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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 15:55 Uhr

Tiermedizin : Physiotherapie hilft Vierbeinern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Carmen Hink aus Brokdorf hat sich mit mobiler Praxis für Tiere selbstständig gemacht. Auch Akupunktur gehört zu ihren Behandlungsmethoden

Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit der Akupunktur in der Humanmedizin. Über Jahre haben renommierte Hochschulen wie die Friedrich-Schiller-Universität in Jena die traditionelle chinesische Heilmethode durchleuchtet und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Art der Behandlung eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Schulmedizin sein kann. Wie die Akupunktur genau wirkt, konnte bislang nicht eindeutig enträtselt werden. Fest steht jedoch, dass das Stechen der feinen Nadeln den Patienten insbesondere bei chronischen Schmerzen Linderung verschafft. Was dem Menschen gut tut, kann dem Tier nicht schaden. Dies dachte sich Carmen Hink aus Brokdorf. Seit ihrer Kindheit war es der Wunsch der 25-Jährigen, mit Tieren zusammenzuarbeiten. Doch nicht in der Art und Weise, wie sie es vom elterlichen Landwirtschaftsbetrieb her kannte.

„Für ein Medizinstudium waren meine schulischen Leistungen leider nicht ausreichend“, sagt sie. Ein hoher Numerus Clausus setzt gute Abiturnoten bei den Anwärtern für einen Studienplatz voraus. Auf einen Studienplatz in der Veterinärmedizin kommen rund sieben Bewerber, etwa 85 Prozent davon sind weiblich. „Ich habe mich schließlich für eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten entschieden, doch schon früh erkannt, dass mir das alleine nicht reicht“, so Carmen Hink. Auf die erste Berufsausbildung folgte die Weiterbildung zur Tierphysiotherapeutin. Die Akupunktur nach der Traditionellen Chinesischen Medizin war Teil ihrer Ausbildung. Mit großem Erfolg setzt sie diese Behandlungsmöglichkeiten bei Tieren ein.

„Die Akupunktur stellt selbstverständlich nur einen Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts dar“, unterstreicht die 25-Jährige. Jeder Behandlung geht eine umfassende Anamnese voraus, bei der alle aktuellen Beschwerden und der Gesamtzustand des tierischen Patienten ebenso ermittelt werden wie gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Vergangenheit. Der Großteil der vordergründigen Störungen, die es zu behandeln gilt, betreffen die Muskeln, die Gelenke und die Wirbelsäule. Wie beim Menschen wird dabei Physiotherapie eingesetzt: Massagen, passive Krankengymnastik und manuelle Therapien. „Für mich ist die Akupunktur ein ebenso wichtiges Werkzeug wie beispielsweise die manuelle Therapie“, sagt die Jungunternehmerin, die mit einer mobilen Tierphysiotherapiepraxis nun den Sprung in die Selbständigkeit gewagt hat.

„Wenn es das Tier zulässt, setzte ich immer, der Indikation entsprechend auch Nadeln, es ist ein Teil der ganzheitlichen Behandlung. Ich bin nicht nur bemüht, die augenscheinliche gesundheitliche Störung zu behandeln, sondern auch die unscheinbaren Beeinträchtigungen im Körper des Tieres, die häufig unbemerkt neben den Hauptsymptomen herlaufen.“

„Es erstaunt mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich sehe, welchen Einfluss die Nadeln auf das Wohlergehen unseres Hundes haben“, sagt Ines Ratka, die mit ihrem Berner Sennenhund bei der Tierphysiotherapeutin in Behandlung ist. Schon früh wurde bei dem vierjährigen Vierbeiner eine Fehlstellung der Hinterläufe festgestellt. Diese wird dem Hund irgendwann Probleme bereiten, hatte der Tierarzt angekündigt. Um den schleichenden Prozess zu verlangsamen und den ersten Symptomen entgegenzuwirken, nimmt Ines Ratka die Dienste der ambulanten Tierphysiotherapeutin in Anspruch.

„Neben Krankengymnastik zur Gelenkmobilisation setze ich bei dem Hund Nadeln zur Schmerzlinderung, Entspannung und zur Anregung des Stoffwechsels, da er neben den aus der Fehlstellung beruhenden Verspannungen und Schmerzen seit der Kastration zu Übergewicht neigt und wir ihn von seinem Gewicht runterbringen möchten“, erläutert die Therapeutin.

Bei all ihren Patienten führt die junge Tierphysiotherapeutin ein Videotagebuch, um die Entwicklung unter der Behandlung zu dokumentieren und Veränderungen beispielsweise im Gangbild auch dem jeweiligen Frauchen oder Herrchen veranschaulichen zu können. So auch bei dem Berner Sennenhund. „Die bewegten Bilder zeigen deutlich, dass der Hund seit der Behandlung nicht nur entspannter ist, sondern sich auch sein Gangbild verändert und die Schonhaltung abgenommen hat“, erläutert die Tierphysiotherapeutin. Zu ihren Patienten zählen neben Hunden auch Pferde, Katzen und andere Vierbeiner.


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