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Bürgerbefragung : Pflaster – Holprig contra glatt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Soll der Glückstädter Marktplatz neu gestaltet werden? – Die Bürger sind gefragt.

Wie soll der historische Marktplatz umgestaltet werden? Die CDU- und die Piraten-Fraktion haben dazu eine Bürgerbefragung auf den Weg gebracht. In vielen Glückstädter Geschäften liegen Fragebögen aus, auf denen die Bürger nach ihrer Meinung gefragt werden. Es gibt drei Varianten: Der Platz bleibt unverändert, eine Teilpflasterung mit Wegen für zirka 162  000 Euro Kosten oder eine Vollpflasterung für 435  000 Euro. Unsere Zeitung hat dazu Menschen rund um den Glückstädter Wochenmarkt zu dem Thema befragt. Die Meinungen gehen durchaus auseinander.

Gerhard Rieger (77), ehemaliger Marktbeschicker, genannt „Mister“: „Die Vollpflasterung ist für alle besser. Insbesondere für Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen und Rollstühlen ist der Marktplatz dann nutzbar. Ich habe selbst erlebt, dass Menschen vor meinem Imbiss-Stand gestürzt sind.“

Birgit Radebold (46), Lektorin: „Am besten würde mir gefallen, wenn der Marktplatz ganz neu gestaltet würde. Wie früher sollte der Markt ohne Straße herum und ohne Parkstreifen zu einem Platz der Begegnung mit einem Brunnenhaus in der Mitte werden.“

Hauke Böthern (79), Schlachtermeister in Rente: „Der Marktplatz soll ganz gepflastert werden, dass ist viel schöner und angenehmer zu begehen.“ Alles andere sei „halver Krom“. Eine Vollpflasterung sei auch besser für die Marktbeschicker und Schausteller des Jahrmarkts.

Kurt Schuh (70), ehemaliger Kernkraftwerksmitarbeiter und Vater der beiden Markt-Organisatoren Marko und Mirko Schuh: „Alleine die Marktbeschicker haben schon Probleme.“ Seine Frau Astrid stand jahrelang auf dem Markt, um zu verkaufen. „Sie hat dadurch Rückenprobleme bekommen.“ Wege anlegen sei keine Lösung. „Die Märkte werden jedes Mal anders aufgebaut.“

Rita Schubert (76), Rentnerin: „Alles andere als eine Vollpflasterung ist nur halber Kram. Die schmalen Wege würde man nicht immer sehen können. Das Bild kann gern historisch bleiben, aber dann mit glatten Steinen.“

Hugo Schulze (78), ehemaliger Steinsetzer bei den Stadtwerken: „Ich habe einen Gehwagen und kann so nicht über den Markt gehen. Vor 40 Jahren war ich dabei, als Teile der Pflasterung in den Fugen mit Teer verfüllt wurden. Aber die mussten wir dann wieder rauskratzen, da bei Hitze die Frauen mit ihren Hackenschuhen im Teer stecken blieben.“

Claudia Erler (35, Foto unten), Bankkauffrau, hat den Streifen „getestet“, der vor dem Kandelaber angelegt ist. „Wesentlich angenehmer“, sei dieses Pflaster. Vor allem für Tochter Alma (6 Monate). Denn auf den Marktplatzsteinen „hebt sie im Kinderwagen ab“. Das sei auch bei Sohn Anton (6) so gewesen. „Ich muss schon genau sehen, welchen Weg ich wähle“, sagt die Glückstädterin. In unserer Zeitung hat sie über die Diskussion um die Pflasterung gelesen. „Ich habe mir aber noch keine abschließende Meinung gebildet“, sagt Erler. Die Probepflasterung sehe modern aus, habe aber weniger Charakter als die alten Steine. Doch sie weiß auch: „Die älteren Menschen haben Probleme, über den Markt zu kommen.“

Karl-Heinz Jacobs (65), ehemaliger Leiter der Glückstädter Stadtwerke: „Der Marktplatz sollte so erhalten bleiben. Er gehört zum historischen Charakter. Ich habe Verständnis für die Forderung nach glatten Steinen, aber mit Stöckelschuhen sollte man ohnehin nicht auf den Markt gehen. Außerdem wäre die Umgestaltung sehr teuer.“

Gabriele Nickels (54), Betreuerin: „Komplett neu pflastern“, sagt sie. Ihre Erfahrungen, wenn sie mit Rollstuhlfahrern aus den Glückstädter Werkstätten auf dem Marktplatz unterwegs ist: „Das ist eine echte Herausforderung und ein Akt, an die Stände heranzukommen. Die jetzige Fläche entspricht nicht dem Teilhabe-Gesetz.“

Friedrich Seitzinger (75), Pensionär und Mitglied im Seniorenbeirat: „Ich bin für die Vollpflasterung. Bei der jetzigen Diskussion ärgere ich mich über die CDU-Wendehalspolitik. Nur Siegfried Hansen von den Piraten hat immer eine klare Position zur Pflasterung bezogen.“

Gerrit Heimsoth (71), pensionierter Lehrer aus Grevenkop: „Der Markt sollte so bleiben wie er ist. Ich persönlich fühle mich von der Pflasterung nicht beeinträchtigt. Er prägt das historische Stadtbild. Man kann nicht alles verändern, was momentan nützlicher erscheint. Der Markt würde an Atmosphäre verlieren.“

Hans Mester (77), ehemaliger Bahnmitarbeiter aus Borsfleth: „Ganz pflastern, dann ist erst einmal Ruhe. Wege sind in 20 Jahren nicht mehr zeitgemäß.“

Jan Wallraf (67), Selbstständiger: „Nur durch eine Vollpflasterung kann man die Nutzung flexibel erhalten. Die Rollstuhlfahrer tun mir jetzt leid. Das schon eingebaute Muster gefällt mir. Die jetzigen alten Steine können verkauft werden, denn die werden hoch gehandelt.“

Lore Schröder (78), Künstlerin: „Entweder ganz oder gar nicht, alles andere wäre Stückwerk. Im Moment finde ich den Markt schön und passend. Aber ich weiß auch, dass die Marktbeschicker es schwer haben. Ich denke aber auch an die Kosten.“

Harald Nordmann (42), Sicherheitsdienstler: „Ich bin für eine komplett neue Pflasterung. Die älteren Menschen haben arge Probleme, mit dem Rollator über den Platz zu gehen. Sie quälen sich dabei und haben womöglich noch Gemüse im Korb des Rollators.“

Gabriela Witt (65), ehemalige Betreuerin: „Neu pflastern, damit auch ältere Leute besser gehen können. So ist es zu beschwerlich.“

Martin Detjens (70), ehemaliger Gemüsebauer aus der Engelbrechtschen Wildnis: „Die Vollpflasterung wäre für die Marktbeschicker und ältere Leute einfacher. Auch optisch sieht es besser aus, da dann die Fugen nicht mehr so verschmutzen.“

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erstellt am 09.Feb.2017 | 16:54 Uhr

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