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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 22:07 Uhr

MUSICAL : Phantom der Oper ohne Wucht und Farbe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kein Vergleich zu Andrew Lloyd Webbers Werk: Die Produktion von Arndt Gerber und Paul Wilhelm im theater itzehoe kann nicht überzeugen.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Immer wieder ein schönes Bild: ein volles, fast ausverkauftes Haus, ein erwartungsfrohes Publikum, eine verheißungsvoll offene Bühne. „Das Phantom der Oper“ spukte durch das theater itzehoe, jenes weltberühmte Musical nach dem vor gut 100 Jahren erschienenen Roman des Franzosen Gaston Leroux. Jenes weltberühmte Musical? Das von Andrew Lloyd Webber? Mit den Ohrwürmern, die Michael Kunze ins Deutsche übersetzt hatte? Nein, dieses nicht! Hier wurde die „große Originalproduktion“ von Arndt Gerber und Paul Wilhelm gespielt. Und diese beiden wollen mit ihrer 1987 entstandenen Produktion „eine künstlerische Gegenposition“ zu Webbers 1986 uraufgeführtem Musical einnehmen, wie es im Programmheft heißt.

Um es ohne Umschweife zu sagen: Gerber/Wilhelm können Webber nicht das Wasser reichen, ihr Werk verfügt nicht über das musikalische Format für eine echte Gegenposition. Gerbers Musik entwickelt nicht die Wucht und Dynamik, nicht die Vielschichtigkeit und Farbigkeit wie Webbers. Wilhelms Text fügt zwar einige humorvolle und manchmal auch selbstkritische Seitenblicke auf das Theater im Allgemeinen und das Genre Oper im Besonderen hinzu, aber beim Publikum reichte das nur zu bescheidenen Schmunzlern. Mehr hatten diese Allgemeinplätze auch nicht verdient.

Richtig gut unterhalten in diesen zweieinhalb Stunden hat eigentlich nur Stefanie Wesser, die Darstellerin der Christine Daaé, jener Chorsängerin, die das Phantom der Pariser Oper als großen Gesangsstar herausbringen will. Sie entwickelte in ihren Gesangsnummern und den textlastigen Zwischenspielen jene Ausstrahlung, die das entstellte Wesen aus den Katakomben der Pariser Oper verzaubert. Ihr glaubte man die Intensität der Libretto-Leitfrage „Kann man singen, ohne zu lieben?“ mit der Antwort „Man kann leben, ohne zu singen!“.

Das Spiel das Ensembles hingegen: plakativ, unnuanciert. Der Beifall am Schluss fiel freundlich aus, hielt sich aber in Grenzen. Webbers „Phantom“ hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Dagegen wirkte diese Fassung wie eine „Zauberflöte“ ohne Mozart.

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