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Neuer Mann : Poyenberg hat das schwierige Fahrwasser verlassen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit dem neuen Bürgermeister Karsten Beckmann ist Poyenberg wieder in ruhigen Fahrwasser.

Nach der Kommunalwahl 2013 sind einige neue Bürgermeister ins Amt gekommen. In unserer Serie sprechen sie über ihre Erfahrungen nach einem Jahr im Amt.

Als Elektromeister Karsten Beckmann (53) im vergangenen Jahr nach einer Legislaturperiode für die Unabhängigen Wählergemeinschaft Poyenberg (UWP) wiedergewählt wurde, wollte er als einfaches Mitglied im Gemeinderat mitarbeiten. Dann ergab sich bei der Bürgermeistersuche jedoch eine Konstellation, in der auf einmal gesagt wurde: Du musst das machen. „Da konnte ich mich nicht verschließen“, sagt er rückblickend. Viele Narben, hervorgerufen im Streit um Windkraftanlagen, hätten danach geschlossen werden müssen.

Erst musste er sich quälen, 40 Ordner durcharbeiten. Das Amt habe ihn bei der Übergabe zwar unterstützt, „aber es gibt keinen übergreifenden Plan. Da hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht“. Andererseits sei dies auch sehr lehrreich gewesen.

Die Stimmenverhältnisse der UWP gegen die KWV seien zwar deutlich mit sechs gegen drei Vertreter verteilt, aber der Gemeinderat sei näher zusammen gerückt. Dies könne auch damit zusammen hängen, dass nur noch drei der vorherigen Mitglieder dabei sind. „Man merkt die Gewichtung fast nicht mehr.“ Aus schwierigem Fahrwasser sei der Gemeinderat in gute Bahnen gelaufen.

In Poyenberg standen zu der Zeit brennende Themen auf der Tagesordnung. So war die Planung des Windparks „ein großer Knochen“. Das laufe mittlerweile aber gut. „Nachdem der alte Gemeinderat noch eine Veränderungssperre beschlossen hatte und das Projekt dann ruhte, haben wir nun die Aufgabe, es städtebau- und artenschutzrechtlich zu planen“, schildert er. „Dafür haben wir ein tolles Planungsbüro gefunden, es bedeutet aber auch viele Sitzungen und viel Bürokratie.“

In Gesprächen wurde mit der Wählergemeinschaft, die dagegen war, vereinbart, dass dies nur konstruktiv laufen kann. „Wir wollen alle Interessen berücksichtigen.“ Die Planung werde gerade an 80 öffentliche Institutionen geschickt, die ihre Stellungnahme abgeben können.

Erst sollten es zwölf Windkraftanlagen nordöstlich der Gemeinde, angrenzend an die Gemarkung Meezen, sein, jetzt werden es neun in einer Nabenhöhe von 150 Metern. Sie erzeugen eine Energiemenge von 30 Megawatt. „Wir müssen damit bis in eineinhalb Jahren fertig werden“, sagt Karsten Beckmann.

Vierteljährlich erstellt die Gemeinde nun ein Infoblatt, in dem alles, was sie macht und plant, übersichtsartig dargestellt wird. 150 Stück werden an alle Haushalte verteilt, das habe Verständnis erzeugt.

Der Umbruch in der Gemeinde sei – und dessen ist er sich bewusst – für einige schmerzhaft gewesen. „Aber wie Poyenberg so ist, sitzen nun alle an einem Tisch und helfen mit“, lobt er. Das Bürgermeisteramt habe mit ihm jetzt ein Arbeitnehmer inne. „Das finden viele gut, weil ich unabhängig arbeiten kann.“ Nach anfänglicher Zurückhaltung habe er nach dem Neujahrsempfang gespürt, dass es sich geregelt habe und er angenommen werde.

Das Breitband hätten im Ort 106 Bewohner angemeldet, 84 wären nötig gewesen. „Wir haben zwei junge Gemeindearbeiter für zehn Stunden im Monat eingestellt.“ Ermittelt wurde auch der weitere Bedarf an Bauplätzen im Ort mit seinen 398 Einwohnern.

Inzwischen herrsche in der Bevölkerung ein Geist der Selbsthilfe. Ältere Bewohner streichen den Spielplatz neu an, spendieren Farbe fürs Bushäuschen. „Es hat eine bessere Identifizierung mit dem Ort statt gefunden.“

Auch die Aufregung um die Biogasanlage mit drei Megawatt Leistung habe sich gelegt. Der viele Lkw-Verkehr sei erst in Frage gestellt worden, nun rollen die Laster mit nur 30 Stundenkilometern durch den Ort.




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erstellt am 17.Aug.2014 | 08:30 Uhr

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