Angespannt : Personalprobleme bei der Polizei

Stationsleiter Michael Gohr (kl. Foto) hofft auf weiteres Personal und bittet die Bürger um Verständnis, wenn die Polizeistation in Glückstadt mal unbesetzt ist.  Fotos: Reimers/dpa
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Stationsleiter Michael Gohr (kl. Foto) hofft auf weiteres Personal und bittet die Bürger um Verständnis, wenn die Polizeistation in Glückstadt mal unbesetzt ist. Fotos: Reimers/dpa

Glückstädter Dienststelle in Nöten: Immer weniger Beamte sind vor Ort. Verbesserungen erst ab 2020 zu erwarten.

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14. Juni 2018, 05:00 Uhr

Die Polizei in Glückstadt hat nicht genügend Personal. Unsere Zeitung fragte beim Polizeistationsleiter, Hauptkommissar Michael Gohr, nach den Ursachen für die angespannte Situation.

Es gibt Zeiten, da ist niemand auf der Dienststelle. Woran liegt dies?

Derzeit sollen 13 Beamte in der Polizeistation arbeiten. Von diesen werden aber immer wieder welche an andere Dienststellen „ausgeliehen“, um dort besondere Belastungen auszugleichen. Momentan stehen deshalb einschließlich meiner Person nur elf Beamtinnen und Beamte der Stammbesatzung zur Verfügung. 2012 waren hier noch 16 Stellen. Seitdem wurden in der gesamten Polizeidirektion viele Stellen abgebaut. Die Dienststelle kann deshalb leider auch wochentags tagsüber immer weniger besetzt werden. Außerdem musste der damalige Ermittlungs- und Bezirksdienst der Dienststelle eingestellt und die Ermittlungsarbeit, neben der täglichen Präsenzverpflichtung auf der Straße, auf die gesamte Belegschaft verteilt werden.

Also war die Dienststelle früher immer besetzt?

Nein, das nicht, aber zumindest in der Woche tagsüber. Das ist auch für ein Unterzentrum mit rund 12 000 Einwohnern und 5000 weiteren in den betreuten Umlandgemeinden wohnenden Menschen angemessen. Natürlich ist auch heute immer die Erreichbarkeit der Polizei gewährleistet. Wenn man beispielsweise eine Anzeige erstatten möchte und die Dienststelle nicht besetzt ist, kann man uns über die 110 anrufen. Das wird dann an die Streife weitergegeben.

Stimmt es, dass Bürger vertröstet wurden, obwohl sie jemanden an der Dienststelle angetroffen haben?

In letzter Zeit ist es leider mehrmals vorgekommen, dass eine Anzeigenaufnahme abgebrochen werden musste, da ein Eileinsatz zu erledigen war. In den Fällen wurde die Anzeigenaufnahme aber immer zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Das ist natürlich für den Bürger aufwändiger.

Ist denn keine Verstärkung vom Revier in Brunsbüttelmöglich?

Der Stellenabbau betrifft leider die gesamte Polizeidirektion und damit auch unser komplettes Revier.

Wann mit einer personellen Verbesserung zu rechnen ist, ist zurzeit nicht absehbar?

Bis Ende letzten Jahres gab es noch die Polizeistation in der ehemaligen Marinekaserne, die im Bereich der Flüchtlingsunterkunft für Sicherheit sorgte. Mit Schließung der Unterkunft wurde sie aber aufgelöst und das Personal anderweitig verteilt. 2020 soll dort die Abschiebehafteinrichtung für Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg starten. Für diesen Zeitpunkt hat die Landespolizeiführung personelle Unterstützung zugesagt.

2020 – das ist ja noch einige Zeit hin.

Ich bitte um Verständnis, dass die Polizei Glückstadt bis dahin nicht immer besetzt oder erreichbar sein kann. Die polizeiliche Grundversorgung ist aber 24 Stunden am Tage und sieben Tage die Woche gewährleistet. Über den polizeilichen Notruf 110 steht die zuständige Präsenzstreife für die Bereiche Glückstadt, Horst und Krempe für die Bürgerinnen und Bürger stets zur Verfügung.

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