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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 05:21 Uhr

Diskussion : Pflege – Der Mangel wird verwaltet

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Diskussionsabend bei der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Engelbrechtschen Wildnis – Experten zeichnen düsteres Bild.

„Was würden Sie für die Pflege tun, wenn Sie Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wären?“ Das war die Frage, die Moderator Wolfgang Mädel den Podiumsteilnehmern zum Ende der Diskussionsrunde zum Thema „Arbeiten in der Pflege bis 65“ stellte. Die Antworten waren eindeutig: Sofort müsste die Ausbildung verbessert, mehr Geld für die Pflege bereit gestellt und die Attraktivität des Berufes verbessert werden. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD.

Die prekäre Situation in der meist stark unterbesetzten Pflege sowie die Diskussion über die Einrichtung einer Pflegekammer als Sprachrohr für die in Pflegeberufen Beschäftigten lieferten den Zündstoff für die Veranstaltung. So hatten die Organisatoren schon in der Einladung darauf hingewiesen, dass Pflegekräfte im Durchschnitt nur siebeneinhalb Jahre in ihrem Beruf arbeiten und dass der demographische Wandel ein erhebliches Mehr an Pflegebedürftigen und ein Weniger an jungen Menschen, die in der Pflege arbeiten können, liefert.

Auf dem Podium diskutierten Iris Gebh, stellvertretende Vorsitzende des Pflegerates in Schleswig-Holstein, Michael Müller, Pflegedirektor am Klinikum Itzehoe, Birte Pauls, Landtagsabgeordnete und pflegepolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Herta Laages, Ver.di Landesfachbereichsvorsitzende des Fachbereichs Gesundheit, Soziales, Wohlfahrt und Kirchen, Angelika Dahl-Dichmann, Diplom-Pflegewirtin und Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Klinikum Itzehoe, Heike Kühl, Betriebsratsvorsitzende bei Vitanas und Norbert Vahl, Betriebsratsvorsitzender im DRK-Kreisverband Segeberg und Mitglied im Landesvorstand der AfA. Wolfgang Mädel, Landesvorsitzender der AfA, moderierte.

Angelika Dahl-Dichmann, Heike Kühl und Norbert Vahl bejahten übereinstimmend die insgesamt prekäre Situation in der Pflege. „Wir befinden uns bereits im Pflegenotstand“, sagte Dahl-Dichmann. Es sei bereits so schlimm, dass in vielen Einrichtungen im Land die Leitungspositionen nicht mehr besetzt werden könnten. An Veränderungen forderte sie, Arbeitsplätze und auch Ausbildung attraktiver zu gestalten und die eigene Gesundheitsvorsorge der Pflegebeschäftigten bereits ab der Ausbildung fest zu verankern.

Auch Heike Kühl bestätigte die schlechte Situation in der Pflege und forderte, dass sich vor allem auch Betriebe besser um die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten kümmern, Angebote zur Gesundheitsvorsorge und –pflege sowie zur Weiterbildung und Qualifizierung unterbreiten sollten.


Mehr Wertschätzung für Mitarbeiter in der Pflege


Noch extremer sah Norbert Vahl die Situation. Das Grundproblem sei in der mangelnden Finanzierung im Pflegebereich zu finden: „Wir betreiben hier zurzeit nur noch eine Mangelverwaltung.“ Die Wertschätzung für den nicht nur körperlich sehr anstrengenden Beruf sollte sich auch in einem entsprechenden Lohn zeigen. Birte Pauls forderte, die Pflegekräfte von der Pflicht der Dokumentation zu entlasten. Auch dürfe es nicht sein, dass die Ausbildung in einem Mangelberuf weiterhin kostenpflichtig sei. Sie würde gern ein breites Bündnis für Pflege schaffen, in dem alle zusammen kämen, die auch mit Pflege zu tun hätten.

Außerdem ging es unter anderem um die Pflegekammer. Hier gingen die Meinungen dann auseinander. Während der Großteil die Einrichtung einer Pflegekammer für längst überfällig hielt, sah Herta Laages keine Notwendigkeit. „Alles, was die Kammer für die Pflege tun könnte, wird heute bereits von anderen Verbänden getan.“ Sie forderte hingegen von der Politik, sich endlich um die Pflegeberufe zu kümmern und vor allem mehr Geld in die Pflege zu investieren.

Nach soviel Information war das Plenum an der Reihe. Zündstoff lieferte vor allem die Frage, warum die Wertschätzung für die Sozialberufe so gering sei. Hier wurde festgestellt, dass sich auch die Politik eine viel zu lange Zeit nicht angemessen um diese Berufsgruppe gekümmert habe. Ob es in Zeiten des demographischen Wandels überhaupt möglich sei, die künftigen Aufgaben zu erfüllen, wusste niemand. Aber es war allen klar, dass dafür alles nur Mögliche getan werden müsse und dass damit auch bereits bei der Ausbildung angesetzt werden müsse, damit sich auch in Zukunft junge Menschen überhaupt für eine Ausbildung im Pflegebereich entscheiden.

Iris Gebh erklärte: „Wir sind dran! Wir müssen uns wertschätzen und nicht mehr darauf warten, dass andere etwas für uns tun!“

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