Handwerker : Pfeife: Symbol der Manneswürde

BevorThomas Terlinde, Klaus Jürgens und Harry Holm (von links) die  Tonpfeifen  rauchen, haben sie sie in ein Bierglas gesteckt.
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BevorThomas Terlinde, Klaus Jürgens und Harry Holm (von links) die Tonpfeifen rauchen, haben sie sie in ein Bierglas gesteckt.

Tolle Stimmung beim Fest der Handwerker. Nur Christian Lauenroth eckt mit seiner Büttenrede an.

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05. März 2014, 05:00 Uhr

Alte Handwerkstraditionen haben Charme: vor allem wenn dabei das Bier strömt, die Tonpfeife gestopft ist und die Witze stimmen. Die Stimmung auf dem Fest der Handwerker war so toll, wie schon seit langem nicht mehr. Und es wurde viel und laut gesungen – tatkräftige Unterstützung leisteten hier die Männer vom Shantychor „De Molenkieker“.

Geladen waren traditionell nur Männer. Wie beliebt die Veranstaltung ist, zeigte sich daran, dass Ex-Kreispräsident Friedrich Tiemann aus Hohenaspe anreiste, der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp aus Wacken und der Kreispräsident Peter Labendowicz aus Wilster. Letzterer war das erste Mal dabei und outete sich gleich als gebürtiger Ostwestfale, der keinen Karneval mag. Auch Bürgervorsteher Paul Roloff bekannte, dass er keine Frohnatur sei – erzählte aber trotzdem Witze.

Nach längerer Zeit war auch Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder mal wieder dabei. Er begeisterte in seinem Grußwort mit der Erinnerung eines Friseurlehrlings. Dieser arbeitete noch zu Zeiten, als die Damen im Salon hinter Vorhängen bedient wurden. Der Lehrling berichtete: „Ich habe ihr die Haare gewaschen und dann hat sie der Geselle fertig gemacht.“

Grußworte waren das eine, die Traditionellen Handlungen wie das Öffnen der Zunftlade – eine dunkelbraune Holzkiste – das andere. Nach alter Regel wurde auch Gericht gehalten. Wenn ein Handwerker sich ungebührlich verhalten hat, muss er eine Strafe zahlen. Diesmal traf es zwei Gäste. Denn Hannes Wede von den Molenkiekern hatte im vergangenen Jahr auf dem eigentlich frauenfreien Fest mit einer Frau getanzt. Für das damalige kurze Vergnügen musste er Buße tun – seine Tanzpartnerin auch. Beide schoben einen Euroschein in die Kasse.

Stolz dagegen war Hans-Hermann Theis, der für 25-jährige Zugehörigkeit am Handwerkerstammtisch ausgezeichnet wurde. Und Manfred Schütt präsentierte das neue von ihm gefertigte Emblem der Brauer und Melzer. Dies wird künftig im Stammlokal „Anno 1617“ hängen.

Ein Höhepunkt: Handwerker tunkten weiße Tonpfeifen in ihre Biergläser, um das Mundstück zu befeuchten. Und dann wurde geschmökt. Früher galt das Rauchen bei Gesellen nach bestandener Prüfung als ein Symbol erreichter Manneswürde.

Und zwischendurch wurde immer wieder gesungen: Von Glückstadt in alten Zeiten, vom Matjes, von der Elbe und der Nordseewellen. So aufgelockert, freuten sich alle auf den inoffiziellen Teil. Die Zunftlade wurde geschlossen, die Gäste hatten das Wort. Bürgermeister Gerhard Blasberg hielt eine Büttenrede, die schon „18 Jahre alt ist“ – verfasst von einem „Karnevalshasser“. Die Gäste waren begeistert. Das galt auch für die plattdeutsche Rede von Herbert Frauen, Ex-Schulleiter und jetziger Landwirt, der über die wichtigsten Dinge eines Bauern sprach: ein Messer, ein Nagel, Draht und ein Band.

Für viel Gelächter sorgten die Witze von Hans-Jörn Arp. Sie waren sehr humorvoll, aber nicht jugendfrei. Wenig Lacher und fast keinen Applaus hingegen bei Ex-Bürgermeister Christian Lauenroth: Seine Ergüsse über Männer und Frauen führten dazu, dass so einige Gäste den Saal verließen.

Handwerkersprecher Klaus Kühn sah sich gezwungen, das zu kommentieren: „Der Vortrag war hier nicht ganz passend.“ Das Stimmungsruder wurde dann aber noch mit einem Abschlusslied herumgerissen.

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