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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 03:27 Uhr

Kellinghusen : Poller sind nicht erwünscht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seniorenbeirat und Anlieger der Fußgängerzone wehren sich gegen Durchfahrt-Sperren für Autofahrer.

„Weg damit!“, sagt Eismann Walter Ongaro zum „Pollerbeschluss“. Einer Meinung mit dem Eiscafé-Betreiber sind Anwohner und Geschäftsleute der Fußgängerzone. Zu Wort meldet sich auch der städtische Seniorenbeirat (SBR). Der gemeinsame Protest richtet sich gegen die Empfehlung des Bauausschusses, die Fußgängerzone an beiden Enden mit Pollern zu versehen.

„Rücksichtslos brettern hier nur die Fahrradfahrer“, sagt Hans Wendland. Der Stammgast im Eiscafé findet es schade, dass der Platz „künstlich kaputt gemacht“ wird. „Eine echte Zumutung“, schimpft Anwohner Reimer Gier. Für den zu 80 Prozent Schwerbehinderten ist es unmöglich, die Poller bei jeder Autofahrt zu bedienen. „In gleichem Maße gilt dies für meinen Mieter, der täglich zu Therapiemaßnahmen gefahren werden muss “, sagt Gier.

Entschieden gegen die Hindernisse sind auch Siegrid Lüders und Christina Gericke vom Projektcafé „Bi uns to huus“. „Wenn die Straße dicht ist, schreckt das doch ab“, unterstreicht Gericke eine negative Wirkung für Besucher der Stadt. Unter ihren Gästen seien außerdem nicht alle gut zu Fuß. Beipflichtend nickt Nachbarin Heidi Hofmann. Die Betreiberin einer Fußpflege- und Massagepraxis fürchtet um ihre gehbehinderten Kunden und wundert sich: „In der Kreisstadt und anderswo werden Straßen wieder geöffnet, warum nicht auch hier?“ Das fragt sich auch Ioulia Katsanou vom Restaurant „Hellas“. Von ihren Gästen beschwere sich niemand über den aktuellen Zustand. Begrüßt und unterstützt wird der Gegenwind vom Seniorenbeirat.

Zur Erinnerung: In der Juni-Sitzung des Baugremiums, in der ein entsprechender SPD-Antrag durchging, hatte sich einzig Ausschussmitglied Timo Laackmann (BFK) für eine andere Lösung ausgesprochen. Nach guten Erfahrungen in der Quarnstedter Straße mit einer engmaschigen Polizeikontrolle plädierte er für das gleiche Vorgehen in der Fußgängerzone.

Ebenfalls gegen die Schließung hatte sich Senioren-Vertreter Host Hülsey ausgesprochen. „Uns scheint dies eine Idee aus Schilda zu sein“, sagt beim Ortstermin der Beirats-Vorsitzende Ulrich Kypke. Das Schlüsselsystem werde nicht funktionieren und eher für einen weiteren Geschäftsschwund in der oberen Hauptstraße sorgen.


Seniorenbeirat fordert öffentliche Diskussion


Zudem mache sich der Seniorenbeirat seit längerem eine freie Zufahrt für Behinderte und zusätzlich markierte Stellplätze vor dem Bürgerhaus stark. „Das wird aber mit dem Argument verhindert, der gesamte Platz und die angrenzende Hauptstraße sei als Fußgängerzone gewidmet“, erklärt Kypke. Sein Gremium fordere daher eine Umwidmung mit dem Ziel einer gemeinsamen Nutzung der Straßen- und Gehfläche als Wohnstraße mit Mischnutzung. „Wir wollen eine Einbahnstraße für Fußgänger und Radfahrer mit Pkw-Durchfahrt im Schritttempo.“ Daneben sollten für gehbehinderte Besucher des Bürgerhauses endlich vier Sonderparkplätze markiert werden. „Des weiteren empfiehlt sich, drei bis vier gesondert markierte Kurzfrist-Halteplätze für Fahrzeuge bereit zu stellen.“ Durch bauliche Maßnahmen wie etwa Blumenkübel sollten außerdem Spielbereiche zwischen den drei Cafés gesichert werden.

Zeitgleich wandte der Seniorenbeirat sich schriftlich an die Stadt. Wunsch neben den oben genannten Forderungen: Eine öffentliche Diskussion im Rahmen einer baldigen Bürgerversammlung.

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