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Norddeutsche Rundschau

21. September 2017 | 01:53 Uhr

Westafrika : Polizei-Chef hilft in Liberia

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ralf Kist übergibt Einsatzkisten für UN-Mission an eine Klinik vor Ort.

Das tödliche Ebola-Virus breitet sich mit erschreckender Geschwindigkeit in Westafrika aus. Trotz aller Versuche, die Epidemie einzudämmen, hat sie beispiellose Ausmaße angenommen. Experten aus aller Welt versuchen die Seuche zu bekämpfen.

In Liberia ist zurzeit auch Ralf Kist, Leiter der Polizeistation in Glückstadt. Er ist dort als Leiter des dortigen deutschen Polizeikontingents der United Nations Mission in Liberia (UNMIL), einem Einsatz der Vereinten Nationen.

In dieser Funktion spendete der Polizeihauptkommissar jetzt diverse überzählige Einsatzkisten der Polizei an Margret Gieraths-Nimene. Sie ist Leiterin der „German-Liberian Clinic“ in Paynesville (Gerlib). Kist: „Die Spende ist hochwillkommen, denn Margret Gieraths-Nimene und ihr Team brauchen die Kisten, um Medikamente und medizinische Unterlagen sicher unterzubringen.“

Das deutsche Bundesinnenministerium wiederum spendete die Kisten gerne, weil sie so nicht wieder nach Deutschland transportiert werden müssen, teilt Ralf Kist in einer E-Mail mit.

Margret Gieraths-Nimene ist als Diplom-Soziologin bereits seit 1983 in Liberia tätig. Zusammen mit ihrem 1998 verstorbenen Ehemann hat sie 1985 in Paynesville, einem Vorort von Monrovia, die „Gerlib Clinic“ gegründet. „Während und nach dem Bürgerkrieg in Liberia wird jetzt versucht, die lokale Bevölkerung so gut wie es geht medizinisch zu versorgen.“ Für Ralf Kist ist es nicht der erste berufliche Auslandsaufenthalt, aber einer, bei dem dieses Mal mehr Vorsicht geboten ist. „Momentan müssen wir ein wenig mehr wegen der aktuellen Gefährdung durch Ebola aufpassen. Aber wir wurden gut vorbereitet und ausgestattet, was auch Malariaprophylaxe betrifft. Wir werden regelmäßig informiert und fühlen uns in Monrovia sicher.“

Ebola ist einer der gefährlichsten Erreger. Er verursacht schweres Erbrechen, Durchfall, Fieber, eingeschränkte Nieren- und Leberfunktionen, innere und äußere Blutungen. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben daran.

In dieser gefährlichen Zeit ist Ralf Kist auf einer Mission, die bereits im September 2003 vom UN-Sicherheitsrat verabschiedet wurde. Die Resolution verfolgt das Ziel, die Sicherheit in Liberia bis zur Wiederherstellung einer verfassungsmäßigen Ordnung zu gewährleisten. Dabei helfen Soldaten und Polizisten.

Das Mandat, es geht noch bis Ende September, wird vermutlich verlängert. Es soll zum einen den Flüchtlingen die Rückkehr ermöglichen. Zum anderen sollen die verschiedenen Rebellengruppen entwaffnet werden. Außerdem werden staatliche Institutionen wieder aufgebaut und die durch den Bürgerkrieg zerrütteten Wirtschaft wird koordiniert, teilt Ralf Kist mit. Hierzu kommen auch deutsche Polizeibeamte aus allen Bundesländern und von der Bundespolizei zum Einsatz, die derzeit von dem Glückstädter Polizeistationsleiter geführt werden.

Das in Liberia weiterhin Hilfe nötig ist, zeigt das Wirken von Margret Gieraths-Nimene. In der Klinik erhält die lokale Bevölkerung annähernd kostenlos medizinische Hilfe. Auch während des 14-jährigen Bürgerkrieges von 1989 bis 2003 wurde der Betrieb der Klinik aufrechterhalten. Die Machtübernahme der Rebellen machte aber auch vor dieser Gesundheitseinrichtung nicht Halt, so dass das Gebäude und seine Inneneinrichtung letztlich zerstört und geplündert wurden. Erst nach dem offiziellen Friedensschluss im Jahr 2005 begann die Diplom-Soziologin – unterstützt von dem deutschen Verein „Liberia e.V.“ – das Projekt der Gerlib Clinic in Monrovia wieder aufzubauen.

Heute besteht das 25-köpfige Team der Klinik aus zwei „Physician Assistants“ (medizinische Leitung), einem Krankenpfleger, drei Hebammen, zwei Laboranten, zehn Krankenschwestern-Helferinnen sowie Registrator, Reinigungskraft, Sicherheitskräfte und der administrativen Leitung. Allein 2008 wurden in der Gerlib Clinic 13 711 Patienten behandelt und es wurden über 800 Frauen während ihrer Schwangerschaft betreut.

Ralf Kist: „Für ihr Engagement wurde Margret Gieraths-Nimene im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.“

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