Edendorf in Itzehoe : Per Zwang im Wasserverband

Einen ganzen Ordner füllt die schriftliche Auseinandersetzung zwischen Christian Rathjen und dem Wasserverband Bekau. Foto: Kupfer
Einen ganzen Ordner füllt die schriftliche Auseinandersetzung zwischen Christian Rathjen und dem Wasserverband Bekau. Foto: Kupfer

Wer im Itzehoer Stadtteil Edendorf ein Grundstück besitzt, ist automatisch Mitglied im Wasserverband. Das bestätigt ein Gericht - und sorgt für Ärger bei den Eigentümern.

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26. April 2013, 09:42 Uhr

Itzehoe | "Wir Edendorfer sind nicht mehr Herr im eigenen Haus." Christian Rathjen kann es immer noch nicht glauben. Er ist Mitglied im Wasserverband Bekau (Kreis Steinburg) - jedoch ohne dies zu wollen. "Zwangsmitgliedschaft" nennt er das, "dingliche Mitgliedschaft" heißt es in der Satzung des Verbandes.

Je nach Grundstücksgröße werden für die Eigentümer in Edendorf nun jedes Jahr 15 bis 20 Euro fällig - je nachdem, wie viele Vorhaben für das kommende Jahr vom Verband geplant seien, erläutert Geschäftsführer Stefan Witt. Doch um das Geld geht es Rathjen gar nicht. "Mich stört diese Zwangsmitgliedschaft in einem Club, von dem ich vorher noch nie gehört habe."

Landwirtschaft ist in vielen Gebieten Wohnhäusern gewichen

Dabei gibt es den Wasserverband schon lange. Er entstammt der Edendorfer Vergangenheit, als der Ort noch zum großen Teil aus Ackern bestand. Die standen bei starkem Regen schnell unter Wasser, das in Gräben aufgefangen und in die Bekau abgepumpt werden musste. Dafür hatten sich die Bauern organisiert: Einer kaufte sich einen Bagger, mit dem er allen anderen Bauern bei der Regenwasser-Entsorgung half, die ihn dafür anteilig bezahlten.

Mittlerweile ist die Landwirtschaft in vielen Gebieten Wohnhäusern gewichen. Abfließendes Wasser müsse aber nach wie vor abgeleitet und in die Stör gepumpt werden. Dass dies zum Beispiel in Edendorf der Wasserverband Bekau übernimmt, sei den meisten jedoch nicht bewusst, so Witt. Das änderte sich erst 2009, als die Abschläge nach einer Gesetzesänderung nicht mehr pauschal über die Stadt, sondern von jedem Grundstückseigentümer separat eingefordert wurden. Mit mehreren Schreiben habe man die Eigentümer darauf hingewiesen, dass sie mit dem Kauf ihres Grundstücks automatisch Mitglied im Wasserverband geworden seien. Unverständlich für Rathjen, der mit rund 100 anderen Edendorfern eine Bürgerinitiative ins Leben rief.

"Kein Versäumnis des Verbandes"

Witt kann die Irritiation nachvollziehen, sieht darin jedoch "kein Versäumnis des Verbandes". Er könne nicht vor dem Grundstückskauf auf Verpflichtungen hinweisen, da er erst hinterher davon erfahre. "Wer ein Grundstück kauft, muss sich informieren, was dadurch auf ihn zukommt." Das bestätigte auch das Oberverwaltungsgericht Schleswig. Zumindest wies es Ende vergangenen Jahres die Klage Rathjens gegen die "Zwangsmitgliedschaft" ab.

Den stört das gewaltig: Die Satzung des Wasserverbandes enthalte Paragrafen, die "zu einem erheblichen Wertverlust des Grundstückes" führen, das er "lastenfrei" gekauft habe. So sei der Wasserverband beispielsweise befugt, die Grundstücke zu betreten und - wenn nötig - Arbeiten zur Instandhaltung der Anlagen durchzuführen. Auch die Bebauung der Grundstücke, auf denen sich Gewässer befinden oder die an Gewässer angrenzen, ist beschränkt. So darf ein fünf Meter breiter "Unterhaltungsstreifen" entlang der Gewässer nur nach Zustimmung des Verbands bebaut werden, um den Zugang zu sichern. Vorgaben, die laut Witt auch in den Jahren zuvor gültig, den meisten Edendorfern jedoch nicht bewusst waren.

Rathjen sieht sich in seinen Eigentumsrechten eingeschränkt - vor allem, weil das Wasser ohnehin von seinem Grundstück ablaufe. Doch jeder nutze zum Beispiel auch die Infrastruktur und profitiere davon, wenn sich das Wasser nicht irgendwo staue, sagt Witt. Dies gelte oft als selbstverständlich. "Darum ist es wichtig, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Arbeit der Wasserverbände zu schaffen."

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