zur Navigation springen

Aus dem Gericht : Posträuber wollte nur große Scheine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein 24-Jähriger steht wegen Überfalls vor Gericht. Sein vermeintlichter Komplize soll ihn zu der Tat angestiftet haben.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 18:10 Uhr

Er wollte maskiert und mit einem Messer bewaffnet die Postfiliale in der Rathausstraße überfallen: Seit gestern muss sich ein 24-jähriger Bewohner einer örtlichen Suchthilfeeinrichtung wegen schweren Raubes vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Und sein 33 Jahre alter Mitbewohner gleich mit. Er soll der Anstifter gewesen sein.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall laut Anklage klar: Der 24-Jährige hatte am 4. August vergangenen Jahres gegen 17.32 Uhr getarnt mit Kapuze und Sonnenbrille das Haushaltswarengeschäft mit integrierter Poststelle betreten und den Ladenbesitzer und eine Angestellte mit einem Keramikmesser bedroht. „Nur große Scheine“, habe er die Herausgabe von Bargeld verlangt und einen mitgebrachten Leinenbeutel bereitgehalten. Der inzwischen verstorbene Geschäftsinhaber ließ sich von der Drohung offenbar nur wenig beeindrucken. Er drückte den Alarmknopf, und der junge Mann ergriff die Flucht in Richtung Klosterhof.

Vor der Großen Strafkammer zeigte sich der Angeklagte voll geständig. Er war aus der Untersuchungshaft in Handschellen hereingeführt worden. Der Überfall sei schon lange geplant gewesen. Man habe auf 20  000 Euro spekuliert, weil Anfang des Monats wegen der Hatz-IV-Auszahlungen mehr Geld in den Kassen der Postbank habe liegen müssen. Auf keinen Fall, so beteuerte der Angeklagte, habe er jemanden verletzen wollen. Er habe mit dem Messer nur zur Drohung herumgefuchtelt. „Damit da keiner den Helden spielt.“

Ursprünglich sollte der Überfall mit Hilfe einer Softair-Pistole aus einem Itzehoer Waffengeschäft über die Bühne gehen. Er habe die rechtzeitige Beschaffung der Waffe aber wohl im wahrsten Sinne verschlafen. Der 24-Jährige berichtete nämlich weiter, dass er immer wieder unter dem betäubenden Einfluss von Spice, einer synthetischen Droge, gestanden habe. Auch an jenem 4. August. Um die Nerven zu beruhigen. Auch Subutex, einen künstlichen Heroinersatz, habe er schon einmal konsumiert. Davon sei ihm aber schlecht geworden.

Von seinem Mitangeklagten sei er regelmäßig mit dem Rauschgift versorgt worden. Dieser habe ihm auch das Messer, die Sonnenbrille, den Kapuzenpullover und letztlich auch die Anregung zu dem Überfall gegeben. Gemeinsam habe man auch den späteren Tatort und mögliche Fluchtwege ausspioniert. Sogar ein von zwei unbekannten Frauen zur Verfügung gestellter Fluchtwagen habe bereitgestanden. Treffpunkt kurz vor dem Überfall sei dann die Kirche gewesen, wo man noch eine Zigarette geraucht habe.,

Sein heute in Hanerau-Hademarschen lebender angeblicher Komplize stritt alles ab. Es habe nie eine Anstiftung gegeben. „Ich habe mit der Aktion nix zu tun“, versicherte der 33-Jährige. Im Gegenteil: Er habe sogar noch versucht, seinen Mitbewohner von dem Überfall abzuhalten. „Ich habe schon zehn Jahre Haft weg. Da schicke ich doch keinen Trottel los, um mit einem Kartoffelschälmesser eine Bank zu überfallen“, wusch er seine Hände in Unschuld. Einer 18 Jahre alten Augenoptiker-Auszubildenden als Zeugin war das Duo schon im Vorbeigehen verdächtig vorgekommen. Die beiden hätten auf einer Mauer gegenüber dem Alten Rathaus gesessen und immer wieder zur Poststelle herübergeschaut. Wenig später habe sie den 33-Jährigen Kopfschüttelnd am Schaufenster vorbeilaufen sehen. „Der junge Mann wirkte auf mich nicht sehr professionell“, berichtete dann die überfallene Angestellte. Die 56-Jährige war um Hilfe rufend aus dem Geschäft gelaufen. Ein zufällig vorbeikommender früherer Postzusteller aus Brokdorf nahm noch die Verfolgung auf, verlor den Räuber dann aber aus den Augen.

Als chaotisch, instabil und sehr beeinflussbar“ beschrieb die therapeutische Leiterin der Suchthilfeeinrichtung den jüngeren Angeklagten, während sein angeblicher Komplize „sehr unauffällig“ gewesen sei. Wer nun genau was auf dem Kerbholz hat, darüber muss letztlich das Gericht entscheiden. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen