zur Navigation springen

Polizei führt Intensivtäter vor – Jugendstrafe auf Bewährung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 17:49 Uhr

Am Vormittag zum Gericht – darauf hatte der 18-jährige Hartz IV-Empfänger aus Oelixdorf keine Lust. Jugendstrafrichter Reinhard Bischof setzte kurzerhand die Itzehoer Polizei in Marsch, nachdem der junge Intensivtäter dem Gericht unentschuldigt ferngeblieben war. Zügig führten die Polizeibeamten den jungen Mann vor. Dabei endete das vor dem Jugendschöffengericht geführte Strafverfahren für den Stammkunden letztlich in einer Art Vorbewährung.

Mit einer halben Stunden Verspätung hörte der drogensüchtige Intensivtäter die Anklage, bestehend aus sieben Tatvorwürfen, begangen von Juni 2013 bis Juli 2014. Der in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsene Angeklagte zeigte sich in fünf Tatvorwürfen geständig. Bei einem Tatvorwurf, einem versuchten Wohnungseinbruch in der Itzehoer Gartenstraße im Juni 2013, beteuerte er seine Unschuld, bei einem weiteren Tatvorwurf, einem Einbruch bei den Steinburger Linien im Juli 2014, will er draußen herumgestanden und geraucht haben, während drei Mittäter 340 Euro und diverse elektronische Geräte erbeuteten.

Ohne Zögern nannte er die Namen der Mittäter, darunter eine Frau. Von der Beute habe er nichts abbekommen. Das Gericht stellte diese beiden Anklagepunkte kurzerhand ein. Die übrigen fünf Taten, darunter eine schwere räuberische Erpressung, gestand er. Damals obdachlos, brach er im Sommer 2013 bei seiner Halbschwester ein, stahl ihren Laptop und verhökerte ihn für 80 Euro. ,,Ich hab mit meiner Schwester geredet“, sagte er vor Gericht dazu.

Am Badesee in Kremperheide zog er einem damals 15-jährigen Schüler dessen Smartphone Marke Samsung ab. Ob er mal was googeln dürfe, fragte er den Jungen. Ein Gerichtsbekannter Kumpan rammte dazu sein Messer in einen Holztisch. Dann hob der Angeklagte die Faust und drohte dem Jungen mit Schlägen, sollte der nicht sofort sein Handy rausrücken. Dasselbe wiederholte sich beim Abpressen des Codes. Der 15-Jährige folgte dem Täter zum Bahnhof, bettelte um sein Handy. Noch einmal jagte der Mann den Jungen mit einer Drohgebärde in die Flucht. Räuberischer Diebstahl konstatierte Oberstaatsanwalt Dr. Dietmar Pickert.

2014 klaute er der Mutter eines Kumpels dann die EC-Karte sowie ihre Pfandflaschen. Und als letzte Tat, begangen im Juli 2014, zog er aus dem Briefkasten einer im Urlaub befindlichen Nachbarin deren neue EC-Karte und den PIN. Schaden hier: 190 Euro.

Pickert war milde gestimmt. Er forderte unter Anwendung des milden Jugendstrafrechts die Aussetzung des Schuldspruchs für eine Bewährungszeit von zwei Jahren, plus Bewährungshelfer, plus Drogentherapie plus 100 Arbeitsstunden. Der Angeklagte versprach in seinem Schlusswort, in Hamburg einen Neuanfang starten zu wollen.

Richter Bischof machte weitgehend Pickerts Antrag zu seinem Urteil. Wegen schwerer räuberischer Erpressung, räuberischen Diebstahls, Einbruchsdiebstahls und Computerbetrugs, so heißt es wenn man mit einer EC-Karte ohne Erlaubnis des Inhabers dessen Konto abräumt, hätte Bischof den Intensivtäter verurteilen können und kann es noch. Bischof setzte die Verhängung einer Jugendstrafe für zwei Jahre zur Bewährung aus. Spurt der Intensivtäter in dieser Zeit nicht, setzt Bischof im Nachverfahren kurzerhand eine konkrete Jugendstrafe fest. Die hätte der bereits Arrest erfahrene Oelixdorfer dann zu verbüßen.

Im Übrigen blieb Bischof bei den von Pickert angeregten Auflagen, außer bei den Arbeitsstunden. ,,Hundert Stunden schafft er nicht“, wusste der erfahrene Richter, der den Intensivtäter seit dessen 14. Lebensjahr begleitet. 60 Stunden, entschied Bischof, ,,die sollte er schaffen“.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen