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Deutsch für Ausländer : Projekt fördert Sprachkompetenz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die schnellere Integration von Asylbewerbern will der Talentekompass unterstützen. Das Mittel: Sprachkurse.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2013 | 08:30 Uhr

Sie leben seit Monaten oder sogar schon seit Jahren in Deutschland, doch als Asylbewerber haben sie bis zum Abschluss ihres oftmals jahrelangen Asylverfahrens keinen Rechtsanspruch auf Sprachförderkurse zum Erlernen der deutschen Sprache. Hier springt die Stadt Brunsbüttel in die Bresche. Über das Projekt „Talentekompass“ und in Zusammenarbeit mit der Migrations-Sozialberatung der Diakonie bietet sie zwei Sprachkurse für Deutsch als Zweitsprache an, zu denen sich insgesamt 40 ausländische Männer und Frauen jeweils an zwei Vormittagen in der Boy-Lornsen-Grundschule treffen.

„Vor zwei Jahren haben wir mit fünf Asylbewerbern begonnen“, blickt Ute Willer zurück. Sie hat in ehrenamtlicher Funktion den ersten Sprachkursus auf den Weg gebracht. Seit August steht ihr ihre Kollegin Monika Stender zur Seite, die kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung steht und hier praktische Erfahrungen sammelt.

„Der Bedarf an Sprachkursen ist enorm gestiegen“, stellt Roland Ladage von der Volkshochschule Brunsbüttel fest. Deren Projekt Talentekompass, mit dem der Übergang vom Kindergarten in die Schule begleitet wird und in den auch die Eltern ausländischer Kinder eingebunden werden, ist der Hauptkostenträger für die Kurse. In diesem Zusammenhang lobt Ladage die „Super-Zusammenarbeit von Stadt, Schule und Diakonie“.

Dankbar ist auch Nina Timmermann, die im Rathaus der Schleusenstadt die Asylbewerberleistungen bearbeitet. Zuvor gab es immer wieder Verständigungsprobleme. Mit den Sprachkursen sei die Verständigung mit den ausländischen Ratsuchenden in der Verwaltung spürbar leichter geworden, erzählt sie.

Das weiß auch Evelyn Pahl als Ganztagsbetreuerin der Boy-Lornsen-Schule. Kinder beherrschen schon nach kurzer Zeit die deutsche Sprache, während die Eltern oftmals kein Wort Deutsch sprechen. Elterngespräche der Lehrkräfte seien mit ihnen so kaum möglich gewesen. Hier wirken sich die Sprachkurse für Asylbewerber wiederum positiv aus.

Ein Beispiel dafür sind Mohammad Ranjbar (42) und seine zehn Jahre jüngere Ehefrau Angela, die sich mit ihrem Sohn Arman (13) und Tochter Zohal (8) inzwischen in Brunsbüttel wohl fühlen. Zohal besucht bereits die Boy-Lornsen-Schule, ihr Bruder Arman erlernt an fünf Vormittagen pro Woche die deutsche Sprache in Meldorf. Mohammad und Angela Ranjbar, die zuvor kein einziges deutsches Wort beherrschten, machen im Kursus von Talentekompass gute Fortschritte und können von ihrer Flucht aus Afghanistan erzählen. Krieg, politische Verfolgung und wirtschaftliche Probleme sowie Schulverbot für ihre Kinder waren gleich mehrere Gründe, die Heimat zu verlassen.

Die bestmögliche Bildung für ihre Kinder liegt den Eltern vordringlich am Herzen, damit diese etwas im Leben erreichen können. Über den Iran und die Türkei kam Vater Mohammad mit seinem Sohn nach Griechenland, seine Ehefrau mit der Tochter nach Deutschland. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis alle vier zunächst in Eddelak und dann in Brunsbüttel zusammenfanden.

„Alle, die hier an den Kursen teilnehmen, sind fröhliche Menschen, sind freundlich und lächeln“, erkennt Evelyn Pahl eine Bestätigung dafür, dass sie gern dieses Angebot nutzen, Deutsch zu lernen. Roland Ladage ergänzt: „Dieses Angebot kann und darf kein Ersatz für Integrationsaufgaben öffentlicher Stellen sein.“ Hier sei die Politik gefordert, endlich Entscheidungen über frühzeitige Deutschkurse für Asylbewerber zu treffen. „Was wir hier machen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein!“ Dennoch könnten die Kurse in Brunsbüttel den Betroffenen in ihren Integrationsbemühungen helfen. Der gegenwärtige Zustand aber sei unbefriedigend. „Die Menschen sind ja hier und brauchen Hilfe“, gab Roland Ladage zu bedenken.

In Kürze solle ein zusätzliches Projekt der Diakonie anlaufen, kündigte Ladage an. Dabei gehe es um die Vermittlung von Sprachpartnerschaften. Elf Asylbewerber nutzen darüber hinaus das Angebot eines Internet-Cafés. Der 30 Jahre alte Iraner Yunes Kiahi sei diplomierter IT-Fachmann und führe die Ausländer im Computerraum der Schule in den Umgang mit Computer und Internet ein.

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