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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 06:16 Uhr

Politik: Harte Diskussion um Sporthalle

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Keine Entscheidung für Neubau am Detlefsengymnasium / WIST-Politiker greift Bauamtsleiterin verbal an

Wer am Mittwoch gegen 18 Uhr noch gehofft hatte, es würde im Kreistag einen richtungsweisenden Beschluss zur Sporthalle des Detlefsengymnasiums in Glückstadt geben, der wurde enttäuscht. Rückschritt statt Entscheidung hieß es nach rund eineinhalb Stunden. Statt eine Sanierung oder einen Neubau auf den Weg zu bringen wurde das Thema bei drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen zur weiteren Beratung zurück in die Ausschüsse gegeben. Nicht ohne zuvor den Fachgremien einen interfraktionell erweiterten SPD-Antrag als Diskussionsgrundlage an die Hand zu geben.

Die Sozialdemokraten sahen sich gezwungen, „Äpfel mit Birnen“ vergleichen zu müssen. Für die Sanierung lägen schließlich detaillierte Kostendarstellungen vor, bei den Neubauinvestitionen seien nur Richtwerte genannt worden. Die Piraten hatten einen Antrag vorgelegt, in dem sie den Beschluss für einen Neubau forderten – und damit nahm die Diskussion ihren Anfang. Als dann noch der FDP-Abgeordnete Tobias Rückerl die Möglichkeit ins Spiel brachte, dass bei einer Sanierung eine Förderung von bis zu 90 Prozent möglich sei, war noch zusätzlicher Zündstoff geliefert. Martin Dethlefsen (Bürgerliste Steinburg) fand die neue Entwicklung überraschend. „Vor einiger Zeit habe wir hier noch mit großer Einigkeit die Sanierung beschlossen, warum das jetzt nicht mehr ausreicht, verstehe ich nicht.“

Die längere Zeit für einen Neubau gegenüber einer Sanierung und die Mehrkosten von zwei bis drei Millionen Euro sorgten für kontroverse Diskussionen. Und für die Christdemokraten war auch entscheidend, dass keine noch so intensive Sanierung die Halle in den Zustand eines Neubaus versetzen könne. Werner Schultze (CDU): „Eine Sanierung würde doch bedeuten, dass wir einen Trabbi in ein aufgemotztes Mittelklassefahrzeug umbauen wollen.“ Und sein Parteikollege Dr. Reinhold Wenzlaff sagte knapp: „Alt bleibt alt.“ Zudem habe man mal beschlossen, dass „wir uns für unsere Schulen einsetzen – das Detlefsengymnasium ist unsere Schule“.

Damit spielte er auch dem Piraten-Abgeordneten Dr. Siegfried Hansen in die Karten, der sich von Rückerl den Vorwurf anhören musste, die Piraten würden nur für einen Neubau votieren, weil sie „alle aus Glückstadt und der Umgebung kommen“. Das wies Hansen „in aller Deutlichkeit“ zurück und schloss sich mit seiner Fraktion den Christdemokraten an.

Die SPD, die den Antrag zur erneuten Prüfung und der Gegenüberstellung von Sanierung und Neubau formuliert hatte, sah sich bestätigt. Doch damit hatten die Genossen die Rechnung ohne die Bauverwaltung gemacht. „Ich möchte nicht, dass Sie hier etwas beschließen, was wir gar nicht leisten können“, warnte Bauamtsleiterin Daniela Immich. Es habe nie einen direkten Vergleich der Kosten für Sanierung und Neubau gegeben.

„Wir haben in der Kürze der Zeit versucht, eine Zahl zu nennen.“ Wenn eine wirkliche Vergleichbarkeit gewünscht werde, müssten dafür Aufträge vergeben werden, die Honorarkosten von rund 250  000 Euro nach sich ziehen würden. Mit den Mitarbeitern des Bauamts sei nur ein kleiner Teil der Arbeiten selbst zu erbringen. „Ich habe zum Beispiel gar keinen Bauzeichner, der sich mal kurz für eine Planung hinsetzen kann.“

Trotz der Bitte des Kreispräsidenten Peter Labendowicz (CDU) um mehr Sachlichkeit griff Hans Emil Lorenz die Bauamtsleiterin an: „Wenn ich mit meiner Unternehmensgruppe so arbeiten würde wie Sie, dann wäre ich längst pleite“, polterte der WIST-Abgeordnete.

Eine Entscheidung wollte kaum noch einer treffen. Der Wunsch aus dem SPD-Antrag – eine belastbare Kostenplanung für Neubau beziehungsweise Sanierung, die Klärung von Förderszenarien sowie weitere finanzielle Auswirkungen – dient mit Mehrheitsbeschluss als Arbeitsgrundlage für die Ausschüsse.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 17:41 Uhr

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