zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 10:30 Uhr

Pflegekräfte gehen am Krückstock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mitarbeiter des Psychiatrischen Zentrums Glückstadt fordern mehr Geld

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2016 | 17:47 Uhr

„Wir gehen am Stock! Wir gehen am Stock“, schallte es durch den Innenhof des Psychiatrischen Zentrums Vitanas in Glückstadt. 50 der zirka 170 Pflegekräfte gingen symbolisch mit Geh- und Krückstöcken über das Gelände der Einrichtung. Seit 14 Jahren ist das Gehalt der Beschäftigten des Psychiatrischen Zentrums unverändert. Eine Woche vor der sechsten Runde der Tarifverhandlungen am 18. Mai wollen die Beschäftigten gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi noch einmal Druck auf den Arbeitgeber ausüben.

„Wir wollen an das Gehalt herankommen, das im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst steht. Das wäre fair“, sagte Heike Kühl, Gewerkschaftsvertrauensfrau und Mitarbeitern des Zentrums. Bei Vitanas gilt der Haustarifvertrag. „Die Mitarbeiter in der Pflege verdienen hier zu wenig. Bei den Glückstädter Werkstätten etwa würden sie mehr verdienen.“ Zudem seien im letzten Jahrzehnt auch die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten deutlich gestiegen.

Trotz allem Gehalts-Ärgers sei das Arbeitsumfeld bei Vitanas jedoch kein schlechtes. „Die Zentrumsleitung unterstützt uns, und die untere Führungsebene hat uns angetrieben, uns zu organisieren, um etwas zu erreichen.“ Und um jetzt endlich im Tarifstreit weiter zu kommen, gingen die Pflegekräfte am Stock und zeigten damit, dass für sie die Grenze erreicht sei.

„Die Aktion findet jetzt statt, weil eigentlich heute in Glückstadt ein Workshop zur Weiterentwicklung des Zentrums sein sollte und der Geschäftsführer Nikolai Burkart kommen wollte“, sagte Kühl. Burkart habe jedoch kurzfristig umgeplant und komme erst einen Tag später. „Wenn er kommt, übergeben wir ihm unsere Protestbriefe.“ In den Briefen haben die Vitanas-Pflegekräfte niedergeschrieben, warum sie am Stock gehen: „Das Gleichgewicht von Nehmen und Geben stimmt nicht.Es wird sehr viel von uns erwartet, unter anderem, dass ich hochflexibel einsetzbar bin.“ Ein anderer Mitarbeiter wendet sich in seinem Brief mit einer Frage an die Geschäftsführung: „Wie soll ich mit so einer niedrigen Rente im Alter würdevoll Leben?“

Die Pflegekräfte machten ihrem Ärger bei der Aktion gestern Luft. „Die Hinhalte–Taktik und das Angebot, dass die uns gemacht haben, ist unverschämt“, betonte die Vitanas-Mitarbeitern Sabine Mann. Ihnen sei ein Prozent mehr Gehalt auf die alten Verträge und 2,5 Prozent mehr auf die neuen Verträge angeboten worden. „Das ist bei unserem Gehalt viel zu wenig.“ Sie würden knapp über Pflege-Mindestlohn bezahlt werden. Deshalb sei es für das Unternehmen auch schwer, neue Mitarbeiter zu finden, vermutete sie. Ihr Arbeitgeber Vitanas zeigte sich in einer Stellungnahme zu der Aktion der Glückstädter offen für die weiteren Verhandlungen. „Wir werden jetzt in einem gemeinsamen Termin mit Verdi unser Angebot erläutern und dieses in der kommenden Woche weiter verhandeln“, so Heinz-Dieter Nies, Leiter Integrations-Centren der Vitanas und Verhandlungsführer mit Verdi. „Auch wir erwarten von der Tarifkommission eine konstruktive Verhandlungsführung im Sinne unserer Mitarbeiter. Eine hohe Wertschätzung unserer Mitarbeiter ist für uns selbstverständlich und steht außer Frage.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen