Hafenschließung : Petitionsausschuss soll helfen

Ausschussvorsitzender Uli König (li.) lässt sich von Björn Perßon erklären, warum der Friedrichsköger Hafen erhalten werden soll.
Ausschussvorsitzender Uli König (li.) lässt sich von Björn Perßon erklären, warum der Friedrichsköger Hafen erhalten werden soll.

Kiel möchte teures Ausbaggern und Sperrwerksbetrieb durch Schließung vermeiden – Friedrichskoog will nicht auf fauligem Wasser sitzen bleiben.

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09. Dezember 2014, 12:09 Uhr

Er stammt aus einer Fischerfamilie, kennt den Friedrichsköger Hafen aus seiner Kindheit noch als Badestelle. Nun möchte Björn Perßon den vom Aus bedrohten Kutterhafen retten helfen. Gestern befasste sich der Petitionsausschuss des Landtags mit einer Eingabe Perßons, ließ sich vor Ort informieren. Am Donnerstag soll der Hafen einmal mehr auf die Tagesordnung des Wirtschaftsausschusses.

Die Zeit drängt. Denn bereits im Frühjahr hatte die Landesregierung die endgültige Schließung des Hafens zum Jahresende verkündet. Inzwischen schwebt über der Gemeinde sogar die Androhung des sofortigen Vollzugs. Denn die Friedrichsköger kämpfen seit über vier Jahren um ihren Hafen, haben gegen die Ankündigung aus Kiel Klage eingereicht. Die hat zunächst aufschiebende Wirkung – was mit dem Sofortvollzug außer Kraft gesetzt werden könnte. Dagegen kann die Gemeinde erneut klagen. Das Nordseebad sieht sich in den Mühlen der Justiz. Vor allem ist Klagen teuer. Erst am Sonntag hatte die Bürgerinitiative Hafen-Zukunft (BIHZ) bei einer Versteigerung Geld zusammengetragen, um eine von zehn Friedrichskögern angestrengte Klage beim Verwaltungsgericht zu finanzieren.

Hintergrund: Schleswig-Holstein will den Landeshafen aufgeben, weil die Unterhaltskosten mit jährlich 800 000 Euro als zu teuer gelten. In dieser Summe ist der Betrieb des Sperrwerks enthalten sowie 300 000 Euro für das Ausbaggern des stetig versandenden Hafenpriels. Die Kutterflotte, noch 24 Schiffe, liegt inzwischen in Büsum, landet dort die gefangenen Krabben an. Da die Gemeinde finanziell nicht in der Lage ist, den teuren Hafenbetrieb zu übernehmen, soll ein Schöpfwerk die Entwässerung von 70 Prozent der Gemeindefläche über den Hafenpriel sicherstellen. Ausbaggern wäre dann nicht mehr nötig. Die Millioneninvestition, so die Rechnung, amortisiere sich in absehbarer Zeit.

Für Friedrichskoog sei das keine gute Lösung, sagt Bettina Adam von der BIHZ. Denn es werde befürchtet, dass gerade in so trockenen Sommern wie in diesem Jahr das dann im Hafenbecken stehende Wasser zu faulen beginne und sich Gestank über das Areal zwischen Spielwal und Seehundstation lege – beide Einrichtungen wurden vom Land kräftig finanziell gefördert. Das Geruchsproblem übrigens sieht die Landesregierung nicht. Aus dem Ressort von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer hat Bettina Adam ein Schreiben erhalten, in dem es wörtlich heißt: „Da mehr Regen fällt, als versickern oder verdunsten kann, ist ein Überschuss zu erwarten.“ Eine Aussage, die ihr die Sprache verschlägt. Solche Wetterprognosen seien nicht seriös, findet sie.

Bernd Voss, Vorsitzender des Fischervereins, skizzierte gestern beim Ortstermin eine andere denkbare Lösung, um zumindest das teure Baggern zu umgehen, mit dem jährlich 100 000 Kubikmeter Sediment aus der Fahrrinne geschafft werden: Eine Verlegung der Hafenzufahrt, angepasst an die Strömung. Denn es sei ja nur ein 400 Meter langer Abschnitt des zwei Kilometer langen Priels, in dem sich Sedimente sammeln. Vor dieser Stelle müsste, so Voss, die Zufahrt schräg nach Nordwest geführt werden. Mit dem Wasser aus einem zusätzlich angelegten Spülpolder könne bei Ebbe der Priel gespült werden, ein Bagger werde dadurch überflüssig.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vertieften der Ausschussvorsitzende Uli König und seine Landtagskollegen die Informationen. In Friedrichskoog muss man einmal mehr warten.

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