Kommunalpolitik : Politik steht geschlossen hinter Neubau

Stehen einhellig hinter der Entscheidung für einen Neubau der Kreisverwaltung (v.li.): Ralph Busch (CDU), Rainer Naudiet und Renate Schmidt (beide SPD), Timo Nickels und  Marion Gaudlitz (beide CDU), Inken Carstensen-Herold und Heinrich Voss (Grüne), Dr.Siegfried Hansen (Piraten) und Dr. Reinhold Wenzlaff (CDU).
Stehen einhellig hinter der Entscheidung für einen Neubau der Kreisverwaltung (v.li.): Ralph Busch (CDU), Rainer Naudiet und Renate Schmidt (beide SPD), Timo Nickels und Marion Gaudlitz (beide CDU), Inken Carstensen-Herold und Heinrich Voss (Grüne), Dr.Siegfried Hansen (Piraten) und Dr. Reinhold Wenzlaff (CDU).

Vor dem Bürgerentscheid am 6. Juli in Itzehoe: Abgeordnete unterstreichen ihre gemeinsame Linie. Entwurf ist noch nicht die endgültige Version.

shz.de von
25. Juni 2014, 12:00 Uhr

Beim Thema Kreishaus zieht die Politik in seltener Eintracht an einem Strang. Mit Blick auf den Bürgerentscheid am 6. Juli betonen in einem Gespräch mit unserer Zeitung Vertreter aller im Kreistag aktiven Fraktionen jetzt noch einmal, dass der Entscheidung für einen Neubau ein sorgfältiger Abwägungsprozess vorausgegangen sei. „Unsere Kernbotschaft für alle Bürger ist: Die ehrenamtliche Politik hat sich bei dem Thema sehr viel Mühe gegeben“, versicherte Dr. Reinhold Wenzlaff (CDU). Sein FDP-Kollege Willi Göttsche pflichtet bei: „Wir haben uns jedes Kellerloch genau angesehen.“

Zwar kommt auch von den Politikern Verständnis für die Forderung nach dem Erhalt des jetzigen Erscheinungsbildes in der Itzehoer Viktoriastraße. Weil das ehemalige Bahnhofshotel einst eben als Hotel und nicht als Verwaltungsgebäude konzipiert gewesen sei, tauge es aber für die Bedürfnisse einer modernen Verwaltung einfach nicht. Abgesehen von dem insgesamt eher maroden Gesamtzustand. Außerdem: Das jetzige Gebäude sei in der Vergangenheit mehrfach verändert worden, sodass es auch mit der Fassade aus wilhelminischer Zeit nicht mehr viel gemein habe.

Der jetzt von der Verwaltung vorgelegte Entwurf – ein Bild dazu ist auch allen Wählern mit den Wahlunterlagen zugegangen – sei noch nicht die endgültige Version, heißt es aus den Reihen der Kreispolitiker weiter. „Da gibt es in der Gestaltung noch eine Menge Freiraum“, so Rainer Naudiet (SPD). Zwar stehe das Grundkonzept, vor allem aber für die Auswahl der Ziegelsteine kündigt der Sozialdemokrat noch einigen Gesprächsbedarf an. Die endgültige Fassung liege auch deshalb noch nicht vor, weil man die Detailplanung wegen des Bürgerentscheids erst einmal auf Eis gelegt habe. Auch Naudiet räumt ein: „Die Argumente der Fassaden-Initiative bezüglich des Stadtbild prägenden Charakters sind ja durchaus gut.“ Die Politik habe bei ihrer Entscheidung aber auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern der Kreisverwaltung. Naudiet listet auf: Brandschutz, energetische Unzulänglichkeiten, mangelhafte Zuschnitte der Büros, gänzlich fehlende Barrierefreiheit und letztlich eine Asbestbelastung im Bollhardt’schen Gebäude seien weitere Entscheidungsfaktoren. Sein Eindruck: „Viele dieser Punkte werden in der Öffentlichkeit nicht genug gewürdigt.“

Am Erscheinungsbild des geplanten Neubaus insgesamt werde aber wohl nicht mehr sehr viel gerüttelt. Ilona Adamski (Piraten): „Die große Schaufensterfront garantiert ja auch gerade die Transparenz, die wir im Kreishaus wollen.“ Andere Fraktionen können sich aber durchaus noch Nachbesserungen vorstellen. Heinrich Voss (Grüne) plädiert für eine teilweise Begrünung der Fassade. Auch halte seine Fraktion an der Forderung nach einem Passivhaus-Standard fest.

Für Martin Dethlefsen von der Bürgerliste ist sogar eine Aufnahme historischer Bauelemente noch nicht ganz vom Tisch: „Stilelemente zu erhalten ist gar nicht so teuer.“ Heinrich Voss ergänzt: „Da kann man sicher noch manches verfeinern.“ „Damit es ein bisschen netter aussieht“, fügt Ilona Adamski hinzu.

Fakt bleibt: Der komplette Kreistag unterstreicht die dringende Notwendigkeit für neue Verwaltungsräume. Dabei, so wurde mit Blick auf Diskussionen um einen Neubau an ganz anderer Stelle betont, sei das Ehrenamt und nicht die Verwaltung Herr des Verfahrens.

In jedem Fall werde man sich nach dem 6. Juli wieder zusammensetzen. „Dann werden die Karten neu gelegt“, sagt Willi Göttsche, wobei – so fügt Adamsky hinzu – das Wohl der Mitarbeiter oberste Priorität habe.

Eines allerdings wollen sich die Kreistagsabgeordneten auf keinen Fall vorhalten lassen: Verschwendungssucht. „Da kann man uns in Steinburg wirklich nichts vorwerfen“, meint Reinhold Wenzlaff. Schließlich sei das Kreishaus schon seit mehr als 30 Jahren in der Diskussion. Seitdem sei zudem einiges in Neubauten und vor allem in die Schulen investiert worden.

Unklar bleibt für die Fraktionen aber die aktuelle Stimmung in der Bevölkerung. Nach Beobachtung nicht nur von Martin Dethlefsen habe das mit der Wahlbenachrichtung verschickte Infomaterial eher zur Verwirrung beigetragen. In Gesprächen allerdings würden viele Bürger verstehen, dass man die für einen Fassadenerhalt errechneten Mehrkosten von 2,3 Millionen Euro nicht ausgeben sollte. Nach Einschätzung von Rainer Naudiet würden die tatsächlichen Mehrkosten sogar noch „deutlich darüber“ liegen.

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