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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 19:53 Uhr

Kultur : Planet mit eigener Umlaufbahn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf Alsen tätiger Verein und die Stadt kommen weiter nicht zueinander

Erinnern. Bewahren. Entwickeln. Erleben. Das sind die Ziele des Vereins Planet Alsen. Ruhig ist es um ihn geworden, denn die Zukunft ist offen. Ein Anwalt aus Köln prüft den Pachtvertrag mit der Stadt – alles wartet seit geraumer Zeit auf klare Aussagen.

Innig war das Verhältnis zwischen dem Kulturverein und der Stadt nie. Noch schwieriger wurde es in der Diskussion um das Treibhaus: Der Bereich von Planet Alsen wurde aus den Planungen herausgenommen, weil er nicht förderfähig sei. Seither hat die Schranke vor dem Gelände mit Magazin, E-Werkstatt, Schlämmbottich und Labor mehr als nur symbolische Bedeutung. Doch es ist städtisches Areal, gekauft im Jahr 2007. Dabei wurde der Pachtvertrag mit einer Holcim-Tochter übernommen – dieser aber beinhalte nur Pflichten für die Stadt und nur Rechte für den Verein, sagt der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Rat, Ralph Busch. Zum Beispiel gebe es kein Kündigungsrecht für die Stadt: „Das ist kein Verhältnis auf Augenhöhe. Bei diesem Vertrag sind wir als Stadt über den Tisch gezogen worden.“

Um das zu korrigieren, hat die große Koalition aus CDU und SPD die juristische Klärung auf den Weg gebracht. Anders sei es nicht gegangen, weil der Verein die Frage der Kündigung für nicht verhandelbar erklärt habe, so SPD-Fraktionschef Sönke Doll. Die Entscheidung, was mit dem rund fünf Hektar großen Gelände der Stadt geschehen soll, hat die Dezember-Ratsversammlung auf Antrag der großen Koalition fast einstimmig für ein Jahr zurückgestellt. So soll auch die Option Kreishaus offen gehalten werden.

Für den Verein ist die aktuelle Situation eindeutig. Ziel sei ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis, aber: „Wir haben einen Vertrag und hoffen, dass die Stadt ihn endlich einmal einhält“, sagt Vorstandsmitglied Setus Studt. Dabei geht es um Instandsetzung: Der Verein tue an den Gebäuden, was er könne, sei aber schnell überfordert. Die Zuwegung sei ein Skandal, an deren Beleuchtung passiere nach Vandalismusschäden nichts. Bürgermeister Andreas Koeppen sitzt zwischen den Stühlen: Mittel sind nicht eingeplant, die Gesamtsituation sei schwer einzuschätzen.

Vor allem der Punkt „Erleben“ aus dem Vereinsmotto könne nicht gepflegt werden, sagt Studt. Vorstandskollege Jürgen Dahlkemper zitiert aus einer Planungssitzung für das Treibhaus: Planet Alsen sei herausragend als Initiator für die kulturellen Aktivitäten sowie Pionier für die Nachnutzung und müsse „ein wichtiges Ankerprojekt der künftigen Entwicklung bleiben“. Doch die Bedingungen dafür fehlten: Rettungswege, Sanitäranlagen, Brandschutz, Veranstaltungsflächen. Alsen biete viele Freiräume: „Es ist nicht zu verstehen, dass eine Stadt so ein Juwel nicht fördert und pflegt“, sagt Manfred Oetting vom Vereinsbeirat. Neugier und „unheimlich viele Anfragen“ für Veranstaltungen gebe es, sagt Studt. Doch es funktioniere meist nur privat – das aber sehr häufig. Daraus schließt Studt: „Mit wenig Mitteln kann man einen Rieseneffekt schaffen.“ Bei den Kostenschätzungen liegen beide Seiten aber weit auseinander.

Parallel prüft die Verwaltung, welche Gebäude abgerissen werden sollten. So hat es die Dezember-Ratsversammlung auf Antrag der Koalition fast einstimmig beschlossen. Gemeint sind vor allem die Gebäude außerhalb des Bereichs von Planet Alsen. Es gehe um Gefahrenabwehr, betont SPD-Fraktionschef Doll. Auch den Bürgermeister stören die Trümmer an der Bahnlinie.

Doch nach einem Abriss dürfe nie wieder so dicht am Bahndamm gebaut werden, mahnen die Vereinsvertreter. Besser solle stehen bleiben, was nicht gefährlich sei, es könne sogar spannend mit einer anderen Nutzung verbunden werden. Studt: „Die Option ist ja noch da, das geschichtliche Gelände nicht weiter zu entwerten.“

„Ich bin der Letzte, der Tabula rasa machen will“, sagt Koeppen. Bei einer Nutzung für Gewerbe oder Verwaltung werde wohl alles verschwinden müssen, meint Doll. Das Konzept, das Industriedenkmal zu erhalten, lasse sich vertreten – „nur vorgesehen ist das heute nicht“. Bisher hätten sich die Gremien damit nie befasst. Ausschließen will auch Busch das nicht, landet aber wieder beim Pachtvertrag: „Das kann man nur partnerschaftlich auf Augenhöhe.“


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erstellt am 19.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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