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Seehundstation Friedrichskoog : Polli muss wachsen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der junge Seehund hat am Donnerstag die Quarantäne verlassen und wird jetzt für die Freiheit in der Nordsee aufgepäppelt.

Die ersten Meter wird Polli noch in einer Maurerbütt getragen. Neugierig blickt der Seehund über den Rand, scheint sich zu fragen, wohin die Reise geht. Das Jungtier war am Vatertag von Urlaubern auf Nordstrand entdeckt worden und kam von dort in die Friedrichskooger Seehundaufzuchtstation. Dort erwartete ihn erstmal die Quarantäne. Der Heuler hatte zudem eine Nabelentzündung. Die ist inzwischen gut verheilt, gestern begann Pollis Weg zurück in die Freiheit – zunächst in ein eigenes Becken außerhalb des für Besucher zugänglichen Bereichs. Er soll sich schließlich nicht an Menschen gewöhnen. Bis es in einigen Wochen so weit ist, dass er wieder in die Nordsee entlassen werden kann, muss sich Polli nun fleißig Speck anfuttern. Der schützt ihn vor Kälte. 9,9 Kilo wog das Tier gestern, mindestens 25 Kilo muss er auf die Waage bringen, bevor Polli die Station verlassen darf.

Er ist das erste Tier der Saison in Friedrichskoog, ab Pfingsten erwartet Leiterin Tanja Rosenberger erst den richtigen Zustrom an Jungtieren. Im vergangenen Jahr betreute die Seehundstation 292 junge Seehunde, mit Kegelrobben waren es 310 Jungtiere, die für die Freiheit aufgepäppelt worden waren. Den Bestand schätzt Tanja Rosenberger auf 9000 Tiere vor Schleswig-Holstein, in der Nordsee insgesamt auf rund 40000 Tiere. Die Zählungen aus der Luft starten in diesen Wochen.

Sie laden mit ihren großen dunklen Augen geradezu zum Knuddeln ein. Doch Tanja Rosenberger appelliert an Spaziergänger entlang der Nordseeküste, sich Heulern – benannt nach dem klagenden Laut, mit dem sie ihre Mütter rufen – nicht zu nähern. Ein Seehundjunges könne durchaus über einen längeren Zeitraum alleine sein, ohne deshalb tatsächlich vom Muttertier verlassen worden zu sein. Darüber entscheidet der zuständige Seehundjäger. Den informiert in der Regel die Friedrichsköger Station, die einzige vom Land autorisierte Aufzuchteinrichtung. „Niemals ein Jungtier selbst einpacken, um es vermeintlich zu retten, sondern Abstand halten!“, sagt Tanja Rosenberger. Letztlich handele es sich um ein Wildtier, das nicht gestört werden dürfe.

Der geistige Vater der Station am Friedrichskooger Hafen war selbst Seehundjäger. Werner „Polli“ Rohwedder übernahm 1985 auch als erster die Leitung. Der Ehrenbürger der Gemeinde verstarb am 22. Mai im Alter von 92 Jahren. Er sei ein steter Gast gewesen, berichtet Tanja Rosenberger. Da lag es nahe, den ersten aufgenommenen Heuler dieses Jahres nach Rohwedder zu benennen.

Längst ist die Station gewachsen, Pläne für eine moderne Erweiterung liegen bereits in der Schublade. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Immerhin, allein im vorigen Jahr zählte Rosenbergers Team rund 160  000 Besucher. Viele kamen mit der Fähre aus der Region um Cuxhaven.

Dem kleinen Polli, der nach seiner Fütterung mit Fischbrei im Aufzuchtbecken abtauchte, war dies offenbar einerlei. Sein Interesse galt der neuen Umgebung, die für die nächsten knapp zwei Monate sein Zuhause ist. Zufrieden grunzend drehte er seine Runden, um sich dann schnaufend aus dem Wasser zu hieven und zum wärmendem Unterschlupf zu robben.

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erstellt am 02.Jun.2017 | 05:05 Uhr

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