Pendler: Kritik an Bahn-Plänen

Festredner: Dr. Klaus Lorenzen-Schmidt. Foto: boe
Festredner: Dr. Klaus Lorenzen-Schmidt. Foto: boe

Keine NOB-Stopps in Glückstadt wäre Rückschritt

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29. Oktober 2011, 07:03 Uhr

Glückstadt | Die Nordostsee-Bahn (NOB) soll ab 2014 nicht mehr in Glückstadt halten. Das Land spart dadurch pro Jahr einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag, der dazu beitragen soll, die Finanzierung des Angebots zum Hamburger Hauptbahnhof sicherzustellen. Die Nachricht wird von Pendlern aus Glückstadt nicht gut angenommen. Zahlreiche Glückstädter arbeiten in Hamburg. Sie fahren morgens und abends mit der NOB, die nur einen Zwischenstopp in Elmshorn hat.

"Wir werden mit Aktionen dagegen halten", sagt Hartmut Sierck (46), der als Mathematiker in Hamburg tätig ist. Erste Gespräche mit anderen Pendlern hat er bereits geführt. "Wir sind uns einig, dass es so nicht geht." Einen Stundentakt am Tag würde er persönlich akzeptieren, morgens und abends aber nicht.

"Wir tauschen eine schnelle Bahn gegen eine langsame", meint Stefan Goronczy (39), der als Bankangestellter in Hamburg arbeitet. Die Entscheidung hält er für fatal. Auch für Glückstadt als Tourismusstadt.

Krafft-Erik Rohleder (61), Speditionskaufmann, fährt zwar bis Hamburg-Hauptbahnhof, betont aber: "Es ist wichtig, dass es weiter einen Halt in Altona gibt." Zudem plädiert er für halbstündige Halts in den Stoßzeiten. Auch müsse beobachtet werden, was in den Zeiten ist, wenn Schüler die Bahnanbindung nutzen.

Jochen Bucher (47) ist als Ingenieur bei Airbus angestellt. Täglich fährt er um 5.50 Uhr los, steigt in Altona in einen Bus, um dann mit der Fähre zu Airbus überzusetzen. Fällt der NOB-Halt weg, "dann halten wir künftig an jeder Milchkanne", sagt er zu den geplanten Stopps in jedem kleinen Ort. "Die Fahrzeit wird sich verlängern." Er plädiert dafür, morgens von 6 bis 8 Uhr drei Stopps der NOB beizubehalten. Das gleiche gilt für abends, jeweils 17.33, 18.33 und 19.33 Uhr.

Staatsarchivar Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (63) hat seinen Arbeitsplatz in Wandsbek. "Ich finde, dass sich in den vergangenen Jahren die Verbindungen deutlich verbessert haben. Auch die NOB wurde ja - nachdem ihr Halt in Glückstadt erkämpft worden war - gut angenommen. Das Image litt im vergangenen halben Jahr allerdings wegen der Streiks. Insbesondere finde ich die direkte Verbindung der DB zwischen Glückstadt und Hamburg-Dammtor sowie Hauptbahnhof gut, denn sehr viele Pendler wollen ja nicht in den Westen der Stadt via Altona, sondern in andere, stärker arbeitsplatzversorgte Stadtteile in der City oder im Osten. Leider wird es ja keine Integration unserer Strecke in den HVV geben, weil man dann stärker zwischen Nahverkehr mit vielen Haltestellen und Durchgangsverkehr mit wenigen Haltestellen - von uns aus: Elmshorn, Pinneberg, Hamburg-Dammtor - differenzieren könnte; denn die Bahn braucht mit den Halts in Herzhorn, Tornesch und Prisdorf doch ziemlich lange." Eine Ausdünnung des Fahrplans hält er angesichts der starken Konkurrenz durch Autos für eine falsche Entscheidung.

Karsten Poetzsch (50) fordert, dass sich die Kommune jetzt einsetzt. "Nur die Politik kann ein Zeichen setzen", betont der Diplom-Wirtschaftsingenieur. Er sei wegen der guten Anbindung an Hamburg einst mit seiner Familie nach Glückstadt gezogen.

Ministerpräsident Peter Harry Carstens wirft er vor: "Er bekommt 20 Millionen Euro vom Bund als Regionalisierungsmittel und rückt das Geld nicht heraus."

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