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Rathaus Glückstadt : Prachtvolle Wandmalereien gefunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Denkmalschützer begeistert von Entdeckungen unter dem alten Anstrich. CDU lehnt Restaurierung mit städtischen Mitteln ab.

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erstellt am 12.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Es ist schon verblüffend, was sich so hinter mancher Tapete versteckt. So auch im Glückstädter Rathaus. Dort wurden in der Eingangshalle historische Wandmalereien gefunden. Sie sind so gut erhalten, dass die Denkmalschützer vom Landesamt ins Schwärmen kommen. Sie versprechen, sich um Fördermittel zu kümmern, sollte das Foyer so restauriert werden, dass der alte Zustand wieder hergestellt wird. „Das Rathaus würde wahnsinnig an Wert gewinnen“, sagt Landesdenkmalpfleger Berthold Köster. „Prachtvoll“ seien die Malereien.

Die Teile, die bereits freigelegt wurden, seien von hoher Qualität. Es gebe im Land kein vergleichbares Beispiel in einem Rathaus. Das Foyer zu restaurieren bezeichnet Köster als „Initialzündung für Glückstadt“. Und das im schönsten Haus am Platze. Der Bau würde viel gewinnen, denn die Eingangshalle habe derzeit „den Charme der Nachkriegszeit in Behördengrau“. Auch im Namen seines Chefs Michael Paarmann sagt Köster: „Wir stehen dahinter.“

Bürgermeisterin Manja Biel ist ebenfalls für die Sanierung. „Es war eher ein Zufallsfund“, sagt sie. „Wir wollten eigentlich den Teppichboden erneuern. Dazu mussten in dem denkmalgeschützten Haus Proben von den Wänden genommen werden. Ein Restaurator legte die Wände frei und fand den historischen Schatz. „In den wichtigsten Teilen wäre wieder alles herstellbar“, erklärt die Bürgermeisterin. Und: „Wir haben die Verantwortung für Erhaltenswertes.“ Sie hofft auf die Bereitschaft der Stadtvertreter, dass sie der Restaurierung zustimmen.

Allerdings stoßen die Pläne in Teilen der Politik auf Widerstand. Denn erste Berechnungen von 375  000 Euro werden sich noch erhöhen, weil weitere Kosten hinzukommen. Als realistisch gilt eine Gesamtsumme von einer halben Million Euro, so Krafft-Erik Rohleder von der CDU im jüngsten Hauptausschuss. Dort gingen die Meinungen über das Projekt auseinander. Meike Sierck (SPD) sprach von einer „Schatzkiste“ und hoffte, dass sich andere mit Spenden an der Restaurierung beteiligen würden. Wobei sie keine Eile sieht für die Arbeiten.

Horst Meiners (CDU) erklärte, dass solch eine Restaurierung nicht aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden dürfe. Das lehne er komplett ab. Das sei keinem Steuerzahler zu vermitteln. Sein Fraktionskollege Manfred Lück befürchtete sogar, als Steuersünder ins das Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler zu kommen. Letztlich wurde in der Sitzung gegen die Stimmen der CDU entschieden, dass es doch zu einer Sanierung kommen könnte. Die Politiker wollen abwarten, wie viele Fördermittel sie bekommen. Damit diese beantragt werden können, musste dieser Beschluss für den Haushalt 2018 gefasst werden.

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