insolvenz vielleicht auch einen Neubeginn darstellen, darauf müssen die handelnden Akteure ihr Augenmerk richten“. Viele regionale Handwerksbetriebe seien für Prokon tätig gewesen, betonte Bitomsky. „Es bleibt zu wünschen, dass die alle entsprechend bezahlt wurden und nicht der Insolvenzverwalter womöglich Geschäfte rückabwickeln muss.“ Komme es zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens, bleibe nur zu hoffen und wünschen, dass alles im Sinne der Mitarbeiter und Handwerksbetriebe abgewickelt werden könne und es zu einem Neubeginn komme.

„Ich habe echt Bauchschmerzen“, sagte Landrat Torsten Wendt. Er werde in den kommenden Tagen alle Vertreter öffentlicher Institutionen zu einer Gesprächsrunde zusammentrommeln, um zu sehen, wie es weitergehen kann. „Am Freitag ist zudem Wirtschaftsminister Reinhard Meyer hier.“

Dieser sagte gestern, das Land habe großes Interesse daran, dass produzierende Teile Prokons fortgeführt werden können. Das Land biete seine Hilfe und „die ganze Kompetenz, die im Land ist“, an, um zusammen mit dem Kreis und der Stadt zu schauen, was getan werden kann. „Denn es geht um 313 Beschäftigte am Standort Itzehoe.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen