zur Navigation springen

Peter Heeren: Leidenschaftlicher Musiker mit hohen Ansprüchen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 23.Aug.2015 | 14:15 Uhr

„Ich möchte mit meiner Musik etwas ausdrücken. Das habe ich jahrelang abgelehnt.“ Peter Heeren, preisgekrönter Komponist aus Itzehoe, blickt ernst. Zurzeit steckt er in den Proben zu seinem nächsten Großprojekt: Beethovens 9. Symphonie, geplant für den 3. Januar 2016 mit 140 Teilnehmern.

Zu Beginn seiner Laufbahn bediente Heeren sich in der Musik geheimnisvoller Chiffren. „Ich wollte ganz viel hineinpacken. Die geballte Musik habe ich dann immer mehr gekürzt – bis nur ein Knochengerüst übrig blieb.“ Inzwischen hielt eine neue Lebendigkeit Einzug in seine Kompositionen. Ein Kunstwerk, egal aus welchem Genre, verweise im günstigen Fall vom Sichtbaren auf etwas anderes. Ob Musik von Bach nun lustig oder traurig sei – der Hörer habe immer das Gefühl, er sei geborgen in Gott, sagt der Kirchenmusiker Heeren.

Sein Qualitätsmerkmal für gute Kunst, ob nun Bild, Tanz oder Musik? „Ehrlichkeit!“ Dabei sieht er die Problematik, sich zu finden zwischen den eigenen Ansprüchen und dem Wunsch, ein großes Publikum zu erreichen. „Es gibt viele gute zeitgenössische Kompositionen, aber sie werden um Mitternacht im Radio gespielt.“ So blieben sie vielen fremd. „Ich als Komponist möchte mein Publikum neugierig machen. Wer sich dann mit Vorurteilen und Borniertheit verschließt, den kann und will ich nicht erreichen.“

Ungeschminkte, konsequente und ehrliche Musik strebt Heeren in seinen Kompositionen an. „Stücke dürfen Dramaturgie haben, Ausdruck haben, ohne dass ich mich dabei verrate.“

Inzwischen treffen bei Peter Heeren aus dem gesamten Bundesgebiet Anfragen für Kompositionen ein. Als das Duo Gerassimez in Speyer eines seiner Stücke in der Reihe „Kontrapunkte“ vortrug, erhielt er aus dem Publikum prompt einen neuen Auftrag: „Rondo“, das der Pianist Johannes Nies Anfang Dezember in Ludwigshafen zur Welturaufführung bringen wird. In einer seiner jüngsten Kompositionen brachte Heeren ein Duett für Klavier und Marimba zu Papier. Für die nähere Zukunft geplant ist die Vertonung eines Goethe-Gedichtes für Chor, drei Posaunen, Violine und 20 Gongs.

Peter Heeren, 1965 in Aurich geboren und in Itzehoe aufgewachsen, erhielt schon sehr früh Musikunterricht: Trompete bei Walter Wieben und Klavier/Orgel bei Hartmut Bethke, später bei Hans-Jürgen Schnoor. Bald spielte er in Wiebens Posaunenchor und durfte nächtelang in der St. Laurentii-Kirche an der Orgel sitzen, um in die Welt der Töne einzutauchen. Das Kirchenmusik- und Kompositionsstudium in Lübeck bei Prof. Martin Haselböck und Prof. Friedhelm Döhl, sowie sein Aufbaustudium Konzertreife in Hamburg bei Prof. Wolfgang Zerer schloss er mit Auszeichnungen ab. Er gewann den ersten Preis beim bundesdeutschen Hochschulwettbewerb, erhielt einen Possehl-Förderpreis und vor kurzem einen Förderpreis für ein Chorstück für die Konzertreihe „Alster Wanderwegs-Konzerte“.

Durch seine Stelle als Kirchenmusiker in Marne kann Heeren immer wieder zwischen dem beruflichen Stand- und Spielbein wechseln. „Die Marner akzeptieren meine Besonderheiten. Ich habe viele Freiräume und würde mit niemandem tauschen wollen.“ Jedes Jahr stellt Heeren in der Maria Magdalenen-Kirche eine große Aufführung auf die Beine. Er schätzt die Praxisnähe, die Arbeit mit engagierten Laien. „Kirchen sind die wenigen Orte, an denen Kunst nicht museal ist.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen