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Kreis Steinburg : Personalmangel: Immer mehr Wehren betroffen

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Not am Mann: Schon jetzt sind 40 der 100 Steinburger Feuerwehren personell an der Grenze.

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erstellt am 06.Feb.2009 | 03:23 Uhr

Kreis Steinburg | Wenn es brennt, rückt die Feuerwehr aus: Selbstverständlich ist das nicht. Immer mehr Freiwillige Feuerwehren - gut 100 gibt es davon im Kreis Steinburg - schaffen es nur noch mit Mühe, die gesetzliche Mindeststärke beim Personal zu erreichen. "Das ist in unseren Versammlungen ein Dauerthema", weiß Kreisbrandmeister Frank Raether, wie sehr das Thema in seinen Reihen auf den Nägeln brennt. Die Vorgaben sind unerbittlich: Mindestens 18 aktive Feuerwehrleute muss eine Einsatzabteilung zählen. Hinzu kommen mindestens neun Männer und Frauen in den Reserveabteilungen. Schon jetzt wird laut Raether die Gesamtstärke von 27 einsatzbereiten Mitgliedern in etwa 40 der Steinburger Feuerwehren nicht mehr erreicht. Eine kleine Gemeinde im Amt Schenefeld: Die 117 Einwohner mobilisieren derzeit gerade mal 19 Aktive. "Unter 18 geht bei mir gar nichts", weiß Raether, dass hier das absolute Limit schon erreicht ist. Noch werde diese Zahl überall im Kreisgebiet erreicht.

Sorge bereitet dem obersten Feuerwehrchef allerdings der zunehmende Einwohnerschwund und die demografische Entwicklung. Der hat auch der Gesetzgeber schon Rechnung getragen. Feuerwehrleute dürfen inzwischen bis zum Alter von 67 Jahren aktiven Dienst schieben. "Das hat der Statistik geholfen", sagt Raether. Er weiß, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Mit fortgeschrittenem Alter sind so manche Brandschützer den extremen körperlichen Belastungen nicht mehr gewachsen. "Da gibt es die ein oder andere Einschränkung. Auch machen die Reserveabteilungen ja zumeist nicht mehr den vollen Dienst."
Viele Einsatzkräfte sind tagsüber nicht erreichbar
Hinzu kommt, dass vor allem tagsüber die erforderlichen Einsatzstärken vielfach nicht mehr erreicht werden, weil immer mehr Feuerwehrleute außerhalb ihrer Heimatorte arbeiten. Das erklärt dann auch, weshalb selbst bei kleinen Einsätzen mitunter drei oder vier Wehren in Marsch gesetzt werden müssen. Für die jeweilige Ortswehr gilt: Der Löschwagen darf nur dann ausrücken, wenn er voll besetzt ist. Entsprechend sind auch die Alarmierungspläne auf diesen Umstand bereits ausgerichtet worden.

Oberstes Ziel für Frank Raether und seinen derzeit rund 3500 Mitglieder umfassenden Feuerwehrverband bleibt aber dennoch der Erhalt aller Wehren. Der Kreisbrandmeister weiß: Bei der Einrichtung zentraler Amtsfeuerwehren wäre es noch schwerer, genug Freiwillige zu mobilisieren. Bleibt verstärkte Mitgliederwerbung. Die ist allein schon durch einen Blick auf die jüngste Einsatzstatistik dringend nötig. Zwei Zahlen: Die Personalstärke in den Einsatzabteilungen ging binnen Jahresfrist um fünf Prozent zurück, gleichzeitig gab es aber rund 25 Prozent mehr Einsätze.
Intelligente und kreative Lösungen müssen her
Größtes Reservoir für die Nachwuchsrekrutierung sind immer noch die Jugendfeuerwehren, die derzeit rund 550 Mitglieder zählen. Wie viele von ihnen jährlich in die aktive Truppe wechseln, weiß Raether nicht genau: "Es ist aber eine nennenswerte Größenordnung." Ansonsten werden die meisten neuen Mitglieder durch persönliche Beziehungen, in der Nachbarschaft oder auch durch eigene Betroffenheit geworben. Unterm Strich hält Frank Raether mehr intelligente und kreative Lösungen für erforderlich. In der Schweiz, so nennt er ein Beispiel, müssten alle Einwohner, die nicht in der Feuerwehr sind, höhere Versicherungsprämien zahlen. Auch könne der anstrengende Dienst für das Gemeinwohl aus seiner Sicht noch mehr Anerkennung finden. "Warum sollte man nicht allen Feuerwehrleuten Zehnerkarten für Badeanstalten schenken?", nennt er ein Beispiel für eine Geste.

Angesichts des schon jetzt erkennbaren dringenden Handlungsbedarfs fordert Raether schließlich, dass sich alle Beteiligten und Betroffenen an einen Tisch setzen müssten, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Wir wissen alle: Da kommt was auf uns zu."

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