Jugendtheater in Itzehoe : Premiere für Familie und Freunde

Kennenlernen bei einer Zigarette: Celina Schröder (l.) als spätere Widerstandskämpferin Sophie Scholl und Erika Grabowski als spätere Hitler-Sekretärin Traudl Junge.
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Kennenlernen bei einer Zigarette: Celina Schröder (l.) als spätere Widerstandskämpferin Sophie Scholl und Erika Grabowski als spätere Hitler-Sekretärin Traudl Junge.

Jugendtheaterclubs im Theater Itzehoe bringen selbstgestaltete Stücke auf die Bühne.

shz.de von
08. Juli 2018, 17:54 Uhr

„Ist das deine erste Zigarette?“ Zuerst verneint die neue Bekanntschaft selbstbewusst, muss dann aber husten und gesteht es lachend doch ein. Damit ist das Eis zwischen Sophie Scholl und Traudl Junge gebrochen und die beiden jungen Frauen freunden sich im Sommerlager des Bundes Deutscher Mädchen (BDM) an. Celina Schröder und Erika Grabowski stehen im Turndress auf der Studiobühne des Theater Itzehoe und spielen diese Szene noch ein letztes Mal, bevor die ersten Zuschauer eingelassen werden.

Die beiden Schülerinnen haben ein knappes Jahr intensiver Proben hinter sich und augenscheinlich Feuer gefangen für die szenische Darstellung fremder Charaktere. In der Realität haben sich die beiden gleich alten Frauen, die sie eindrucksvoll verkörpern, nicht gekannt. Scholl wird Widerstandskämpferin, Junge Hitlers Privatsekretärin.

Die Jugendtheaterclubs des Theaters Itzehoe haben sich des Themas angenommen und eigene Dialoge zu dem Stoff entwickelt, der zwei unterschiedlich laufende Lebenswege und die Fragen nach Schuld und Verantwortung thematisiert. Während Celina Schröder und Erika Grabowski sich intensiv mit der NS-Zeit und der Sozialisation ihrer Hauptfiguren auseinander setzten, probte Theaterpädagogin Britta Schramm parallel mit 15 weiteren Jugendlichen an verschiedenen anderen Stücken.

Darin geht es um Freundschaft, Cliquenverhalten und Mutproben. Die Akteure führten ihre Inszenierungen in dieser Saison nur vor Freunden und Verwandten auf, ohne Öffentlichkeit. „Für viele ist es die erste Bühnenerfahrung und Premiere. Sie müssen noch etwas Erfahrung sammeln und erst im geschützten Raum agieren“, erläutert Schramm. Dabei profitieren die Mitglieder der Theaterclubs auch vom engen Miteinander: Sie besuchen gegenseitig ihre Proben und Aufführungen, geben sich Rückmeldungen und Tipps. Auch Ani Martirosjan, Lana Amatuni, Mardjan Assad und Marietta Chanlaror verfolgen gebannt die erste Annäherung von Traudl und Sophie und lenken sich von ihrer eigenen Nervosität vor der ersten Premiere ab.

Marietta ist schon in der zweiten Saison dabei. Zuvor hatte sie das Itzehoer Theater bei Besuchen mit der Schule kennengelernt, die Stücke mit der Theaterpädagogin vor- oder nachbereitet und somit einen ersten persönlichen Kontakt geknüpft.

Warum so viele Stücke parallel, mit reduzierten Rollen und mit eigenem Text? Britta Schramm geht damit intensiv auf die Jugendlichen ein, kann individueller und konzentrierter mit ihnen proben. Sie reagiert damit auch auf einen Generationswechsel bei den Jugendtheaterclubs, die in den letzten Jahren viele kontinuierliche Spieler gefesselt und fürs Theater gewonnen hatten. Im nächsten Sommer sollen neue Stücke wieder dem Publikum vorgestellt werden.

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