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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 04:25 Uhr

Polizei warnt vor falschen Handwerkern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kripo fahndet nach betrügerischen Teerkolonnen und Dachdeckern / Überall im Kreisgebiet tauchen Banden auf

In der jüngeren Vergangenheit fielen im südlichen Teil Schleswig-Holsteins Gruppierungen auf, die an verschiedene Haus- und Grundstückseigentümer herangetreten sind und ungefragt ihre Dienste angeboten haben: Mitarbeiter von Teerkolonnen, die von den britischen Inseln aufs europäische Festland gekommen sind, und solche, die Dachdeckertätigkeiten verrichten wollen und sich ihren Kunden als alteingesessene Deutsche vorstellen. Ins Visier von Polizei und Kripo geraten die „Handwerker“ dann, wenn sie in betrügerischer Absicht an die ahnungslosen Kunden herantreten, um mit wenig handwerklichem Einsatz und überteuerter Arbeit an gutes Geld zu kommen.

Dass die Teerkolonnen in größerer Anzahl – darunter in Kellinghusen, Horst, Rosdorf, Brokstedt oder Nortorf bei Wilster – aufgetreten sind, hat nach Auskunft eines Itzehoer Kripobeamten „eher zufälligen Charakter“. Ursache dafür sei die „Reisebewegung“, die sie quer über den Kontinent, aber auch in andere Teile der Welt führe. „Die Gruppen stehen nicht selten in geschäftlicher Konkurrenz. Deshalb ist es eher Zufall, dass sie gegenwärtig hier so massiv herumreisen und in großer Zahl tätig sein wollen.“

Jede Gruppe, so der Kripobeamte, teile sich in mehrere Arbeitscrews auf, die sondierten, wo möglicherweise Geschäfte zu machen sind. So kann es vorkommen, dass plötzlich ein Mann vor der Tür steht, der angibt, Mitarbeiter eines Straßenbauunternehmens zu sein. Sein Auto hat er so platziert, dass die Aufschrift „Baustellenfahrzeug“ letzte Zweifel an seiner Seriosität beseitigen soll. Er habe mit seinem Unternehmen in der Umgebung eine öffentliche Straße geteert und noch Material übrig, lässt er wissen. Weil er erkannt habe, dass die Grundstücksauffahrt des Angesprochenen baufällig sei, biete er an, sie komplett neu zu asphaltieren.

Was bei solchen Haustürgeschäften, wenn sie zustande kommen, passieren kann, zeigt ein Fall Ende Juli aus dem Großraum Glückstadt. Dort wurden Leistungen für rund 7000 Euro angeboten, die sofort per Online-Überweisung auf das Konto eines irischen Kreditinstituts zu entrichten wären. Glücklicherweise war es in diesem Fall so, dass das von den Tätern ausgeguckte Opfer die bereits auf den Weg gebrachte Überweisung mit Hilfe der eigenen Bank stoppen konnte. Nachdem die Teerkolonne weg war, stellte er fest, dass die abgelieferte Arbeit nicht dem entsprach, was mündlich vereinbart worden war.

Laut Bericht der Kripo Itzehoe wurde in diesem Fall festgestellt, „dass hier keine Asphaltdecke oder etwas qualitativ Vergleichbares erstellt worden ist. Vielmehr wurde eilig Splitt auf der bereits vorhandenen Asphaltdecke verteilt“. Ein Tatverdacht ergab sich gegen Personen, die laut Kripobericht „einem international schattenwirtschaftlich auftretenden Sippenverband“ irischer Herkunft entstammen.

Auch Dachdeckerdienste werden von unlauter handelnden Personen angeboten. Und die haben es auf einen speziellen Kundenkreis abgesehen: Menschen, die meist 70 Jahre und älter sind. Und das kann sich dann so abspielen: Ein Komplize sammelt Hinweise zu einzelnen Objekten und gibt seine Erkenntnisse an einzelne oder mehrere Personen weiter, mit denen er in enger Verbindung steht. Jüngst konnte in Itzehoe ein Hausbesitzer von der Polizei davor bewahrt werden, sich auf Geschäftsbeziehungen einzulassen, die ihm hätten schaden können. Die „Dachdecker“, die der Kripo einschlägig bekannt waren, hatten einen Hilfswilligen vorgeschickt, der sich als „Chef“ vorstellte, aber keine Reisegewerbekarte vorweisen konnte.

Ratschlag des Kripobeamten: Man sollte besser an einen anerkannten Fachbetrieb wenden. Wer unsicher ist, welche Firma er beschäftigen will, solle sich mit der Handwerkskammer seines Bereiches in Verbindung setzen und sich beraten lassen. „Vorsichtig sollte immer der sein, der von Unbekannten an der Haustür aufgesucht und mit Angeboten konfrontiert wird. Nicht immer verbirgt sich hinter einem Schnäppchen auch ein Reingewinn.“

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erstellt am 30.Nov.2014 | 11:23 Uhr

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