Schließung der Druckerei : Prinovis-Werk in Itzehoe steht früher still

Es geht auch um seine Zukunft: Der Nachwuchs eines Prinovis-Mitarbeiters klagt die Verantwortlichen an 'Danke, dass mein Papa bald arbeitslos ist.' Foto: Götz
Es geht auch um seine Zukunft: Der Nachwuchs eines Prinovis-Mitarbeiters klagt die Verantwortlichen an "Danke, dass mein Papa bald arbeitslos ist." Foto: Götz

Die Verhandlungen für die Abwicklung der Druckerei Prinovis in Itzehoe haben begonnen. Die Stillegung ist schon früher als ursprünglich geplant für den 30. April 2014 angesetzt.

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17. April 2013, 10:49 Uhr

Itzehoe | "Was wird aus uns?" Die Frage steht über den Seiten des Fotobuchs, für das sich 450 Mitarbeiter der Druckerei Prinovis abgelichtet haben. Sie wollen zeigen, dass hinter jedem der mehr als 1000 Mitarbeiter, die von der Schließung des Standorts betroffen sind, ein Schicksal, eine Existenz steht. Und die Frage wird nun noch ein bisschen dringlicher. Denn statt wie bisher angekündigt im August 2014 ist die Stilllegung bereits für den 30. April 2014 angepeilt.

Am Montag haben die Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung, dem Betriebsrat und der Delegation der Tarifkommission begonnen. Es seien auch für ihn "nicht irgendwelche Verhandlungen", sagte Verdi-Fachbereichsleiter Martin Dieckmann. "Auch wir haben keine Erfahrungen mit einer Abwicklung in dieser Größenordnung." Es sei - gemessen an der Größe der Region - "die größte Schließung einer Druckerei in der Nachkriegszeit". Deshalb werde auch sehr genau auf die Gespräche geschaut. "Bertelsmann muss sich in der Region engagieren", nannte Dieckmann eine Forderung an den Hauptgesellschafter. Es müsse in neue Jobs investiert werden. Und die Gewerkschaft verlange die Einbeziehung der Leiharbeiter in den Sozialplan. Es hänge vom Verhalten der Geschäftsführung ab, ob die Mitarbeiter bereit seien, bis zum Schluss für eine reibungslose Produktion zu sorgen.

"Wir brauchen neue Jobs"

Man werde "mit vielen Aktionen den Druck aufrecht erhalten", kündigte Betriebsratsvorsitzender Sven Guericke an. Abfindungen seien wichtig. Aber entscheidend sei, dass keiner in die Arbeitslosigkeit geht. "Geld ist nicht alles, wir brauchen neue Jobs, das ist wichtiger."

Dem schloss sich Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen an. Was der Bertelsmann-Konzern in Itzehoe mache, sei "die Zerstörung von Träumen, von Existenzen und der Region". Der Konzern sei milliardenschwer, "aber ohne Verantwortungsbewusstsein für die Region". Koeppens Appell an die Mitarbeiter: "Holt euch, was euch zusteht!"

Prinovis-Chef verspricht "angemessenen Sozialplan"

Überraschend kam auch Prinovis-Chef Dr. Bertram Stausberg aus dem Gebäude und sprach zu den Mitarbeitern - zum ersten Mal seit Bekanntgabe der Schließung am 6. Februar. "Es ist mir nicht egal, was mit Ihnen und der Region passiert", sagte Stausberg, der früher selbst im Itzehoer Werk gearbeitet hat. "Der einzige Grund, weshalb ich den Weg mitgehe" sei, dass er keine andere Möglichkeit sehe, die Unternehmensgruppe insgesamt am Leben zu halten. Stausberg versprach einen "angemessenen Sozialplan" und Hilfe für die Stadt. "Mehr können wir leider nicht tun." Er erwarte nicht, dass die Mitarbeiter mit den Ergebnissen zufrieden sein werden. "Das können wir nicht er reichen. Und das verstehe ich auch."

Dieckmann wertete Stausbergs Worte als Zeichen: "Es spricht dafür, dass die Verhandlungen heute ernsthaft beginnen." Ein Trost für die Mitarbeiter war es nicht. "Es ist ein komisches Gefühl, dass jetzt wirklich ein Schlussstrich gezogen wird", sagte einer. "Man hat Wut im Bauch", meinte seine Kollegin. "Für die geht das Leben weiter, wir müssen sehen, wo wir bleiben."

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