Traditionsschiff : Pirat-Boot in 75 Stunden restauriert

Gibt dem historischen Piratsegler „Jumbo“ wieder neuen Glanz: Peter Offermann (2. von rechts) mit Paul Dyrßen, Thomas Dethlefs und Marlene Tautenhahn (v.l.) zu Beginn der Restaurierungsphase im vergangenen Frühjahr.
Gibt dem historischen Piratsegler „Jumbo“ wieder neuen Glanz: Peter Offermann (2. von rechts) mit Paul Dyrßen, Thomas Dethlefs und Marlene Tautenhahn (v.l.) zu Beginn der Restaurierungsphase im vergangenen Frühjahr.

Wilsteraner Seglerjugend bekommt noch in diesem Jahr mit „Jumbo“ ein neues Sportgerät.

shz.de von
14. Januar 2015, 05:00 Uhr

Das Segeln im Pirat-Boot hat bei der Seglervereinigung Wilster (SVW) eine lange Tradition. Diese Aussage betrifft sowohl das Regatta- als auch das Fahrtensegeln. Geht es beim Regattasegeln um möglichst gute sportliche Resultate in punkto gesegelter und berechneter Zeit, steht beim Fahrtensegeln in erster Linie der Aufenthalt mit dem Boot auf dem Wasser und die dabei zurückgelegte Distanz im Vordergrund.

Über lange Zeit waren „Aisha“, „dont’t panic“ und „Hein Dutt“ die einzigen Pirat-Boote, die den Mitgliedern der von Thomas Dethlefs geleiteten SVW-Jugendgruppe zur Verfügung standen. Und diese Boote reichten auch viele Jahre aus, um den Bedarf zu decken. Doch diese Meinung hat sich geändert. Grund: Die Zahl der SVW-Jugendsegler ist gestiegen, und so sind die Verantwortlichen froh, ihrem Nachwuchs mit dem Pirat-Boot „Jumbo“ mit Beginn der diesjährigen Saison ein weiteres Sportgerät zur Verfügung stellen zu können. Zu verdanken ist das nicht zuletzt Peter Offermann. Das SVW-Mitglied, ein gelernter Maschinenbauer, hat seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres 75 Stunden in die Restaurierung des Schiffes investiert; nur noch wenige Handgriffe sind von ihm zu verrichten. Und wenn „Jumbo“ danach mit neuen Bodenbrettern bestückt sein wird, kann das Pirat-Boot zu Wasser gelassen werden.

Bereits jetzt ist zu erkennen, dass der sehr alte Segler mit viel Engagement und dem erforderlichen Fachwissen in einen Topzustand versetzt worden ist. „Ich habe das für die Jugend gemacht und um Thomas Dethlefs in seiner Arbeit als Jugendwart zu unterstützen“, sagte Peter Offermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Arbeitsdienste hätte er sowieso zu erledigen gehabt, und sich mit „Jumbo“ zu beschäftigen, hätte ihm eben sehr viel Freude bereitet. Ganz allein an dem Piraten hätte er aber nicht gewerkelt. „Ich bin von jugendlichen Seglern aus unserem Verein unterstützt worden. Sie haben wichtige Hilfsdienste geleistet.“ Peter Offermann nannte als Beispiele das Abkratzen alter Farbe und das Schleifen der neuen Bootshaut. „Jumbo“, heute ein Holzschiff mit überzogenem Kunststoff, ist mittlerweile 65 Jahre alt. „Das erste Mal“, so berichtet Thomas Dethlefs, „tauchte dieser Pirat 1960 in unserem Verein auf.“ Damals habe das Boot aber noch „Swoonk“, ein plattdeutscher Begriff für „Schwalbe“, geheißen und trug die Segelnummer „G 640“.

Ende der 1960er Jahre segelte der aktuelle SVW-Jugendwart im Rahmen der „Störregatta“ in diesem Piraten seine erste Regatta mit. In den Folgejahren wurde er innerhalb des Vereins schon mal als Jugendboot genutzt und bekam eine Kunststoffhaut. Nachdem „Jumbo“ in den Folgejahren mehrfach in anderen Händen war und zwischendurch auch von Thomas Dethlefs für Segelkurse der Beruflichen Schulen des Kreises Steinburg genutzt wurde, kam er vor etwa drei Jahren nach Wilster zurück und wurde in der Bootshalle des SVW am Brook abgestellt. Allerdings war der Pflegezustand nicht optimal.

Zunächst blieb das auch so – bis zum Ende der vorletzten Saison: Weil die Jugendgruppe deutlich größer wurde und die Verantwortlichen erkannten, dass es Sinn macht, einen weiteren Piratsegler bei Kasenort am Anleger in der Stör liegen zu haben, war die Zeit reif, den in die Jahre gekommenen Segler zu restaurieren und somit einsatzfähig für Trainingszwecke zu machen.

Angesichts der Tatsache, dass die Piratklasse im vergangenen Jahr 76 Jahre alt geworden ist, ist nicht ausgeschlossen, dass „Jumbo“ zu den ältesten Booten dieser Klasse zählt, die in Deutschland überhaupt noch in Gebrauch sind. An vielen anderen Modellen, die vor 1950 gebaut worden sind, dürfte zwischenzeitlich der Zahn der Zeit genagt haben, so dass sie nicht mehr einsatzfähig sind. Andere werden ganz verschwunden sein. Insofern befindet sich in Händen der SVW mit „Jumbo“ eine Rarität.  


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