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Quer durch Deutschland : Pilgerer aus Wacken: „Es war die Erfahrung meines Lebens“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Wackener pilgert in 80 Tagen quer durch Deutschland. Jetzt schreibt Fritz A. Kunkelmoor darüber ein Buch.

Wacken | In achtzig Tagen um die Welt – das hat der Bildhauer Fritz A. Kunkelmoor aus Wacken zwar nicht geschafft, dafür aber in achtzig Tagen allein auf Schusters Rappen durch Deutschland. Damit erfüllte sich der 68-Jährige einen mehr als zehn Jahren alten Traum. Am 1. Juni hat sich der Bildhauer seine Wanderschuhe übergestreift und ist einfach losgelaufen. Von der dänischen Grenze in Wassersleben bei Flensburg brach er auf, um sich auf seiner langen Wanderung allein auf eigener Route „an dem schönen Deutschland“ zu erfreuen.

„Trotz meines seit Jahresanfang durchgeführten Wandertrainings hatte ich in der ersten Woche heftige körperliche Probleme“, erinnert sich der Pilger, der einen 13,9 Kilogramm schweren Rucksack bei sich trug. Erst nachdem er am vierten Tag seiner Tour Ballast abgeworfen hatte, habe er sich relativ schnell an die Dauerbelastung gewöhnt. Inzwischen auch „innerlich aufgeräumt und gereinigt“ durchquerte er am zwölfte Tag den alten Hamburger Elbtunnel.

Über Harburg führte sein Weg dann durch die Lüneburger Heide, westlich am Harz vorbei, ins Eichsfeld. Nach Überquerung der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze erreichte Kunkelmoor Eisenach, wo er in der Wartburg das „Luther-Zimmer“ besuchte. Dort, zur Halbzeit seiner Tour, pausierte er zwei Tage, ehe er weiter die Schönheit des Thüringer Waldes genoss. „Ich habe während meiner Tour viele Menschen kennen gelernt“, erinnert sich Kunkelmoor, der sich, wie er sagt, stets von seinen Gefühlen leiten ließ. „Einmal traf ich auf einen Weltenbummler, der mich zu sich nach Hause in Unterammergau einlud.“ Dieser Einladung sei er später jedoch nicht nachgegangen. „Ich hatte kein gutes Gefühl dabei“. Überhaupt habe er sich oft in Lebensgefahr begeben, weil er viele Teile seiner Strecke entlang des Straßenrandes bei dichtem Verkehr wanderte. „Ich habe aber auch festgestellt, dass man mit Rucksack eine eingebaute Vorfahrt hat“, schmunzelt Kunkelmoor, der stets Kontakt zu seiner Familie hielt.

Über Unterfranken führte ihn die Strecke schließlich in die Romantische Straße mit Rothenburg o. d. Tauber und Augsburg. „Mein Ziel war die evangelische Christuskirche in Innsbruck – die wollte ich noch einmal erleben“, sagt Kunkelmoor, der sich im Oberammergauer Passionstheater nicht die Aufführung von „Moses“ entgehen ließ, bevor er später hinter Mittenwald die Grenze zu Österreich durchwanderte. Die letzte Etappe dorthin sei wegen des sehr starken Gefälles der stark befahrenen Europastraße zum Brennerpass, die er nun als Fußgänger benutzen musste, sehr gefährlich gewesen. Aber zuversichtlich, nach zwölf Wochen Wanderzeit inzwischen auch mental gefestigt, und als Christ daran glaubend, „geführt zu werden“, erreichte er dann nach genau 1172 Fußkilometern „seine“ Kirche in Innsbruck. „Da kamen mir die Tränen und mich überkam das Gefühl, jemanden in den Arm nehmen zu müssen – aber es war ja keiner da“.

„Stark, frei und zuversichtlich“, wie Kunkelmoor resümiert, kehrte er am 84. Tag mit der Bahn zurück nach Itzehoe, wo er von Familienangehörigen und Freunden empfangen wurde. „Das Leben ist wie eine Torte, von der ich mir ein Stück abgeschnitten habe“, denkt Kunkelmoor dankbar an seine wohl größte Herausforderung zurück. Wie er sagt, habe er davon ein Stück gegessen und genossen, aber noch längst nicht verdaut.

Ursprünglich angelegt war seine Durchquerung Deutschlands als ganz normale Wanderung. Aber schon bald bemerkte der Bildhauer und Autor, dass neben den täglich, manchmal stündlich wechselnden Eindrücken von außen auch „ganz viel in seinem Inneren“ passierte, so Kunkelmoor. Somit sei seine Aktion wie von selbst zu einer “echten Pilgertour“ geworden. Über diese „Kostbarkeit, die er erfahren durfte“, wie er dankbar zusammenfasst, schreibt er jetzt ein Buch. „Mir fehlt nur noch ein Sponsor“.

Geplant sei nicht nur eine Wiedergabe seiner Freude über die vielen Blumen am Weges- und Straßenrand und landschaftlichen Schönheiten, sondern auch seine Begeisterung über die zahlreich erfahrenen Informationen hinsichtlich der Geologie und der Historie der besuchten Regionen. Neben der Schilderung zahlreicher Begegnungen mit merkwürdigen und schrulligen Menschen dürften darüber hinaus auch die Darstellung seines Erlebens ungezählter Gotteshäuser sein. „Ich möchte die tagebuchformatige Publikation mit einer Auswahl meiner unterwegs entstanden Fotos illustrieren“, sagt Kunkelmoor, dessen Werk den schlichten Titel „Unterwegs . . .“ tragen solle.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 15:39 Uhr

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