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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 01:13 Uhr

Prinovis – was kommt nach dem Ende ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

14 Tage vor der Schließung herrscht traurige Stimmung im Werk / 408 Mitarbeiter in Transfergesellschaft

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 05:00 Uhr

14 Tage noch, dann steht die letzte Schicht an: Ende April schließt die Druckerei Prinovis ihre Pforten. Gestern trafen sich rund 150 Mitarbeiter zur letzten Betriebsversammlung. „Es war eine sehr ruhige Veranstaltung“, sagt Helmut Böttger vom Betriebsrat. „Kurz und knapp, nach 45 Minuten war alles vorbei.“

Betriebsratsvorsitzender Torben Mey lieferte einen persönlichen Rückblick und dankte den Kollegen, ebenso wie Werksleiter Lars Meusburger. Dieser betonte, dass es nicht selbstverständlich sei, mit welcher Motivation und welchem Einsatz die Mitarbeiter bis zum Schluss bei der Sache seien.

Verdi-Fachbereichsleiter Martin Dieckmann appellierte an die Beschäftigten, nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft zu schauen: „Es gibt ein Leben nach Prinovis.“

Die Stimmung im Betrieb sei traurig, sagte Böttger. Die Kollegen hätten mit dem Thema Prinovis mehr oder weniger abgeschlossen, „sie fahren jetzt langsam runter“. Täglich würden es weniger, weil viele Urlaubstage oder Freizeiten abbauen können.

408 der 600 festen Prinovis-Mitarbeiter wechseln für zwölf Monate sowie 200 Leiharbeiter für sechs Monate in die Transfergesellschaft, teilte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gestern beim Itzehoer Standortgespräch den aktuellen Stand mit. Das klare Ziel sei dabei die Weitervermittlung. 120 Beschäftigte seien bereits in andere Jobs vermittelt worden, der Großteil extern, einige wenige werden bei Prinovis in Ahrensburg arbeiten.

Nun geht es darum, eine Nachnutzung für das Druckerei-Gelände zu finden. Die angesehene Hamburger Immobiliengesellschaft Jones Lang LaSalle habe inzwischen ein Gutachten vorgelegt, das die Chancen aufzeige. Dabei sei nicht nur das 21,6 Hektar große Prinovis-Grundstück angeschaut worden, sondern auch die Region, erklärte Dr. Bernd Bösche, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer
Schleswig-Holstein GmbH (WTSH). Es würden dabei durchaus positive Standortbedingungen gesehen. Die Lage in der Metropolregion biete erhebliche Wachstumschancen, auch die Verkehrsanbindung ist gut.

Es seien verschiedene Varianten geprüft worden, die beste Perspektive wird für einen Industrie- und Gewerbepark gesehen, gefolgt von einem Handwerkerpark und einem Logistikzentrum.

Prinovis habe sich entschieden, die Vermarktung zunächst mit den bestehenden Gebäuden zu versuchen. Laut Gutachten befinden sich auf dem Gelände über zwei Dutzend Verwaltungs-, Betriebs- und Lagergebäude mit einer Nutzfläche von knapp 87 000 Quadratmetern. „Es gibt offenbar schon Gespräche“, so Bösche. Außerdem wolle Prinovis im Herbst an der Immobilienmesse Expo real in München teilnehmen. Er werde auch dabei sein, um zu schauen, „wie vermarktungsfähig es ist“, kündigte Minister Meyer an. Sollten alle Versuche fehlschlagen, greift Plan B. Dann, so Bösche, würden die Flächen geräumt und „besenrein“ hinterlassen.

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