Insolvenz : Pleite-Schiff macht in Glückstadt fest

Herausforderung: Ein ungewöhnlich großes Schiff für Glückstadt wird in den Hafen manövriert.
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Herausforderung: Ein ungewöhnlich großes Schiff für Glückstadt wird in den Hafen manövriert.

Die „Kappeln“ soll einige Wochen im Außenhafen liegen. Hamburger Insolvenzverwalter verhandelt über Verkauf des Containerschiffs

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24. Juli 2014, 12:00 Uhr

Ein spektakuläres Schauspiel bot sich gestern Mittag Schaulustigen am Außenhafen: Mit dem 132 Meter langen Containerschiff Kappeln machte das wohl bisher größte Schiff im Hafen fest. Es ist im vorläufigen Insolvenzverfahren und wird deshalb Glückstadt in den kommenden sechs Wochen nicht verlassen. Geplant ist, die Kappeln zu verkaufen.

„Ich wüsste nicht, dass wir schon mal ein längeres Schiff im Hafen hatten“, sagt Hafenkapitän Lars Sell, der das komplizierte Einlaufmanöver von Land aus überwachte. „Die Größe stellt eine echte Herausforderung für den Schiffsführer und den Lotsen an Bord dar.“ Da die schmale Hafeneinfahrt genau im rechten Winkel zur Strömung der Elbe liegt, kann so ein Manöver laut Sell nur problemlos auf dem Höhepunkt der Flut gelingen, „wenn das Wasser wirklich steht“, bevor es wieder abläuft.

Für die Kappeln hatten die Beteiligten genau den richtigen Zeitpunkt erwischt: Mit Unterstützung des Schleppers Vorwärts aus Brunsbüttel drehte der große Frachter langsam vor der Hafeneinfahrt und lief ganz behutsam Meter für Meter in den Hafen ein. Lediglich beim Festmachen des Containerschiffes gab es Probleme mit einer Laterne auf der Kaimauer, die vermutlich zu Bruch gegangen wäre, wenn nicht Tobias Schmeer, Elektriker der Stadtwerke, sie kurzerhand gemeinsam mit Mitarbeitern der Hafengesellschaft abmontiert hätte.

Betreut wird das Containerschiff während der Zeit im Hafen von Schiffsagentin Tanja Wahlstedt von der Hafenbetreibergesellschaft Glückstadt Port. Sie ist erster Ansprechpartner für die Besatzung und kümmert sich um alle Belange rund um das Schiff: „Die Kappeln wird vorerst keine Fracht transportieren und liegt jetzt in Glückstadt auf.“ Von den 13 Besatzungsmitgliedern werden vier Mann an Bord dauerhaft an Bord bleiben, während der Rest der Besatzung das Schiff vorerst verlässt.

Wie lange die unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Kappeln in Glückstadt bleiben wird, ist im Moment unklar. Bei Tanja Wahlstedt wurde sie durch die für den Betrieb des Schiffes zuständige Reederei Brise für eine Liegezeit von sechs Wochen angemeldet. Die könnten sich nach Recherchen unserer Zeitung aber eventuell noch verlängern: Die Kappeln gehört einem geschlossenen Schiffsfonds eines großen börsennotierten Emissionshauses aus Hamburg. Im Rahmen der Schifffahrtskrise geriet das Finanzunternehmen laut Medienberichten in den vergangenen Jahren zunehmend in Schieflage. Zahlreiche Fonds wurden zahlungsunfähig. Im Frühjahr 2014 musste auch der Fonds der Kappeln Insolvenz anmelden. Mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung wurde die Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Schwierholz, Jarchow und Scholz (SJS), beauftragt.

„Wir wissen im Moment noch nicht genau, wie es mit dem Schiff weitergeht“, sagt Sarah Tramm von SJS. „Verhandlungen mit den Gläubigern, etwa über einen möglichen Verkauf, laufen aktuell. Es gibt aber noch keine konkreten Ergebnisse.“ Wie lange dies dauere, sei schwierig einzuschätzen. Wenn sich ein Käufer findet, könne alles ganz schnell gehen, so Tramm weiter. Die zuständige Reederei wollte sich auf nach Nachfrage unserer Zeitung nicht über weitere Pläne mit der Kappeln und die zu erwartende Liegezeit in Glückstadt äußern.

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